PULS 24 fragt Experten: Ist die Pandemie vorbei?

29. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der deutsche Virologe Christian Drosten erklärte, Corona sei von einer Pandemie in eine Endemie übergegangen. Drei österreichische Fachleute erklären im PULS 24 Interview, wie sie diese Einschätzung beurteilen.

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, hält die Phase, in der das Coronavirus eine Pandemie bedeutet, für beendet. "Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-Cov-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei", so Drosten.

Mehr dazu:

PULS 24 hat drei Experten gefragt, wie sie die Frage "Ist die Corona-Pandemie vorbei?" beantworten würden.

Fidler: Pandemie vorbei, Virus noch da

Armin Fidler ist Public-Health-Experte und Mitglied der Ampelkommission. Die Aussage von Virologe Drosten stimme "auf jeden Fall", sei jedoch aus dem "Gesamttext herausgelöst worden". Außerdem handle es sich um eine "Begriffsverwirrung". Wenn man sagt, die Pandemie sei vorbei, würden viele Menschen denken, dass "das Virus verschwunden ist" und man zum "Status Quo Ante zurückkehrt". Dies sei jedoch nicht der Fall. 

Man müsse, vor allem mit Blick auf China, die Situation in Blick behalten. Denn: Wenn sich ein Virus "explosionsartig" in einer großen Bevölkerung verbreitet, könne das zu weiteren Varianten führen, die "möglicherweise gefährlicher sind", so Fidler. Obwohl es derzeit keinen Anhaltspunkt für so eine Entwicklung gebe, müsse man trotzdem "auf der Hut sein".

Was denken die Österreicher:innen?

"Ist die Corona-Pandemie für Sie beendet?" hat PULS 24 die Österreicher:innen gefragt.

Moder: Situation anders als bisher

Es sei gar nicht so leicht zu definieren, wann eine Pandemie vorbei ist, meint Molekularbiologe und "Science Buster" Martin Moder. Man habe bisher oft behauptet, die Pandemie sei vorbei - in diesem Winter sei die Lage jedoch anders. Vor ungefähr einem Jahr sei zum Beispiel die Fallsterblichkeit stark gesunken und seitdem stabil geblieben.

Habe man so lange so einen stabilen Zustand, sei die Frage, ob man damit rechen kann, dass es noch viel "endemischer" wird, als es jetzt schon ist. Es könne daher sein, dass "wir jetzt die Situation haben, wie sie bleibt", oder dass sie sich noch ein wenig verändere, meint Moder. Das würde davon abhängen, ob noch irgendwelche "spektakulären" Mutationen auftauchen - davon würde man derzeit jedoch nichts sehen.

Hutter: Pandemie nicht vorbei

Wenn man "Pandemie" so definiert, dass "mehr als zwei Kontinente betroffen sind von einem zirkulierenden Virus, das sich doch immer wieder verändert", dann könne er Drostens Aussage "nichts abgewinnen", meint Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der Med-Uni Wien. 

Die "akute Phase der Pandemie" möge zwar vorbei sein, es herrsche jedoch nach wie vor eine weltweite Verbreitung des Virus. Diese Verbreitung passiere natürlich unter anderen Aspekten "als vor zwei bis drei Jahren". Die Pandemie ist aus Hutters Sicht aber nicht vorbei. Auch die WHO habe diesbezüglich nichts bekannt gegeben, meint der Umweltmediziner.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj