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Todesfahrt von Berlin als Amoktat eingestuft

09. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Der tödliche Vorfall mit einem Auto in Berlin wird von der deutschen Bundes- und Landesregierung als Amoktat eingestuft.

Nach Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich am Donnerstag auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (beide SPD) dahingehend. Die Berliner Polizei legte sich indes noch nicht fest. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Dabei gibt es auch Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung des Fahrers. Durch die Ermittlungen der Polizei sei klar geworden, "dass es sich um die Amoktat eines psychisch schwer beeinträchtigten Menschen handelt", sagte Giffey im RBB-Inforadio. "Das hat sich gestern Abend verdichtet", berichtete sie.

Polizei sprach zuerst nicht von "Amoktat"

Die Polizei nutzte den Begriff "Amoktat" hingegen zunächst bewusst nicht. Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstag dazu: "Es gibt Tendenzen in diese Richtung, wir legen uns da aber noch nicht fest. Ermittelt wird weiterhin in alle Richtungen." Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte sich am Mittwochabend ähnlich geäußert.

Im Berliner Landeskriminalamt (LKA) ist jedoch eine Mordkommission für den Fall zuständig, nicht der Staatsschutz, der sich um politisch motivierte Kriminalität von Extremisten kümmert. Dies gibt einen Hinweis darauf, wie die Polizei den Fall nach den ersten Erkenntnissen einstuft.

Berlin: Behörden sprechen von Amoktat

14 Menschen verletzt

Bei seiner Tat tötete der Fahrer Mittwochvormittag eine Lehrerin aus Hessen und verletzte insgesamt 14 Menschen, vor allem aus der dazugehörigen Schülergruppe. Der Fahrer - ein 29 Jahre alter, in Berlin lebender Deutsch-Armenier - wurde gefasst und in ein Krankenhaus gebracht. Am Abend gedachten zahlreiche Menschen in der Gedächtniskirche der getöteten Frau und der Verletzten.

Täter war Polizei bekannt

Bereits am Mittwoch wurde unter anderem auch die Wohnung des Fahrers in Charlottenburg von der Polizei durchsucht. Der Mann soll der Polizei wegen mehrerer Delikte bekannt gewesen sein, jedoch nicht in Zusammenhang mit Extremismus. Die Schwester des Verdächtigen sagte einem "Bild"-Reporter: "Er hat schwerwiegende Probleme." Nachbarn äußerten sich der Zeitung zufolge erstaunt, "dass er zu so einer Tat fähig ist."

"Dunkler Tag in Berliner Stadtgeschichte"

Giffey sagte Donnerstagfrüh über den Täter, dass mit Hilfe eines Dolmetschers versucht werde, mehr "aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigt, herauszufinden". Ob die Plakate mit Bezug zur Türkei, die in dem Tatfahrzeug des Deutsch-Armeniers lagen, eine Rolle gespielt hätten, werde noch ermittelt. Sie sprach von einem "dunklen Tag in der Berliner Stadtgeschichte".

Die Notfall-Pläne zum koordinierten Einsatz aller Rettungskräfte und der psychosozialen Betreuung der Opfer hätten am Mittwoch "vorbildlich gegriffen", sagte Giffey. Umgesetzt worden sei, was nach dem islamistischen Terroranschlag 2016 "als Notfall- und Aktionsplan erarbeitet worden ist".

Behörden untersuchen weitere Schutzmaßnahmen

Von den 24 Schülern der zehnten Klasse-Gruppe aus Hessen liegen sieben im Krankenhaus, sagte Giffey. Insgesamt seien sechs Menschen lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt worden, darunter ist auch ein Lehrer. Die unverletzten Jugendlichen seien in ihrem Hotel von Berliner Schulpsychologen betreut worden. Noch am Mittwoch seien Eltern der Jugendlichen zusammen mit Schulpsychologen aus Hessen mit einem Bus angereist.

Zu möglichen Schutzmaßnahmen durch Poller an Straßen sagte Giffey, zu Wahrheit gehöre auch, "dass wir nicht die ganze Stadt abpollern können". Es werde aber von den Behörden untersucht, was zur Sicherheit zusätzlich möglich sei.

Quelle: Agenturen