Prozess gegen äußerst brutale neunköpfige Wiener Jugendbande
Neben den acht Burschen sitzt auch die 15 Jahre alte Freundin des Hauptangeklagten - ein 16 Jahre alter gebürtiger Rumäne - auf der Anklagebank. Die Wienerin diente als Lockvogel, indem sie sich auf Snapchat als jüngeres Mädchen ausgab und vermeintlich Pädophile zu einem Treffen bewog, bei dem die Opfer dann von einigen Angeklagten erwartet und brutal zusammengeschlagen wurden. Die Misshandlungen wurden gefilmt und über soziale Medien verbreitet.
Drei Fälle von so genanntem Pedohunting waren von der Anklage umfasst. Zwei Betroffenen wurde nicht nur Gewalt angetan, ihnen wurden auch ihre Wertsachen abgenommen, was die Staatsanwältin jeweils als schweren Raub qualifiziert. Es gebe "überhaupt keinen Anhaltspunkt", dass es sich bei den drei Opfern um junge Männer mit einer pädophilen Störung gehandelt habe, betonte die Staatsanwältin. Die Angeklagten hätten ihren Opfern einen "unmoralischen bzw. unredlichen Lebenswandel" unterstellt. Es sei ihnen darum gegangen, diese "in Form von Selbstjustiz" zu bestrafen. Allen acht Burschen sei ungeachtet ihrer bisherigen Unbescholtenheit - lediglich der Älteste weist eine Vorstrafe auf - "ein enormes Aggressionspotenzial" eigen.
Kennen gelernt hatten sich die Beschuldigten, die allesamt noch bei ihren Eltern wohnten und die Schule - wenn auch selten - besuchten, in Parks und über Freunde. "Aufgrund von Perspektivlosigkeit und Langeweile" wurden sie zu Gewalttätern, führte die Staatsanwältin aus, wobei der Hauptangeklagte im inkriminierten Tatzeitraum beinahe täglich gegen meist wehrlose Opfer vorging, die er am Westbahnhof oder anderen Orten, die von Wohnungslosen und Suchtkranken frequentiert werden, antraf.
Clips gingen im Internet viral
In unterschiedlicher Zusammensetzung begleiteten ihn die anderen Angeklagten, wobei zumindest einer stets filmte. Diese - meistens aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommenen - Clips landeten dann auf diversen Plattformen und fanden rasch Verbreitung. Der 16-jährige Rumäne brüstete sich auch mit seinen Taten. Seit Ende August sitzen er und drei weitere Angeklagte wegen Tatbegehungsgefahr in U-Haft. Etliche Opfer konnten gar nicht ausgeforscht werden, da Suchtkranke und Wohnungslose den Weg zur Polizei scheuen.
Die Anklage legt den insgesamt neun Beschuldigten "das halbe Strafgesetzbuch" zur Last, wie die Staatsanwältin sagte. Neben Fällen von schwerer Körperverletzung, etlichen absichtlich schweren Körperverletzungen wird einem 16-Jährigen sogar versuchter Mord angekreidet, weil er ein Opfer mittels eines Armstreckhebels derart heftig würgte, dass der Betroffene das Bewusstsein verlor und reglos wegsackte.
Die Verhandlung ist vorerst auf zwei Tage anberaumt. Am 2. April wird weiterverhandelt.
Zusammenfassung
- Am Wiener Landesgericht hat der Prozess gegen neun Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren begonnen, denen zwischen Juni und August 2025 zahlreiche brutale Übergriffe auf Wohnungslose, Suchtkranke und vermeintliche Pädophile vorgeworfen werden.
- Die Angeklagten nutzten eine 15-jährige Freundin als Lockvogel, filmten die Gewalttaten und verbreiteten die Clips über soziale Medien, wobei mindestens drei Fälle von sogenanntem Pedohunting sowie schwerer Raub und versuchter Mord angeklagt sind.
- Seit Ende August 2025 sitzen vier der Jugendlichen in Untersuchungshaft, die Verhandlung ist auf zwei Tage angesetzt und wird am 2. April fortgesetzt.
