Russland verkündet Feuerpause und humanitäre Korridore

08. März 2022 · Lesedauer 2 min

Russland hat eine Feuerpause in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine verkündet und die Einrichtung von humanitären Korridoren aus fünf belagerten Großstädten bekanntgegeben.

Die russischen Kräfte hätten das Feuer um 8.00 Uhr MEZ eingestellt, teilte das Verteidigungsministerium des Aggressorstaates nach Angaben der Agentur Interfax mit. Russland habe zudem Korridore für Zivilisten aus den Kiew, Tschernihiw, Sumy, Charkiw und Mariupol eingerichtet. Zuvor waren mehrere Versuche zur Einrichtung von Fluchtwegen aus umkämpften Städten gescheitert.

Viele Ukrainer misstrauen den Fluchtkorridoren der russischen Armee, schildert etwa die freie Journalistin Karina Beigelzimer aus Odessa im Gespräch mit PULS 24 Anchor Thomas Mohr. "Wie soll man Menschen glauben, die auf einen schießen", fragt sie. In den vergangenen Tagen war es bei humanitären Korridoren immer wieder zu Beschuss von Zivilisten und Toten gekommen.

Karina Beigelzimer, freie Journalistin und Deutschlehrerin in Odessa, berichtet über die Situation in Odessa.

Zuvor hatte sich die Lage für die Bevölkerung weiter zugespitzt. Bei Luftangriffen auf die nordostukrainische Großstadt Sumy wurden den lokalen Behörden zufolge mehr als zehn Menschen getötet, darunter auch Kinder. Bei den Angriffen auf Sumy wurden "in einigen Ortschaften Wohngebäude bombardiert. Und fast im Zentrum von Sumy wurden mehrere Häuser durch einen Bombentreffer zerstört", teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Dmytro Schywyzkyj, in der Nacht auf Dienstag mit. Die Angaben waren nicht unabhängig zu prüfen.

Strategische Metropole Mariupol verwüstet

In der von Russland belagerten Hafenstadt Mariupol spitzte sich die Lage nach Angaben des Stadtrats weiter zu. "Es gibt keine Straße ohne kaputte Fenster, zerstörte Wohnungen oder Häuser." Die Stadt sei ohne Strom, Wasser und Gas. Mariupol liegt nahe der sogenannten Kontaktlinie zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischer Armee im Verwaltungsbezirk Donezk. Die Stadt hat strategisch große Bedeutung.

Selenskyj: "Ich bleibe in Kiew"

Präsident Wolodymir Selenskyj versprach in einer am Montagabend veröffentlichten Videobotschaft, die Hauptstadt Kiew trotz der Kämpfe nicht zu verlassen. "Ich bleibe in Kiew", sagte Selenskyj. Er verstecke sich nicht und habe vor niemandem Angst, erklärte der Präsident des angegriffenen Landes.

Man werde weiter mit Russland sprechen. "Wir werden auf Verhandlungen bestehen, bis wir einen Weg finden, unseren Menschen zu sagen: So kommen wir zum Frieden." Jeder Tag des Kampfes schaffe "bessere Bedingungen" für die Ukraine. "Eine starke Position. Um unsere Zukunft zu sichern. Nach diesem Krieg", sagte der ukrainische Präsident.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / hos