APA - Austria Presse Agentur

Siegerentwurf für Wiener Fernbus-Terminal kommt aus Wien

18. Mai 2021 · Lesedauer 6 min

Schon länger steht fest, dass der neue zentrale Fernbus-Terminal in Wien beim Stadion Center am Handelskai im zweiten Bezirk Leopoldstadt errichtet wird. Wie dieser aussehen soll, war bisher offen - am Dienstag wurden nun die Details wie auch der Siegerentwurf eines Wiener Architektenteams, Burtscher-Durig ZT GmbH, präsentiert. Der Baustart soll frühestens Ende 2022 erfolgen, die Eröffnung ist 2025 avisiert. Das 200-Mio.-Euro-Projekt wird von privaten Investoren finanziert.

Der neue Busterminal bei der U2-Station "Stadion" wird sich über zwei Ebenen erstrecken: Unterirdisch befinden sich die Ein- und Ausstiege, auf der anderen Ebene der Empfangs- und Ticketbereich, die Gastronomie und Sanitäranlagen. Weiters sind zwei Bauwerke geplant: Ein 90-Meter-Hochhaus als "Landmark" erhebt sich über dem Terminalbereich bei der Engerthstraße. Dort sollen Büro und ein Hotel Platz finden. Als Gegenpol dazu wird entlang des Handelskais ein horizontal ausgerichtetes Gebäude errichtet, das den Busterminal räumlich akzentuiert abschließt. Dieses "Haus am Kai" wird in den Untergeschoßen Service- und Verwaltungsräume und in den vier oberen Stockwerken nutzungsoffene Flächen mit Donaublick beherbergen. Ein markantes Herzstück des Busbahnhofs ist auch ein luftiges Dach, das die Baukörper und das Verkehrsgeschoß miteinander verbindet. Auch auf viel Grün wurde Wert gelegt. Ein Weg über das Dach durch den dort angelegten Park verbindet beispielsweise das Stadion Center, das Donauufer und den nahe gelegenen Prater.

Für Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist der neue Terminal ein "ganz wichtiges Infrastrukturprojekt für die Zukunft unserer Stadt", wie er bei der Präsentation unterstrich. Busreisen seien in den Jahren vor der Corona-Pandemie immer beliebter geworden, quer durch alle Schichten. Daher sei es Ziel geworden, von Wien aus alle großen Metropolen in Europa mit Bussen erreichbar zu machen. In der Zeit vor Corona seien bis zu 200.000 Ankünfte und Abfahrten mit Fernbussen registriert worden. Rund fünf Millionen Passagierinnen und Passagiere seien per Bus nach Wien oder von Wien weg gefahren.

"Wien braucht als lebenswerteste Stadt der Welt und als bedeutende Tourismusdestination einen attraktiven, internationalen Fernbus-Terminal. Denn bisher ist der Fernbus-Verkehr in Wien auf drei Standorte aufgeteilt. Der neue zentrale Terminal ist künftig neben dem Flughafen und dem Hauptbahnhof die dritte starke Säule im Personen-Fernverkehr. Und er wird eine prägnante Visitenkarte für die Stadt und ein Impuls für die Umgebung sein: modern, übersichtlich, gut organisiert in einem freundlichen Ambiente", hob der Stadtchef weiter hervor.

Das Design für den neuen Terminal wurde im Rahmen eines internationalen Architekturwettbewerbs gesucht. Es gab 27 Einreichungen, eine Fachjury kürte schließlich den Entwurf des Wiener Architekturbüros zum Gewinner des EU-weiten Verfahrens. Bewertet wurden neben den städtebaulichen, baukünstlerischen und funktionellen Lösungen auch die Nachhaltigkeit der eingereichten Projekte sowie die Wirtschaftlichkeit in der Errichtung, im Betrieb und in der Erhaltung.

Neben dem Siegerentwurf wurden heute auch die künftigen Betreiber und Investoren für das Projekt unter dem Dach der Wien Holding präsentiert. Als Betreiber hat im Verfahren um die Konzession die Betreibergesellschaft (BGR Busterminal GmbH), bestehend aus den Firmen Blaguss, Gschwindl und Dr. Richard, den Zuschlag erhalten. Finanziert wird das Bauprojekt rein aus privater Hand. Die Finanziers wurden ebenfalls im Rahmen eines Verfahrens ausgewählt, berichtete Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Geworden ist es die Donau Busterminal Realisierungs GmbH der Investoren Ariel Muzicant und Markus Teufel. Was der Ressortchef in diesem Zusammenhang betonte: "Die Stadt Wien bleibt Eigentümer der Liegenschaft."

Die für die Bereiche Planung und Verkehr zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) präsentierte abschließend auch den weiteren Fahrplan. "Wir sind schon dran, den Flächenwidmungsplan für dieses Projekt vorzubereiten." Bis Ende des Jahres soll dieser im Gemeinderat beschlossen werden. Ein Baubeginn ist frühestens für Ende 2022 vorgesehen. "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir hier zügig Nägel mit Köpfen machen." Der neue Bus-Terminal soll ein Ort sein, "wo man gerne in Wien ankommt und sagt: Ja, das ist eine schöne Stadt, das ist ein schönes Willkommen".

Erfreut über die heute präsentierten Projektpläne zeigten sich Vertreter der Wiener Wirtschaftskammer. "Der neue Fernbusterminal ist eine wichtige Investition zur richtigen Zeit", zeigte sich Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, in einer Aussendung überzeugt. Zufrieden ist der Kammervertreter auch mit den künftigen Betreibern: "Wer, wenn nicht die Profis vom Fach, weiß am besten, was die Passagiere benötigen und goutieren? Und vor allem, womit man die Fernbus-Betreiber dazu bringt, Wien künftig noch häufiger anzufahren. Mit der Einbindung der Wiener Busunternehmen hat die Stadt Wien ein Projekt mit Zukunft und für die Zukunft geschaffen." Davor Sertic, Spartenobmann Transport und Verkehr, forderte einen schnellen Baustart, "bevor das Projekt wieder liegen bleibt" - denn er ist überzeugt: "Der Fernbus als bequeme und nachhaltige Alternative zum Individualverkehr wird auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen."

Mahnende Worte kamen indes vom ehemaligen Koalitionspartner der SPÖ, den Grünen. Diese waren bis zum Ende der rot-grünen Koalition im Vorjahr in das Projekt involviert, da sie das Planungs- und Verkehrsressort verantworteten. Konkret forderten sie, dass das Vorhaben "positive Auswirkungen für die Bevölkerung" haben müsse. Dazu gehört beispielsweise, dass die Anrainer und Anrainerinnen nicht von den Zu- und Abfahrten belastet werden: "Die Wohngebiete sollen verkehrsberuhigt und die Durchfahrt durch den Grünen Prater muss endlich unterbunden werden", unterstrichen der Mobilitätssprecher der Grünen Wien, Kilian Stark und der Bezirksvorsteher-Stellvertreter der Leopoldstadt, Bernhard Seitz, in einer Aussendung.

Die aktuellen SPÖ-Regierungspartner NEOS hoben in ihrer Reaktion unterdessen das große Potenzial des Projekts hervor. "Nicht nur für den Mobilitätssektor, sondern auch für die Stadtentwicklung stellt das Projekt einen wichtigen Meilenstein dar, wurde in einer Aussendung unterstrichen. "Der Fernbus-Terminal wird nicht nur für Reisende ein wichtiger Standort, sondern auch für den ganzen Stadtteil und seine Weiterentwicklung prägend sein", ist die pinke Stadtplanungs-Sprecherin Selma Arapovic überzeugt.

Die Wiener Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ übten - wenig überraschend - Kritik am dem Großprojekt. "Nach wie vor sind viele Fragen offen, die nicht angesprochen und beantwortet wurden. Details zur verkehrstechnischen Lösung etwa und rund um die Bürgereinbindung fehlen. Hier erwarten wir uns mehr Klarheit", forderten der türkise Verkehrssprecher Wolfgang Kieslich und seine Parteikollegin, die Leopoldstädter Bezirksparteiobfrau Sabine Schwarz. Ganz und gar gegen das Projekt in seiner derzeitigen Form sind die Freiheitlichen. "Das unersetzbare Naherholungsgebiet des Grünen Praters ist da ebenso wurscht wie Tausende Anrainer, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder kommen werden", ärgerten sich der blaue Verkehrssprecher Toni Mahdalik und der Leopoldstädter FPÖ-Obmann Wolfgang Seidl in einer gemeinsamen Aussendung. Die FPÖ hätte den Terminal gerne am Stadtrand mit U-Bahnanschluss realisiert.

Quelle: Agenturen