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Putins Schattenarmee: 400 Wagner-Söldner jagen Selenskyj in Kiew

28. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Laut der "Times" befinden sich seit Ende Jänner 400 Mitglieder der berüchtigten Söldnereinheit "Wagner" in Kiew - sie jagen hochrangige Politiker, darunter auch die Klitschko-Brüder.

Nach der Ausschaltung einer tschetschenischen Spezialeinheit droht dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj weiter Ungemach durch russische Killertruppen. Wie die britische Tageszeitung "Times" berichtet, sollen sich bereits seit Ende Jänner 400 Mitglieder der berüchtigten Söldnereinheit "Wagner" in Kiew aufhalten, deren Auftrag es sei, zwei Dutzend hochrangige ukrainische Politiker aufzuspüren und zu töten.
 

Auf der Liste stünden demnach neben Selenskyj, Premier Denys Schmychal und den restlichen Ministern auch der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko und sein Bruder Wladimir. Die Söldner sollen bereits im Jänner aus Afrika nach Belarus geflogen und von dort in das Nachbarland eingesickert sein, also deutlich vor Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine.

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Ausgangssperre wegen Wagner?

Die ukrainische Führung soll am Samstag in der Früh von der Anwesenheit der Söldnertruppe erfahren haben, berichtete die "Times". Kurze Zeit später wurde dann eine Ausgangssperre in der Hauptstadt verhängt, um den Kampf gegen Saboteure zu erleichtern. Die tschetschenische Sondereinheit wurde ebenfalls am Samstag im Zuge heftiger Kämpfe um den Flughafen Hostomel nördlich von Kiew zerschlagen. Wie ein Gefangener laut ukrainischen Medienberichten später verriet, kam dabei auch der Kommandant, General Magomed Tuschajew, ums Leben.

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Seit wann gibt es die "Wagner"-Gruppe?

Berichte über die Existenz von Wagner kamen erstmals zu Beginn des Krieges in der Ost-Ukraine 2014 auf. Später tauchte die Gruppe in Syrien wieder auf, wo sie Machthaber Bashar al-Assad unterstützte. Seitdem sollen Wagner-Kämpfer auch in politisch instabilen afrikanischen Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik als militärische "Ausbilder" und in Libyen eingesetzt worden sein. Neben der Unterstützung offizieller russischer Militäreinsätze wie in Syrien soll Wagner andernorts auch die traditionelle Rolle eines privaten Sicherheitsunternehmens übernommen haben.

Wer zahlt?

Finanziert wird die Gruppe Wagner mutmaßlich von dem 60-jährigen Geschäftsmann und Putin-Vertrauten Jewgeni Prigoschin aus St. Petersburg. Prigoschin, auch "Putins Koch" genannt, machte nach einem neunjährigen Gefängnisaufenthalt wegen Betrugs und Diebstahls nach dem Ende der Sowjetzeit Karriere als Unternehmer im Gaststättengewerbe.

Er hat laut Medienberichten mit zahlreichen Aufträgen aus dem russischen Verteidigungsministerium ein Vermögen gemacht. Wegen mutmaßlicher Einmischungen in Libyen und in US-Wahlen wurde Prigoschin mit EU- und US-Sanktionen belegt.

Warum Wagner?

Kommandant der Söldnertruppe soll der 51-jährige Dmitri Utkin sein, der den Kampfnamen "Wagner" - nach dem Komponisten Richard Wagner - trägt. Utkin war früher Oberstleutnant des russischen Militärgeheimdienstes und erhielt von Staatschef Wladimir Putin einen Orden. Die Gruppe wurde nach ihm benannt.

Wo agiert die Gruppe?

Fast überall wo es Konflikte gibt. Russlands "Schattenarmee" wird mit Krisenregionen wie der Ukraine und Mali in Zusammenhang gebracht. Moskau bestreitet jegliche Verbindung zu ihr. Im Jänner bestätigten die USA die Präsenz der Gruppe in dem westafrikanischen Krisenstaat und warfen dem Kreml vor, die berüchtigte Gruppe zu unterstützen. Nun sollen sie auch in der Ukraine tätig sein.

Verüben sie Kriegsverbrechen?

Den Söldnern werden schwere Verstöße gegen Menschenrechte vorgeworfen, darunter Folter und gezielte Tötungen. Im Dezember verhängte die EU Sanktionen gegen die Gruppe Wagner. Neben der Ukraine und Mali sollen die Wagner-Söldner unter anderem auch in Syrien, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik aktiv gewesen sein.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe