Doppelmord in Salzburg - schärferes Waffengesetz gefordert

06. Mai 2021 · Lesedauer 6 min

In der Nacht auf Donnerstag wurden in Wals-Siezenheim (Flachgau) zwei Frauen getötet. Hieß es anfangs, dass es sich beim mutmaßlichen Mörder um den Ex-Partner von einem der Opfer gehandelt habe, sagt der Bruder des Opfers: Es sei ein Stalker gewesen. Bei den beiden Frauen handelt es sich um Tante und Cousine des Schlagerstars Stefan Mross.

In Salzburg erschoss in der Nacht auf Donnerstag ein 51-Jähriger eine Frau (50) und deren Mutter (76). Danach flüchtete der Mann mit dem Auto. Er wählte noch in der Nacht selbst den Notruf und kontaktierte die Polizei. In den Morgenstunden wurde er im Raum St. Wolfgang (Bezirk Gmunden) festgenommen, wie ein Sprecher der Landespolizeidirektion angab.

In der Nacht auf Freitag wurde bekannt, dass es sich bei den Opfern um die Tante und Cousine von Stefan Mross handelt. Der Schlagerstar zeigte sich tief betroffen. 

 

Schärferer Waffengesetz

In der Nacht auf Freitag wurde bekannt, dass es sich bei den Opfern um die Tante und Cousine von Stefan Mross handelt. Der Schlagerstar zeigte sich tief betroffen. Gewaltforscherin Birgitt Haller verweist auf "Ö1" auf Deutschland. Im Nachbarland seien die Waffengesetze strenger, nicht nur bei Schusswaffen. Würde man mit einem Messer auf sein Opfer losgehen, bestehe eine Hemmschwelle, weil man sich dem Opfer nähern müsse, erläutert Haller. Desto mehr Schusswaffen im Umlauf seien, desto mehr Morde gebe es auch, verweist die Gewaltforscherin auf eine eigene Studie, die sie bereits vor einem Jahrzehnt erstellt habe. In der Pandemie blieben selbst nach Verhängen des Lockdowns Waffengeschäfte offen und wurden gut besucht. In den österreichischen Waffenschmieden wurde teils im Schichtbetrieb gearbeitet. 

Stalker

Wurde anfangs davon berichtet, dass es sich um den ehemaligen Lebensgefährten handle, werden nun weitere Details bekannt. Der mutmaßliche Täter soll ein Stalker sein. Das sagt der Bruder des jüngeren Opfers gegenüber PULS 24. Die beiden sollen keine Beziehung gehabt haben, der spätere Täter habe die Frau mit Telefonanrufen, Briefen, Paketen, etc. belästigt. Bereits Anfang Jänner wurde er angezeigt - PULS 24 konnte die Anzeige einsehen. Das Verfahren sei dann aber für den Bruder völlig unverständlich eingestellt worden. Er erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Eine Bestätigung der Staatsanwaltschaft steht noch aus. Noch am Dienstag habe er Kontakt mit dem mutmaßlichen Täter gehabt und ihn gewarnt, seine Schwester in Ruhe zu lassen - ansonsten würde er ihn erneut anzeigen. Die Polizei erklärt gegenüber PULS 24, sie prüfe derzeit, in welcher Beziehung das Opfer und der mutmaßliche Täter standen.

Nachbarn hörten Schüsse

Die Tat wurde am Mittwoch gegen 23.45 Uhr beim Einfamilienhaus der beiden Frauen in Wals-Siezenheim im Flachgau begangen. Der Mann aus der Stadt Salzburg suchte sein späteres Opfer, die bei ihrer Mutter war, auf. Dabei kam es zu einem Streit, der so laut wurde, dass Nachbarn den Lärm hörten und die Polizei verständigten. Danach vernahmen sie auch noch Schüsse und sahen, wie der Mann zu Fuß flüchtete.

Beim Eintreffen der Polizei entdeckten die Beamten die beiden toten Frauen im Eingangsbereich des Hauses. Da zunächst nicht klar war, wohin der Täter verschwunden war, wurde die Umgebung abgesucht. Allerdings ohne Erfolg.

Noch in der Nacht rief der mutmaßliche Täter zunächst eine Bekannte an und hinterließ ihr eine Sprachnachricht. Darin gestand er die Tat und kündigte an, sich das Leben zu nehmen. Wenig später meldete er sich via Notruf auch bei der Polizei und sagte, dass er zwei Faustfeuerwaffen bei sich habe und Suizid begehen werde. Im Verlauf des Gesprächs versuchten die Polizisten, den Mann zur Aufgabe zu überreden.

Mann stellte sich nach Großfahndung

Parallel dazu wurde eine Großfahndung mit Streifen aus Salzburg, Oberösterreich und Bayern, der Cobra und einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera gestartet. Gegen 4.30 Uhr stellte sich der 51-Jährige - laut Polizeiaussendung aufgrund des Fahndungsdrucks - der Cobra in Abersee am Wolfgangsee (zwischen den Gemeinden St. Gilgen und Strobl) auf einem Campingplatz. Die Polizei korrigierte damit auch die ursprüngliche Angabe, wonach die Festnahme in St. Wolfgang auf der anderen Seeseite erfolgt sei. Der Verdächtige wurde festgenommen und ins Polizeigefängnis gebracht. Zwei geladene Schusswaffen wurden bei ihm sichergestellt. Diese hat der 51-Jährige legal besessen: Er war Berufsdetektiv, ob er diesen Beruf aber aktuell noch ausgeübt hat, war vorerst nicht bekannt.

Über die Hintergründe und den genauen Ablauf der Tat gab die Polizei am Vormittag noch keine Informationen bekannt. "Die Einvernahme des Verdächtigen läuft am Vormittag. Danach und nach der Befragung der Zeugen wissen wir mehr", sagte ein Polizeisprecher. So konnte bzw. wollte er auch noch keine näheren Angaben machen, mit wie vielen Schüssen die beiden Frauen getötet worden sind, denn auch da wolle man zuerst abwarten, ob die Ermittlungsergebnisse mit den Aussagen übereinstimmen.

Frauenmord-Serie: Maßnahmenpaket der Regierung

Seit Jahresbeginn wurden in Österreich elf Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern ermordet. Erst Ende April sorgte in Wien der Mord an einer 35-Jährigen für Aufsehen. Der mutmaßliche Täter wurde durch durch einen Prozess gegen Grünen-Abgeordnete Sigi Maurer als "Bierwirt" bekannt. Der Fall löste eine breite Diskussion über Gewaltprävention aus. Die Politik reagierte darauf mit einem Sicherheitsgipfel, bei dem ein Maßnahmenpaket beschlossen wurde. Frauen-Hilfsorganisationen kritisierten, dass die Maßnahmen in die falsche Richtung gehen. Statt auf den Opferschutz setze man auf die Stärkung der Polizei. Nach anfänglicher Kritik,  kündigte Bundeskanzler Kurz an, mehr Geld zur Verfügung stellen zu wollen. 

Mückstein will präventive Maßnahmen fördern

Zahlreiche Politiker reagierten am Donnerstag nach dem Mord. "Es gibt für Mord keine Grauzone, Mord ist Mord", sagte zum Beispiel Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein vor dem Bundesrat. Er wolle präventive Maßnahmen fördern. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach am Donnerstagmorgen der Familie der Opfer sein Beileid aus. Er betonte noch einmal die Wichtigkeit des Sicherheitspakets und dass die Täter "in voller Härte" bestraft werden. "Solche Verbrechen dürfen in unserem Land keinen Platz haben."

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe