APA - Austria Presse Agentur

Warnzeichen einer Gewaltbeziehung: "Körperliche Gewalt ist oft nicht das Erste"

09. Jan 2022 · Lesedauer 4 min

Bei Gewalt in der Beziehung gilt laut Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser: "Je früher man sich Hilfe holt, umso besser". Im PULS 24 Interview erklärt sie, auf welche Warnzeichen man achten sollte.

Gewalt in der Beziehung kommt "schleichend" und "kann jeder Frau passieren", sagt Maria Rösslhumer. Warnzeichen dahingehend zu erkennen sei zwar wichtig, aber "nicht immer leicht", meint die Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser. Gegenüber PULS 24 zählt sie auf, woran man einen gewaltsamen Partner erkennen kann:

Kontrolle durch Manipulation

Die Manipulation spielt in der "Dynamik der Gewalt eine große Rolle", erklärt Rösslhumer. Die potenziellen Täter versuchen besonders zu Beginn der Beziehung durch Aufmerksamkeit und liebevollen Umgang die Schwächen und Vorlieben der Partnerin herauszufinden. "Das kann oft ins Gegenteil gewendet und ausgenutzt werden", warnt Rösslhumer im PULS 24 Interview.

Diese Männer beginnen "systematisch der Partnerin einzureden, dass die Freunde und die Familie ihr nicht guttun". Nur er könne sie verstehen, wodurch die Partnerin von ihrem Umfeld isoliert wird. "Das kann dann schon auch in Richtung Kontrolle gehen oder ein Anzeichen für Eifersucht sein", sagt Rösslhumer.

Der Einfluss des Partners auf die Frau könne sogar bis ins Schlafzimmer reichen, wenn "er sie beim Sex zu Dingen nötigt, die sie gar nicht will und er ihr aber einredet: Das gehört dazu. Das ist normal". "Es beginnt ja nicht erst bei der körperlichen Gewalt, sondern eben bei dieser verbalen Gewalt. Wenn ein 'Nein' nicht akzeptiert wird und er die Wünsche und Bedürfnisse der Partnerin ignoriert."

Schon im Oktober sprach Rösslhumer mit PULS 24 über die  die Zunahme von Gewalt und Brutalität gegen Frauen.

Keine Begegnung auf Augenhöhe

Männer, die zu Gewalt neigen "können nicht auf Augenhöhe mit ihrer Partnerin reden oder diskutieren". Im Gegenteil, sie legen dies laut Rösslhumer oft als Schwäche oder "nicht männlich" aus. Dieses Warnsignal äußert sich durch Demütigung oder Bloßstellen der Frau. Dies kann auch in der Öffentlichkeit, vor Freunden oder Familie, passieren.

Generell sei eine "gesunde Streitkultur" wichtig. "Viele wissen nicht, was es heißt Partnerschaft zu leben", meint Rösslhumer. Dazu gehöre auch Streit. Nun müsse man hier aber unterscheiden: "Wie wird gestritten? Streitet man trotz allem auf Augenhöhe oder endet jeder Streit damit in dem man sagt: Du bist sowieso zu dumm und wirst es nie verstehen. Da beginnt Gewalt". Heftige Diskussionen könnten dann "zur ersten Ohrfeige" führen.

"Wenn seine einzige Reaktion Gewalt ist, dann ist es schon zu spät"

Andrea Berzlanovich, Gerichtsmedizinerin an der MedUni Wien, spricht ebenfalls mit PULS 24 über erste Warnsignale.

Verantwortungslosigkeit

Charakteristisch für gewalttätige Männer sei es laut Rösslhumer, dass diese Verantwortung auf andere abschieben. "Daran misst sich eine Partnerschaft. (...) Ist er liebevoll, respektvoll und verlässlich. Kann er sich entschuldigen und von sich aus Dinge übernehmen. (…) Das ist der Unterschied zwischen einer gesunden und ungesunden Beziehung", erklärt Rösslhumer.

Männer mit Gewaltpotential können laut ihr die eigene Schuld nicht einsehen und machen daher die Partnerin für eigenes Fehlverhalten verantwortlich. "Diese Männer konfrontieren gar nicht", sagt die Vereins-Geschäftsführerin. In manchen Fällen ignoriere der Mann die Frau und behandle sie wie Luft.

"Gewalt ist grenzüberschreitend"

Generell gilt: "Gewalt ist das, was verletzt, wo ein Übergriff passiert und Betroffenheit entsteht", betont Rösslhumer. Doch auch mit Worten könne man schon verletzen. "Wenn Frauen spüren: Das tut mir nicht gut in der Beziehung - Da ist etwas nicht ok -  dann sollte man sich Hilfe suchen". Auch das Umfeld könne betroffene Frauen darauf hinweisen, wenn sie Warnzeichen erkennen. Im Zweifelsfall könne man sich bei einer Helpline informieren, denn: "Nachfragen ist sehr wichtig. Das schwächt Männer, wenn sich ihre Frauen Hilfe holen" und die eigenen Möglichkeiten ausloten, meint Rösslhumer.

Hilfe für Gewalt-Betroffene gibt es hier:

  • Frauenhelpline (Mo-So, 0-24 Uhr, kostenlos): 0800 / 222 555
  • Männerberatung (Mo-Fr, Ortstarif): 0720 / 70 44 00
  • Männernotruf (Mo-So, 0-24 Uhr, kostenlos): 0800 / 246 247
  • Telefonseelsorge (Mo-So, 0-24 Uhr, kostenlos): 142
Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea