Tod bei Alec Baldwins Western-Dreh: Wie es dazu kommen konnte

22. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Eine tote Kamerafrau, ein verletzter Regisseur, Filmstar Alec Baldwin, der die Requisitenwaffe abfeuerte und viele Fragen: Wie konnte es passieren, dass die Dreharbeiten zu "Rust" ein Todesopfer forderten?

Rund um den Dreh zum Western "Rust" auf der Bonanza Creek Ranch in New Mexico ermittelt die Polizei. Die 42-jährige Kamerafrau Halyna Hutchins starb während des Hubschrauberfluges Richtung Notaufnahme, Regisseur Joel Souza liegt im Spital. Sein Zustand ist kritisch. Filmstar und Produzent Alec Baldwin ("Jagd auf Roter Oktober", "30 Rock") feuerte eine Requisiten-Waffe ab - der genaue Tathergang ist nun Gegenstand von Ermittlungen. 

Dass scharfe Munition statt Platzpatronen geladen wurde, wie Laien annehmen könnten, ist fast ausgeschlossen. Bei solchen Produktionen ist ein Waffenmeister am Set für die Sicherheit zuständig. Der kontrolliere im Normalfall die Waffen mehrmals, bevor es zum Dreh kommt, erklärt Stuntman und Schauspieler Tom Hanslmaier auf PULS 24. 

Besonders interessant ist der Fall, weil ein Dreh mit Platzpatronen geplant war. Dabei sollten die Sicherheitsvorkehrungen also höher sein, als bei einem Dreh mit leerem Magazin. Es passierte auf Sets "sehr, sehr wenig", erklärt Hanslmaier. Zumindest bei Drehs in Österreich und Deutschland sie der Waffenmeister geschult. Wie es trotzdem zur Explosion kommen konnte, sei nun Gegenstand der Untersuchungskommission. 

Waffensachverständiger: Personal bei Drehs "weitgehend ungeschützt"

PULS 24 Anchor Werner Sejka spricht mit dem Journalisten und Waffensachverständigen Lars Winkelsdorf.

Verwechslung mit "scharfer" Munition unmöglich

Mehr Klarheit in die Sache bringt der Journalist und Waffensachverständige Lars Winkelsdorf: Er erklärt, dass für Requisiten echte Waffen umgebaut werden. Man schraubt ein Gewinde in den Lauf, dort wird eine Düse oder ein Ventil angebracht, die die Platzpatrone mit Gasdruck - mit viel geringerem als bei einer echten Waffe - abfeuert. Scharfe Munition würde die Waffe wahrscheinlich zerstören und den Schützen schwer verletzen. 

Der wahrscheinlichste Grund für die Explosion ist laut Winkelsdorf, dass sich die Gasdüse selbst gelöst hat und abgefeuert wurde. Die Flugbahn dieses Geschosses ist praktisch nicht berechenbar, kann splittern und selbst im Winkel von 45 Grad oder mehr aus dem Lauf kommen. Gegen eine solche Eventualität Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, sei extrem schwierig, weil ja auch spannende Bilder eingefangen werden müssen. Das würde auch erklären, warum sowohl die Kamerafrau als auch der Regisseur schwer verletzt bzw. getötet wurden. 

Der Waffensachverständige geht weder von einer bösen Absichten noch von Fahrlässigkeit aus, "vielmehr ist dieses Unfallrisiko bei Filmwaffen nicht zu unterschätzen und ein solcher Fall nun scheinbar eingetreten - mit leider tödlichen Folgen". 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam