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Tiroler Fasnacht mit "Mullerumzug" als weiteren Höhepunkt

08. Feb. 2026 · Lesedauer 3 min

Das große Tiroler Fasnachttreiben hat am Sonntag einen weiteren großen Höhepunkt erlebt: In der Gemeinde Thaur nahe Innsbruck fand der traditionsreiche "Mullerumzug" statt. Insgesamt 630 Brauchtums- und Faschingsakteure zogen bei strahlendem Wetter vor rund 11.000 Besuchern durch das Ortszentrum und boten sowohl Traditionsreiches wie "Muller"- und "Matschgerer"-Gruppen, als auch Faschingshaftes und Humoristisches.

Bei Plusgraden sorgten bei aller Buntheit und Vielfalt der Fasnacht- und Faschingswagen die jahrhundertealten Fasnachtgestalten rund um die "Muller" und "Matschgerer" für das größte Aufsehen. Im Wesentlichen bekam es das Publikum dabei sowohl bei den "Muller"- als auch bei den "Matschgerer"-Gruppen - von "Matschgerern" spricht man etwa in der Nachbargemeinde Absam - mit denselben, jahrhundertealten und mystischen Figuren zu tun.

Da wären etwa gewesen: Hexen, Kletzler, Melcher, Hiatltuxer, Spiegeltuxer, Zaggeler, Zottler oder der "Weiße". Sie alle hatten - wie stets - eine symbolische Ebene: Die Hexe etwa wollte den Winter "hinauskehren", Zaggeler oder Zottler sollen durch ihr Hüpfen und Springen "die erstarrte Erde zu neuer Fruchtbarkeit anspornen", wie es der Ethnologe Ludwig Berghold ausdrückte. Zentral war auch abermals das "Abmullen", bei dem der Schlag auf die Schulter eines Besuchers Unglück und Krankheiten fernhalten sowie Fruchtbarkeit und Glück bringen soll.

Dieses archaisch und wild anmutende Treiben, bei dem es in den Thaurer Gassen angesichts der Besucherfülle schon einmal sehr eng wurde, folgt entgegen der "wilden" Anmutung einem strengen Rahmen. Das beginnt allein schon damit, dass die jährliche Reihenfolge der Umzüge unter den sogenannten "Martha-Dörfern" - also Mils, Arzl, Thaur, Absam - klar geregelt ist. Die Dörfer wechseln sich nämlich Jahr für Jahr mit der Ausrichtung der großen Fasnacht-Events ab. Thaur kam zum letzten Mal - coronabedingt - vor acht Jahren zum Zug.

Absamer "Matschgerer" eröffneten, auch "Zeitgenössisches" fand Platz

Kollegialerweise überließ man aber dennoch den Absamer "Matschgerern" den Vortritt und diese den Umzug eröffnen. Später folgten schließlich die "Muller" aus Thaur, Mils und Arzl. Allesamt legten sie - mit nur kleinen Unterschieden - ihre Variante des althergebrachten Brauchs dar. Dazu gehören auch beispielsweise Bären, die publikumswirksam durch die Gassen gezogen wurden. Apropos Publikum: Dieses war bunt durchmischt und reichte von ganz jung bis recht betagt. Ein eigener Kinderbereich sollte etwa den Jüngsten einen niederschwelligen und möglichst stressfreien Fasnacht-Einstieg ermöglichen.

Bei all dem überlieferten und traditionsbeladenen Brauchtum kam aber auch das "Humoristische" und mithin eben auch das zeitgenössische und gegenwärtige Geschehen nicht zu kurz. So ließ sich etwa der frühere Thaurer ÖVP-Bürgermeister und Ex-Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, Christoph Walser, dem "Thaurer Promi-Waschen" unterziehen, das "Wir waschen alles rein" versprach.

"Mullerumzug" nicht allein auf weiter Fasnacht-Flur

Mit dem Fasnachtgeschehen in Thaur ist es in Tirol naturgemäß nicht getan. So war in der Gemeinde Fiss im Oberland bereits am 25. Jänner das ebenso traditionsreiche "Blochziehen" über die "Bühne" der Gemeinde gegangen. Auch das "Schellerlaufen" in Nassereith hatte bereits am 1. Februar stattgefunden. Noch am Programm steht hingegen unter anderem das "Wampelerreiten" am 12. Februar in der Gemeinde Axams im Bezirk Innsbruck-Land.

Das traditionelle Fasnachttreiben rund um "Muller", "Matschgerer" und andere mystische Figuren konzentriert sich im Bundesland vor allem auf die Oberländer Bezirke, Gemeinden nahe Innsbruck sowie Stadtteile in der Landeshauptstadt. In den Unterländer Bezirken Schwaz, Kufstein, Kitzbühel sowie in Osttirol hingegen wird traditionellerweise eher der klassische Fasching begangen.

Zusammenfassung
  • Beim traditionsreichen "Mullerumzug" in Thaur bei Innsbruck zogen am Sonntag 630 Akteure vor rund 11.000 Besucherinnen und Besuchern durch das Ortszentrum und präsentierten jahrhundertealte sowie humoristische Fasnachtsbräuche.
  • Die symbolträchtigen Figuren wie Hexen, Zottler und Zaggeler, die unter anderem den Winter vertreiben oder Fruchtbarkeit fördern sollen, sorgten für großes Aufsehen, wobei das "Abmullen" als Glücks- und Gesundheitsspender galt.
  • Die Organisation des Umzugs folgt einer festen jährlichen Reihenfolge unter den sogenannten "Martha-Dörfern" (Mils, Arzl, Thaur, Absam), wobei Thaur den Umzug erstmals seit acht Jahren wieder ausrichtete.