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Medienkunstpionier Herbert W. Franke 95-jährig gestorben

16. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Der österreichische Science-Fiction-Autor, Medienkünstler, Höhlenforscher, Mitbegründer der Linzer Ars Electronica und Physiker Herbert W. Franke ist am Samstag 95-jährig in der Nähe von München verstorben, wie seine Familie der APA mitteilte. Zu seinem 95. Geburtstag am 14. Mai widmete ihm die OÖ Landes-Kultur GmbH noch eine Ausstellung im Francisco Carolinum in Linz. Franke sei ein "Universalgelehrter" gewesen, würdigte ihn Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne).

"Er vereinte physikalisches, mathematisches, philosophisches und chemisches Wissen und war in vielem seiner Zeit weit voraus. Als Forscher, Schriftsteller und Kunstschaffender schlug er bisher unbekannte Wege ein. Er war einer der Ersten, der die ästhetisch-künstlerischen Möglichkeiten der Computertechnologie erarbeitete, dachte seine wissenschaftlichen Fragestellungen als Autor seiner Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten weiter und wurde quasi zum Geburtshelfer der Ars Electronica. Mit Herbert W. Franke verlieren wir einen umfassend gebildeten, kritischen und vielfältig talentierten Menschen", so Mayer weiter.

"Ob im wissenschaftlichen oder im künstlerischen Bereich, Herbert W. Franke war ein Universalgenie, ein echter Pionier von Weltrang mit außergewöhnlichen Werken und großen Leistungen", würdigte der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer den Verstorbenen. "Es macht uns glücklich, dass wir seinen Wunsch nach einer Ausstellung in seinem Heimatland noch zeitgerecht erfüllen konnten", sagte Alfred Weidinger, Geschäftsführer OÖ Landes-Kultur GmbH, anlässlich des Ablebens des Künstlers.

Geboren wurde Franke 1927 in Wien, wo er auch Physik, Chemie und Philosophie studierte und in theoretischer Physik promovierte. Von 1951 bis 1956 gab es bereits erste Veröffentlichungen als Autor. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit, der er auch unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival nachging, hat sich Franke immer mit neuen Medien und Technologien auseinandergesetzt. Bereits in den 1950ern gab es von ihm etwa Ausstellungen mit Computerkunst im Wiener MAK.

"Als Computerkünstler der ersten Stunde" experimentierte er 1952 mit generativer Fotografie, "nutzte aber bereits 1954 zuerst einen analogen Computer und dann ab den sechziger Jahren die ersten Großrechner für seine abstrakte 'algorithmische' Kunst nach mathematischen Prinzipien", wie er im Mai in Linz bei der Pressepräsentation seiner Ausstellung erklärte. 1979 begründete er das Ars Electronica Festival in Linz mit. Ab den 2000er-Jahren war er ein Vordenker des Metaverse, der mit seiner Ehefrau Susanne Päch aufgebauten und betriebenen 3D-Welt "Z-Galaxy" - einem Areal wechselnder Ausstellungen auf der Internet-Plattform Active Worlds.

2007 wurde Franke mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet. Bereits zuvor erhielt das Mitglied des deutschen PEN-Clubs den Dr.-Benno-Wolf-Preis des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher für Verdienste in der Höhlenforschung und den Computerkunstpreis der Vereinigung Deutscher Software-Hersteller.

Quelle: Agenturen