Rauchen ist schlecht für die Psyche und für die Knochen
Experten vom deutschen Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim haben vor kurzem in BMC Public Health (DOI: 10.1186/s12889-025-25959-0) eine Studie auf der Basis der größten epidemiologischen Untersuchung in Deutschland publiziert, berichtete am Donnerstag das "Deutsche Ärzteblatt". Das Ergebnis: "Wer raucht, hat ein höheres Risiko, an Depression zu erkranken als Nichtraucher. Dabei korreliert die Zahl täglich gerauchter Zigaretten mit der Schwere der Depressivität."
Je früher mit dem Rauchen begonnen werde, desto früher komme es zu einer ersten depressiven Episode. Depressive Symptome bei ehemaligen Raucherinnen und Rauchern seien umso ausgeprägter, je weniger Zeit seit dem Rauchstopp vergangen sei. Insgesamt bezog sich die epidemiologische Untersuchung auf die Daten von fast 174.000 Erwachsenen, von denen etwas weniger als die Hälfte (rund 82.000) nie geraucht hatten. 34.000 Personen griffen zu Zigaretten, rund 58.000 waren Ex-Raucher. In der Auswertung wurden Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, BMI und Alkoholkonsum korrigiert, um die Daten vergleichbar zu machen.
"Die Häufigkeit, mit der zu irgendeinem Zeitpunkt die ärztliche Diagnose einer Depression gestellt wurde, betrug bei Personen, die nie geraucht hatten, 11,4 Prozent, bei früheren Rauchern und Raucherinnen 15,8 Prozent und bei aktuell Rauchenden 19,6 Prozent", schrieb die deutsche Ärztezeitung.
Signifikant sei auch der Zusammenhang zwischen der Stärke depressiver Symptome und dem täglichen Zigarettenkonsum gewesen. Dazu stellte die deutsche NAKO Gesundheitsstudie Ende Jänner dieses Jahres in einer Aussendung fest: "Außerdem ließ sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung beobachten: Je mehr Zigaretten pro Tag geraucht wurden, desto stärker fielen die aktuellen depressiven Symptome aus (0,05 Symptome mehr pro zusätzlicher Zigarette). Ein späterer Beginn des Rauchens war mit einem späteren Auftreten der ersten Depression verbunden (0,24 Jahre späterer Erkrankungsbeginn pro Jahr späterem Rauchbeginn)."
Auch das Aufhören mit dem Rauchen hatte belegbare Wirkung. "Je länger dieser Rauchstopp zurücklag, desto länger lag auch die letzte depressive Episode in der Regel zurück (0,17 Jahre pro Jahr Rauchabstinenz)", so die deutschen Experten.
Krankhafter Knochenabbau
Seit langem ist bekannt, dass Rauchen auch den Knochenstoffwechsel stark schädigt. Im Rahmen von Bemühungen, die Berechnung eines bei Menschen vorliegenden Frakturrisikos durch Erfassung verschiedener Gefährdungsmomente zu verbessern (FRAX Score), hat jetzt ein internationales Wissenschafterteam mit mehr als hundert Beteiligten die wissenschaftliche Literatur zu dem Zusammenhang von Rauchen und durch Osteoporose bedingten Knochenbrüchen ausgewertet. Unter den Experten befand sich auch Barbara Obermayer-Pietsch von der Grazer Universitätsklinik.
Ausgewertet wurden die Daten von fast 1,7 Millionen Probanden in klinischen Studien. 61 Prozent waren Frauen, das mittlere Alter betrug 58,8 Jahre.
"Aktuelles Rauchen, dokumentiert bei 12,1 Prozent aller Teilnehmenden (15,2 Prozent bei Männern und 10,1 Prozent bei Frauen), war mit einem signifikant erhöhten Risiko für Knochenbruch jeglicher Ursache, für Frakturen infolge von Osteoporose und insbesondere für die Hüftfraktur bei beiden Geschlechtern verbunden", schrieben die Fachleute in "Osteoporosis International" (doi: 10.1007/s00198-026-07853-6).
Rauchende Männer hatten ein um 78 Prozent größeres Risiko für Oberschenkelhalsbrüche etc. als Frauen, die zu Zigaretten griffen (plus 64 Prozent). Eine geringe Knochendichte erklärte nur rund 20 bis rund 50 Prozent der Frakturen, was den Effekt des Rauchens eindeutig unterstreicht.
Zusammenfassung
- Eine deutsche Studie mit fast 174.000 Erwachsenen zeigt, dass 19,6 Prozent der aktuellen Raucher eine Depressionsdiagnose erhalten haben, verglichen mit 11,4 Prozent bei Nie-Rauchern und 15,8 Prozent bei Ex-Rauchern.
