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Tabuthema Gewalt im Kreißsaal: Frauen oft schwer traumatisiert

25. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Viele Frauen erleben Gewalt bei der Geburt. Die Hebamme Margarete Wana erklärt, was getan werden muss, um die Situation für Mütter zu verbessern.

Gewalt im Kreißsaal ist ein Tabuthema, es gibt dazu wenig konkrete Zahlen. Die Organisation Human Rights in Childbirth schätzt, dass 40 bis 50 Prozent der Frauen vor, während oder nach der Geburt psychische oder physische Gewalt erleben. Im Gespräch mit PULS 24 Anchor Werner Sejka erklärt die Hausgeburten-Hebamme Margarete Wana, was getan werden muss, um die Geburt für Mütter sicherer zu gestalten.

Hebamme: Geburt ist oft "traumatisierend"

Die Bandbreite an Gewalterfahrungen im Kreißsaal sei sehr hoch, erklärt die Hebamme.  Sie reiche von einem "blöden Spruch" bis hin zu "körperlichen Verletzungen und Frauen, die die Geburt wie eine Vergewaltigung im Kreißsaal empfinden." 

Unzureichende Ausbildung, fehlende Kommunikation

Eines der Haupt-Probleme im Kreißsaal sei die mangelhafte Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und den Schwangeren. "Oft wird über sie hinweg entschieden", so Wana. Die genaue Aufklärung über medizinische Vorgänge sei in der Geburtshilfe "so schlecht wie in sonst keinem anderen medizinischen Fach". Die Hebamme führt das unter anderem auf die unzureichende Ausbildung im Medizin-Studium zurück. Dort werde Geburtshilfe nur als kleiner Teil des Faches Gynäkologie begriffen.

Dem Problem werde auch so wenig Achtung geschenkt, weil ausschließlich Frauen davon betroffen seien. 

Husband-Stitch auch in Österreich?

Eine der bekanntesten Gewalt-Erfahrungen während der Geburt ist der sogenannte "Husband-Stitch". Dabei werden nach einem Dammriss mehr Nähte als nötig angelegt, um die Vagina "enger" erscheinen zu lassen. Auch Frauen in Österreich haben in Foren von dieser Erfahrung berichtet.

In vielen Fällen grenzt dieser Vorgang an Genitalverstümmelung. Die Grenze sei ab dem Moment erreicht, ab dem es "für die Frau nicht mehr passt und nach der Geburt Probleme macht", betont Wana.

"Schwer traumatisierte" Mütter

Die Folgen von Gewalterfahrungen bei der Geburt können schwerwiegend sein. Viele Mütter seien danach "schwer traumatisiert", es käme auch zu "körperlichen Folgen", so Wana. 

Derzeit gäbe es noch wenig offizielle Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, betont die Hebamme. "Es bräuchte eine Anlaufstelle und eine gute Erhebung der Daten", erklärt Wana. "Da ist noch viel zu tun."

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Quelle: Redaktion / mbe