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Sturmböen: Steigende Lawinengefahr und Unfälle

07. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Stürmischer Wind und Neuschnee haben die Lawinengefahr in Westösterreichs Bergen am Montag weiter ansteigen lassen. Auch in der Obersteiermark sorgen Sturm und Schnee für Verkehrsunfälle.

Ein Tief über der Ostsee, an dessen Rückseite eine Nordwestströmung mit Kaltfront Österreich querte, hat uns stürmischen Wind beschert: In den Bergen gab es Böen von über 150 km/h, in Tieflagen waren es noch 120. Bereits am Montag tritt eine Besserung ein und die Störung wird immer weniger wirksam. Dann sollte es laut ZAMG einige Tage sonniges und trockenes Wetter geben, lediglich am Dienstag wird es im Norden und Osten Wolken geben.

In Tirol und Vorarlberg stieg die Warnstufe in höheren Lagen auf Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala. Die Warndienste rieten von Aktivitäten abseits gesicherter Pisten ab. In den vergangenen Tagen starben in Österreich neun Personen bei Lawinenabgängen.

Georg Haas, Meteorologe bei "wetter.com", spricht im Interview mit PULS 24 u.a. über die Lawinengefahr.

Unerfahrene sollten Pisten nicht verlassen

Tiroler und Vorarlberger Experten warnten vor allem vor umfangreichen Triebschneeablagerungen oberhalb der Baumgrenze, die sich durch den stürmischen Wind in den vergangenen Tagen bildeten. Schon durch geringe Zusatzbelastungen könnten Lawinen abgehen, auch spontane Abgänge und Fernauslösungen seien möglich, hieß es in den Warnberichten. Dabei könnte zudem die Altschneedecke mitgerissen werden, daher seien auch große Lawinen möglich. Die Gefahrenstellen liegen oberhalb von 1.600 Metern und sind durch die schlechte Sicht nur schwer erkennbar. Der derzeitige Situation erfordere viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr, Unerfahrene sollten daher gesicherte Pisten nicht verlassen.

In der Nacht auf Montag fielen in Vorarlberg weitere bis zu 40 Zentimeter Neuschnee. Aufgrund orkanartiger Windböen mit bis zu 150 km/h wurden große Schneemengen verfrachtet. Im Tagesverlauf werden die Triebschneeansammlungen daher neuerlich anwachsen. Gefahrenstellen lägen vor allem in höheren Lagen der Expositionen West über Nord bis Ost. In niedrigeren Lagen liege die Warnstufe bei 3 ("erheblich"), so die Fachleute. Die Situation werde auch in den kommenden Tagen heikel bleiben.

100 Lawinen in Tirol

In den vergangenen Tagen kam es allein in Tirol zu rund 100 Lawinenereignissen. 490 Bergrettungsleute und 30 Alpinpolizistinnen und -polizisten mussten ausrücken. Es gab so viele Einsätze wie nie zuvor. Viele Unfälle mit Wintersportlern gingen glimpflich aus, dennoch starben neun Menschen am Wochenende in Österreich bei Lawinenabgängen. Ein besonders tragisches Ereignis passierte in Spiss an der tirolerisch-schweizerischen Grenze, wo fünf Menschen ihr Leben in den Schneemassen verloren.

Kritik an Wintersportlern

Kritik an den Wintersportlern, die bei derart prekären Verhältnissen Skitouren unternehmen, übte indes der Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes, der Tiroler Stefan Hochstaffl: "Die Leute sind schon ignorant. Als wir am Donnerstag die Lawinenwarnstufe 4 hatten und wir mit dem Hubschrauber geflogen sind, haben wir gesehen: Da ist einfach alles abgefahren worden, ohne Rücksicht. Man kann bei einem 4er auch noch eine Skitour gehen, aber muss sich halt brutal defensiv verhalten. Und das ist nicht der Fall gewesen", sagte Hochstaffl im Ö1-"Journal um acht". Am Freitag hatte bereits der Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, Kritik geübt.

Verkehrsunfälle in der Obersteiermark

Sturmböen und Schneefall haben auch Montagvormittag in der Obersteiermark für schwierige Fahrverhältnisse gesorgt: Mehrere Pkw sind zum Teil miteinander kollidiert. Polizei und Feuerwehren sprachen von mehreren Verletzten. Auf der B320 bei Mitterberg waren zumindest drei Fahrzeuge verwickelt, wobei fünf Insassen Verletzungen erlitten, hieß es seitens der Pressestelle der Landespolizeidirektion Steiermark.

Gegen 7.45 Uhr waren ebenfalls drei Fahrzeuge in eine Karambolage in Espang (Bezirk Liezen) involviert. Dabei wurde eine Person verletzt. Durch die Sturmböen und den Schneefall war es zu Schneeverwehungen gekommen, die den Fahrzeuglenkern Schwierigkeiten bereiteten. Wegen des starken Windes mussten einige Seilbahnen den Betrieb einstellen. Für Graz gab es Montagvormittag eine Sturmwarnung: Mit Spitzengeschwindigkeiten von 60 bis 70 Kilometer pro Stunde müsse im Stadtgebiet und vor allem im Grazer Bergland gerechnet werden.

Quelle: Agenturen / koa