APA/FLORIAN WIESER

Burgtheater konfrontierte Teichtmeister bereits 2021 mit Kinderpornografie-Vorwürfen

14. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Laut Burgtheater-Direktor Martin Kušej wurde Teichtmeister 2021 "von der Direktion mit den Vorwürfen konfrontiert und hat diese allesamt glaubhaft bestritten".

Nach dem am Freitag bekannt wurde, dass Schauspieler Florian Teichtmeister sich am 8. Februar wegen des Besitzes von 58.000 kinderpornografischer Dateien vor Gericht verantworten muss, fokussiert sich die Debatte auf die Frage, ob und inwiefern die Umstände der Causa in der Branche bereits seit längerem bekannt waren. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) kündigte eine detaillierte Prüfung an. Burgtheater-Direktor Martin Kušej beantwortete der APA nun einige Fragen.

Demnach habe man Teichtmeister frühzeitig zur Rede gestellt, nachdem die Vorwürfe dem Burgtheater über Medienberichte im September 2021 bekannt wurden. Dieser habe die Vorwürfe jedoch stets vehement bestritten. Arbeitsrechtliche Schritte wie eine Dienstfreistellung könne man als Arbeitgeber nicht auf Basis unbestätigter Gerüchte setzen, erklärt der Burgtheater-Direktor.

"Florian Teichtmeister erklärte mir und meiner Stellvertreterin gegenüber, dass es sich bei der Anzeige gegen ihn um einen Racheakt seiner ehemaligen Partnerin handeln würde", führt Kušej weiter aus: "Er hat sich auf unsere Nachfrage nicht geständig gezeigt und die Vorwürfe vehement bestritten."

Artikel vs. Dementi

Geglaubt wurde vom Burgtheater schlussendlich Teichtmeister und nicht den Medienberichten, allerdings sei verabredet worden, "dass jede weitere Entwicklung, jeder weitere Vorwurf, jede weitere Anzeige und insbesondere eine Anklage dem Burgtheater zu melden sei". Auch sei regelmäßig nach neuen Entwicklungen gefragt worden. Auch der Ensemblevertretung seien keine Anhaltspunkte für die Vorwürfe bekannt gewesen, sagt Kušej. An das Burgtheater oder an ihn sei nie jemand "mit einer persönlichen und konkreten Wahrnehmung zu den Vorwürfen" herangetreten. "Bis heute sind wir dazu weder polizeilich, fremdanwaltlich oder gerichtlich kontaktiert worden."

Dennoch gab es Beratungen mit Rechtsanwälten und die Bundestheater-Holding wurde informiert. "Arbeitsrechtliche Schritte wie eine Dienstfreistellung werden nicht auf Basis unbestätigter Gerüchte gesetzt. Es wurden umgehend interne Untersuchungen durchgeführt. Da diese keine Anhaltspunkte zu den Vorwürfen geliefert haben, bestand keine rechtliche Grundlage für die Dienstfreistellung."

Man sei davon ausgegangen, "dass sich die Gerüchte und Vorwürfe als haltlos herausgestellt hätten. Von seinen Taten, seiner Kooperation mit den Ermittlern und seinem Schuldeingeständnis haben wir erst am 13.01.2023 aus den Medien erfahren."

Kulturstaatssekretärin Mayer ordnet Prüfung an

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) kündigte indes am Samstag eine detaillierte Prüfung zu den Vorkommnissen an. "Das BMKÖS hat gestern umgehend die Bundestheater-Holding mit der Erstellung einer umfassenden Chronologie der Informationsflüsse im Konzern beauftragt, um sicherzustellen, ob hier auf allen Ebenen korrekt und mit der nötigen Sorgfalt gehandelt wurde. Diese Prozesse werden auch einer Prüfung durch einen externen Gutachter unterzogen." Sie selbst sei zutiefst erschüttert angesichts der Ermittlungsergebnisse und des anstehenden Strafverfahrens gegen Florian Teichtmeister. "Derartiges Verhalten hat in den Bundestheatern keinen Platz, genauso wenig wie in Kunst und Kultur allgemein sowie in allen anderen Gesellschaftsbereichen", so Mayer in einer Aussendung.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe