APA - Austria Presse Agentur

Post-Covid: Schwere Verläufe "auch bei Jüngeren ohne Vorerkrankungen"

20. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Der Leiter der Klagenfurter Lungenambulanz warnt, dass Post-Covid-Verläufe auch jüngere Patienten betrifft. Kaum betroffen seien Geimpfte.

Während die Mehrheit seiner Patienten zwischen 30 und 60 Jahre alt sei, dürfen Jüngere die Gefahr von Post-Covid nicht unterschätzen, so Markus Rauter, Leiter der Lungenambulanz des Klinikums Klagenfurt: "Wir haben sehr viele schwere Verläufe gesehen, auch bei jüngeren Patienten, auch ohne Vorerkrankungen." 

Auch nachträgliche Impfung könnte helfen

Die Impfung hingegen schütze: "Wir haben extrem wenige Geimpfte mit Erkrankungen." Es gebe zwar ein paar, "die waren aber zeitlich noch sehr frisch geimpft und daher noch nicht vollimmunisiert." Es mehrten sich in der Literatur sogar die Hinweise, dass bei Post-Covid eine nachträgliche Impfung noch hilft. Daher hat er auch eine klare Meinung bezüglich einer Impflicht: "Aus ärztlicher Sicht bin ich definitiv dafür, dass man sich impfen lässt." Auch wenn es einen nicht betreffen sollte: "Jeder Nichtgeimpfte ist ein potenzieller Risikoträger."

Ein Anreiz für mehr Impfungen könnte auch die neueste Ankündigung von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sein: Mit Ende Oktober lässt er die Gratis-"Wohnzimmer"-Tests auslaufen. Mehr dazu: 

Jeder Zehnte betroffen

Einer Schätzung zufolge, leiden ungefähr zehn Prozent aller Covid-19-Erkrankten an Post- oder Long-Covid. Oder auch an beidem, denn das eine schließt das andere nicht aus. In Kärnten hieße das bei ungefähr 41.000 jemals positiv Getesteten, dass es rund 4.000 Betroffene gibt. Daher hat Rauters Lungenambulanz jetzt einen eigenen Bereich für Post-Covid-Patienten. Voraussetzung ist eine Überweisung eines Lungenfacharztes und ein Termin, erklärte er. "Aber natürlich kommen nicht alle Post-Covid-Betroffenen zu uns."

Zu ihm kommen meist Patienten mit Post-Covid, das relativ bald nach der ursprünglichen Erkrankung einsetzt. "Diese Patienten waren meist schwer an Covid-19 erkrankt, es gibt strukturelle Schädigungen, direkte Organschäden durch den Virus." Hinzu komme noch die lange Zeit im Krankenhaus, die soziale Isolation, dadurch mögliche Depressionen. Dies erschwere das Krankheitsbild. Der Bereich seiner Station arbeite jedoch nicht interdisziplinär.

Diagnose bei Long-Covid schwierig

Long-Covid-Patienten sieht der Lungenfacharzt dagegen selten. "Die haben eher vegetative Beschwerden, zum Beispiel Fatigue (Müdigkeit, Anm.) oder Kopfschmerzen. Dies kann auch bei Patienten auftreten, die zuvor einen eher milden Krankheitsverlauf hatten." Generell sind die Definitionen von Post- und Long-Covid in der Literatur jedoch heterogen. Auch die Diagnosen sind schwierig. "Wir haben die Beschreibungen der Patienten und teilweise sind es dann auch Mutmaßungen der Ärzte, das muss man ehrlich sagen."

Quelle: Agenturen