APA - Austria Presse Agentur

Polizei hat Ischgl-Zwischenbericht, Land bald Kommission

05. Mai 2020 · Lesedauer 4 min

Die Aufklärung der Corona-Causa Ischgl spielt sich derzeit auf zwei Ebenen ab - auf jener der Justiz zum einen, und der Politik zum anderen. Der StA. Innsbruck lag am Dienstag der 1.000 Seiten umfassende Zwischenbericht der Polizei vor. Die von den Tiroler Parteien gewollte Expertenkommission soll indes am Donnerstag stehen. Befeuert wurde die Causa zudem durch einen Bericht des "profil".

Die Aufklärung der Corona-Causa Ischgl spielt sich derzeit auf zwei Ebenen ab - auf jener der Justiz zum einen, und der Politik zum anderen. Der StA. Innsbruck lag am Dienstag der 1.000 Seiten umfassende Zwischenbericht der Polizei vor. Die von den Tiroler Parteien gewollte Expertenkommission soll indes am Donnerstag stehen. Befeuert wurde die Causa zudem durch einen Bericht des "profil".

Das Nachrichtenmagazin hatte am Montag berichtet, dass die Tiroler Behörden bereits am 5. März gewusst haben sollen, in welchen Hotels in Ischgl 14 isländische Touristen genächtigt hatten, die nach ihrer Rückkehr aus Tirol positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Das Magazin berief sich dabei auf ein E-Mail aus Island. Laut "profil" warteten die Behörden daraufhin jedoch noch einen vollen Tag, bis die Isländer auch die genauen Namen der Gäste übermittelten. Erst dann seien anhand dieser Informationen Kontaktpersonen in den betreffenden Hotels ermittelt worden.

Seitens der Tiroler Landesregierung blieb man indes bei der bereits bekannten Argumentation, wonach man vom Bund am 5. März über die Isländer informiert worden war. Da keine näheren Daten zur Verfügung standen, habe die BH Landeck noch am 5. März angeordnet, die persönlichen Daten aller Gäste aus Island ab Mitte Februar zu erheben. Über den in Ischgl niedergelassenen Arzt sei zudem geprüft worden, ob Personen aus Island mit grippeähnlichen Symptomen behandelt worden waren. Von insgesamt 90 Isländern seien nur zwei beim Arzt gewesen. Diese beiden habe man kontaktiert und es bestand kein Zusammenhang zu Covid-19. Der Arzt sei außerdem dazu angehalten worden, bei allen Patienten mit entsprechender Symptomatik einen Rachenabstrich durchzuführen.

Angesprochen auf den Bericht, verwies Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bei einer Videopressekonferenz auf die Aufklärung durch die Expertenkommission. "Ich will sehen, wo ist etwas gut gelaufen und wo ist etwas weniger gut gelaufen", so Platter. Es solle auch beleuchtet werden, ob es Unterschiede in der Handlungsweise zwischen den jeweiligen Bezirkshauptmannschaften gegeben habe. Ebenjene Kommission nahm unterdessen immer konkretere Formen an. Die aus sieben Mitgliedern bestehende Kommission soll bis Donnerstag stehen und noch vor dem Sommer mit der Arbeit beginnen.

Das Urteil schon gefällt hinsichtlich der politischen Verantwortung hat die Tiroler FPÖ: Landesparteichef Markus Abwerzger forderte den Rücktritt von ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber. Zudem verlangte er einen Nationalrats-Untersuchungsausschuss zur Covid-19-Pandemie. Auch Liste Fritz-LAbg. Markus Sint sprach sich für volle Transparenz aus und fragte: "Warum hat der Innsbrucker Stadtmagistrat, nach Bekanntwerden erster Corona-Fälle in Innsbruck am 25. Februar, so viel drastischer durchgegriffen, als es die Bezirkshauptmannschaft Landeck bei den Fällen in Ischgl getan hat?"

Mit Ischgl beschäftigt war indes weiter die Staatsanwaltschaft Innsbruck. Nach der Einbringung einer Sachverhaltsdarstellung durch den Verbraucherschutzverein (VSV) in der Causa lag der in Auftrag gegebene Zwischenbericht der Polizei vor, sagte ein Sprecher zur APA. In dieser Woche werde es jedenfalls ob des Umfangs keine Entscheidung mehr über die allfällige Einleitung eines offiziellen Ermittlungsverfahrens geben. Allenfalls könne die Polizei vorher noch mit weiteren Erhebungen beauftragt werden.

Laut VSV haben sich bis dato 5.380 Tirol-Urlauber gemeldet, der überwiegende Teil davon aus Deutschland. Der Staatsanwaltschaft lagen 321 infizierte Urlauber vor, die sich als Opfer einem Verfahren anschließen wollen.

Laut VSV-Obmann Peter Kolba waren die meisten dieser Urlauber nach ihrem Tirol-Aufenthalt zwar in Heimquarantäne gekommen, "aber 2,5 Prozent kamen ins Krankenhaus oder sogar auf die Intensivstation. Inzwischen sind auch 25 Tote zu beklagen", erklärte der VSV-Obmann. Für ihn ist es "ungeheuerlich", dass das Land Tirol und die Bundesregierung angesichts dieser Fakten jede Verantwortung ablehnen würden. "Wir werden alles tun, um diesen Fall von Verantwortungslosigkeit aufzuklären", so Kolba, der zuletzt eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eingebracht hatte.

Beim VSV meldeten sich auch Winterurlauber aus vielen weiteren europäischen Ländern sowie aus den USA, Israel, Russland, Singapur oder Hongkong, so Kolba. "75 Prozent geben an, in Ischgl auf Urlaub gewesen zu sein. 73 Prozent wurden bei der Heimkehr positiv auf Corona getestet", berichtete Kolba.

Quelle: Agenturen