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Polizei-Großeinsatz: Frau in Groß-Enzersdorf getötet

13. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf soll am Montag erneut ein Mann eine Frau getötet haben.

n Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) hat am Montagvormittag ein 80-Jähriger mutmaßlich seine 83 Jahre alte Frau und anschließend sich selbst mit einer Faustfeuerwaffe erschossen. In einem Wohnhaus seien zwei leblose Körper entdeckt worden, teilte Polizeisprecher Stefan Loidl auf Anfrage mit. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Leib/Leben, und der Tatortgruppe dauerten im Laufe des Tages an.

Mann wählte selbst den Notruf

Der Mann habe gegen 11.00 Uhr am Notruf mitgeteilt, dass er seine Frau erschossen habe und auch sich selbst töten werde, berichtete Loidl. Es sei zudem die Rede davon gewesen, dass beide krank seien. Die Verhandlungsgruppe und das EKO-Cobra rückten aus. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Korneuburg sei das Haus in der Folge betreten worden. Bei der Durchsuchung fanden die eingesetzten Kräfte das tote Paar. Die Frau wie der Mann wiesen Schussverletzungen auf.

Im Haus wurde ein Abschiedsbrief gefunden. In dem Schreiben wurde ebenfalls Krankheit angeführt, die somit das Motiv der Tat sein könnte. Die Faustfeuerwaffe hat der 80-Jährige laut Polizei legal besessen.

15. Femizid 2022

Für den Österreichischen Frauenring offenbart die Tat ein Bild, das in Österreich noch immer ausgeprägt sei: "Ein Mann nimmt sich das Recht, über das Leben einer Frau zu entscheiden." Solange seitens der Regierung keine Signale gesetzt würden, "dass Männergewalt und patriarchalische Strukturen in unserer Gesellschaft nichts verloren haben", werde sich nichts ändern, hieß es in einer Aussendung.

So wie der Frauenring sprach auch SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner vom 15. Femizid in diesem Jahr in Österreich. "Es braucht endlich einen Krisengipfel", forderte sie. Die Menschen hierzulande seien über die steigende Gewalt schockiert, das dürfe die Bundesregierung nicht länger ignorieren. Es gelte, von fortschrittlichen europäischen Ländern wie Spanien zu lernen. NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter kritisierte ebenfalls, dass Maßnahmen, die das Problem wirklich an der Wurzel packen würde, immer noch auf sich warten ließen. Der Gewaltschutzsektor sei "bis heute chronisch unterfinanziert".

Hinweis: In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at; der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at und beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722

Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at)

Quelle: Redaktion / koa