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Pädophilie: Bis zu fünf Prozent konsumieren Kinderpornos

16. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Der Fall Teichtmeister schlägt in Österreich derzeit hohe Wellen und rückt das Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern in den Vordergrund. Wie viele Männer von einer pädophilen Störung betroffen sind und welche Formen von Kindesmissbrauch es gibt, erklärt Psychiaterin Sigrun Rossmanith.

In gut drei Wochen muss sich der Schauspieler Florian Teichtmeister wegen des Besitzes von 58.000 Missbrauchsdarstellungen Unmündiger und Minderjähriger vor Gericht verantworten. Bis zu fünf Prozent der Männer konsumieren kinderpornografische Darstellungen, sagte die Psychiaterin Sigrun Rossmanith gegenüber der APA. Pädosexuelle Fantasien hegen zwei bis fünf Prozent der Männer, erläuterte die Expertin.

Pädophilie und Pädosexualität 

Unterschieden werden muss zwischen Pädophilie - also der sexuellen Ausrichtung bzw. dem sexuellen Interesse an kindlichen Körpern - und Pädosexualität. Zweitere bezeichnet ein Verhalten, also die tatsächlich ausgelebte pädophile Sexualität. "Das Ansprechen auf den kindlichen Körper heißt nicht, dass jemand tatsächlich pädosexuell handelt", sagte Roßmanith. Nicht jeder, der Kinderpornografie konsumiert, ist oder wird ein potenzieller Kindesmissbraucher, betonte die Psychiaterin. Man wisse aber, "dass fast jeder Sexualstraftäter Kinderpornos konsumiert hat".

Fall Teichtmeister könnte andere Fälle offenbaren

Opfer sexueller Missbrauchsdarstellungen könnten durch die Thematisierung des Falls Teichtmeister wieder an ihre eigene Situation erinnert werden, sagte Roßmanith im APA-Gespräch. Es könne aber auch dazu kommen, dass sie sich trauen, "endlich darüber zu sprechen und an die Öffentlichkeit oder in Therapie zu gehen". Wesentlich sei, "dass Opfer gesehen und wahrgenommen werden", betonte die Expertin. Von Tätern werde ihnen vermittelt, "dir glaubt eh niemand. Das wird verinnerlicht, sie schämen sich und sprechen nicht darüber", erläuterte die Psychiaterin.

Der Anwalt des Schauspielers hatte betont, dass Teichtmeister ein rein "digitales" Delikt vorzuwerfen sei. Opfer, die sich so schon nicht ernst genommen fühlen, würden somit als digitalisiert abgestempelt. "Es ist ja letztlich egal, ob das digitale Abbildungen sind, es handelt sich dabei um Menschen, die für etwas benützt worden sind - nämlich für die Lust und die Vorstellung eines anderen", sagte Roßmanith.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / poz