Psychiaterin zu Frauenmorden: "Es gibt genug Nachahmungstäter in unserer Kultur"

23. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Gerichtspsychiaterin Sigrun Roßmanith erklärt im Interview auf PULS 24, wie es zu Frauenmorden und Gewalt in Beziehungen durch Männer kommt und was die Ursachen dafür sein können.

In Niederösterreich gab es kürzlich den wohl 28. Frauenmord in Österreich in diesem Jahr. Gerichtspsychiaterin Sigrun Roßmanith glaubt im Interview auf PULS 24, dass es zwar schon eine größere Gefahr dafür in streng patriarchalen Kulturen gebe, allerdings "gibt es genug Nachahmungstäter in unserer Kultur".

Einer Frau mit Gewalt den eigenen Willen aufzwingen zu wollen, das käme auch in europäischen Gesellschaften oft genug vor. Denn auch in Österreich würden männliche Kinder oft "idealisiert" und dazu erzogen, Emotionen zu unterdrücken und körperliche Macht als Stärke zu sehen. Deswegen gibt es auch hier "Männer, die sich eigentlich als Loser fühlen, aber eine Frau beherrschen wollen, damit sich der eigene Selbstwert aufbläht", sagt Roßmanith.

"Ein Mann mit wenig Selbstwert, der nicht gelernt hat, sich konstruktiv auseinanderzusetzen oder die eigene Meinung in Frage zu stellen, der schlägt zu - eigentlich ein Schwächling", sagt die Psychiaterin. So ein Mann würde sich als Gewalttäter "besser fühlen" als wenn er "als Loser von seiner Frau verlassen wird", beschreibt Roßmanith die Mentalität vieler Täter.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos