APA/dpa/Peter Kneffel

Österreicher mehrheitlich in Reiselust

14. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Die große Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher hat Lust auf Urlaub - und das mit Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Dieses Umfrageergebnis macht der Branche große Hoffnung auf einen Aufschwung in naher Zukunft.

Der heurige Winter hänge allerdings noch "am seidenen Faden", wie es WKÖ-Tourismus-Obmann Robert Seeber nennt. Denn zu viele Unsicherheiten bestehen noch, um die Saison als gesichert anzusehen. Ein besonderes Problem ist Seeber die "unselige Sperrstundenregelung".

Betriebe beklagen mangelnde Planungsmöglichkeit

Eine market-Institut-Befragung von 1.000 Menschen Ende Dezember 2021 ergab, dass 39 Prozent heuer einen Winterurlaub planen - das ist der höchste Wert der jüngsten zehn Jahre. Und 84 Prozent wollen in der Corona-Zeit verpassten Urlaub nachholen. "Die Hoffnung ist eine sehr große, weil wir die Lust auf Urlaub spüren", fasst es Studienautor David Pfarrhofer zusammen. So will die Hälfte der Befragten auch an größeren Veranstaltungen teilnehmen. Zugleich komme die Lust unter neuen Vorzeichen: Das wichtigste bei der Buchung sind einfache Stornobedingungen, aber die Gäste sind nicht nur bereit, Einschränkungen wie Maskenpflicht oder Abstandsregeln zu akzeptieren - drei Viertel erwarten sogar Präventionskonzepte und die Einhaltung der Schutzbestimmungen.

Auf Seite der Betriebe ist die mangelnde Planungsmöglichkeit der größte Stimmungskiller. Knapp dahinter kommen die Komplexität der Corona-Regeln und dann die Gefahr einer Reisewarnung gegen Österreich in Deutschland, ergab eine parallel dazu durchgeführte Umfrage des market-Instituts unter 500 Betrieben. Der Aufwand der Corona-Kontrollen ist zwar auch für zwei Drittel der befragten Betriebe ein Thema, folgt aber doch erst mit Abstand dahinter.

Seeber forderte am Donnerstagabend vor Journalisten ein Ende des dauernden "Auf- und Zusperrens". Das halte der Tourismus nicht aus. Da müsse man eine "praxisnähere und pragmatischer Lösung" finden - nach dem Beispiel der Schweiz, wo trotz wesentlich höherer Fallzahlen kein Hotel geschlossen sei. "Wir müssen lernen, mit der Pandemie zu leben", so Seeber. Positiv sei aber, dass "die Branche spürt, es wird wieder super werden, wenn der Peak überwunden ist". Das könne man sagen, da es eine sehr urlaubsfreudige Stimmung in der Bevölkerung gebe. "Ich bin überzeugt davon, dass wir wieder einen super Sommer kriegen werden. Wir müssen nur das mit der Impfquote hinbringen. Dann könnten wir über den Berg sein."

"Zusperren tut uns nicht gut"

Spuren im Nervenkostüm aller haben die Pandemie im Allgemeinen und die Debatten um die Impfung im Besonderen aber doch hinterlassen. "Die Spaltung spüren wir in allen Zahlen", so Pfarrhofer. Umgeimpfte wollen deutlich seltener auf Urlaub fahren. Allerdings dürften die Hoteliers nicht als die Schuldigen angesehen werden, daher geht Pfarrhofer nicht davon aus, dass das langfristig dem Tourismus schaden wird. Auch zeigen die Zahlen, dass der Zusammenhalt des Personals noch im Vorjahr deutlich stärker war. "Zusperren tut uns nicht gut", so Pfarrhofer, das zeige sich auch in den Daten. Wenn der Chef das Personal nicht oder selten sieht, wenn das Personal die Gäste nicht sieht, dann sinke die Begeisterung und steige die Bereitschaft, die Branche zu wechseln.

So warnt auch Seeber, dass der Personalmangel neben Corona "die größte Baustelle" der Branche ist. "Es fehlen uns an allen Ecken und Enden die Fach- aber auch die Hilfskräfte". Er selber sei geneigt, jeden Arbeitswilligen gleich einmal anfangen zu lassen, bevor er lange den Lebenslauf oder die Qualifikationen überprüft. 15.000 bis 20.000 Arbeitnehmer fehlen der Branche derzeit, rund 2.000 Lehrlinge seien verloren gegangen, auch weil sie angesichts von Schließungen nicht ausgebildet werden konnten. Nötig seien flexiblere Arbeitszeitmodelle, Mitarbeiter-Wohnmöglichkeiten und Kinderbetreuung aber auch erleichterte Jobchancen für Asylwerber. Ganz grundsätzlich seien die Arbeitgeber gefordert, sich mehr um Mitarbeiter und deren Bedürfnisse zu bemühen.

Quelle: Agenturen / pea