APA - Austria Presse Agentur

Nächtliche Ausgangssperre in Slowenien ab Dienstag

19. Okt 2020 · Lesedauer 5 min

Nachdem in Slowenien wegen steigender Corona-Infektionen ein 30-tägiger Pandemie-Notstand ausgerufen wurde, hat die slowenische Regierung am Montag zusätzliche Einschränkungsmaßnahmen beschlossen. Ab Dienstag wird im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre gelten, Treffen werden auf maximal sechs Personen eingeschränkt.

Ab Dienstag wird sich zwischen 21.00 und 6.00 Uhr niemand mehr ohne triftigen Grund auf der Straße aufhalten dürfen. Ausnahmen gelten für den Weg zur oder von der Arbeit sowie in Notfällen. Wie der Innenminister Ales Hojs bei einer Pressekonferenz am Montag erklärte, folgt die Regierung mit dieser Maßnahme dem Vorbild anderer EU-Länder. Darüber hinaus sei festgestellt worden, dass es zu vielen Übertragungen bei privaten abendlichen Versammlungen gekommen sei, so der Minister.

Die Grenze wurde von bisher zehn auf maximal sechs Personen herabgesetzt. Ausgenommen sind Personen aus dem selben Haushalt. Laut Hojs dürfen im ganzen Land generell keine Versammlungen oder Veranstaltungen, darunter Hochzeiten oder Gottesdienste, mehr stattfinden.

Seit vergangenem Freitag gilt in Slowenien ein teilweiser Lockdown in allen Regionen, wo die Infektionszahlen in den vergangenen 14 Tagen bei über 140 Fällen pro 100.000 Einwohner liegen. Demnach dürfen in insgesamt elf von zwölf Regionen die Bewohner diese nicht verlassen. Es gibt mehrere Ausnahmen, bei denen man weiterhin über Regionalgrenzen hinweg weiterhin pendeln darf, wie etwa die Fahrt zur Arbeit oder bei einem Arztbesuch. Gestrichen wurde hingegen die Möglichkeit, den bereits gebuchten Urlaub außerhalb der eigenen Region zu verbringen. Seit Montag gibt es in den Schulen teilweise Fernunterricht.

In Slowenien wurden am Sonntag 537 Neuinfektionen gemeldet. Die Positivitätsrate lag erstmals über 20 Prozent, sagte der Regierungssprecher Jelko Kacin am Montag. Am Sonntag gab es insgesamt 7.103 aktive Coronavirus-Fälle im Land. Die Anzahl der Infizierten der vergangenen 14 Tage pro 100.000 Einwohner lag bei 339.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten unterdessen 4.325 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Der Wert ist vergleichsweise niedrig, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten übermitteln. Gemessen an den 2.467 gemeldeten Infektionen vom Montag vergangener Woche ist der aktuelle Wert aber deutlich erhöht.

Die Zahl der Neuinfektionen hatte am Samstag mit 7.830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert erreicht. Seit Beginn der Coronakrise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 366.299 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert.

Das von der Corona-Pandemie besonders schwer geplagte Belgien verzeichnete unterdessen an einem einzigen Tag mehr als 12.000 Neuinfektionen. Wie ein Sprecher des Krisenzentrums nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga am Montag in Brüssel mitteilte, wurden für den Dienstag voriger Woche (13. Oktober) 12.051 neue Fälle registriert.

Nach Angaben des Krisenzentrums ergibt sich für den Zeitraum 9. bis 15. Oktober in Belgien eine Zahl von durchschnittlich 7.876 Neuinfektionen pro Tag. Die Regierung des Elf-Millionen-Einwohner-Landes verfügte am Freitag, dass alle Restaurants und Gaststätten für vier Wochen schließen müssen. Von Mitternacht bis 5.00 Uhr gilt eine Ausgangssperre. Die Maßnahmen traten am Montag in Kraft.

Insgesamt gab es in Belgien nach offiziellen Zahlen seit Beginn der Pandemie 222.253 Coronafälle. An der Spitze liegen die Provinzen Brüssel, Antwerpen und Lüttich (Liège).

Insgesamt 10.413 Menschen sind in Belgien der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität zufolge bisher an oder mit Covid-19 gestorben. Das sind mehr als im viel größeren Deutschland (9.789 nach RKI-Angaben, Stand Montag) und entspricht mehr als 90 Toten pro 100.000 Einwohner - nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität ist dies einer der höchsten Werte weltweit.

In Moskau sollen unterdessen in den nächsten Monaten Massenimpfungen gegen das Coronavirus beginnen. Damit werde zwischen Dezember und Jänner begonnen, schrieb Bürgermeister Sergej Sobjanin am Montag in seinem Blog. Die ersten größeren Lieferungen des ersten russischen Impfstoffes würden im nächsten Monat eintreffen. "Das wird der endgültige Sieg über die Pandemie sein", meinte Sobjanin. Das russische Vakzin mit dem Namen "Sputnik-V" war schon im August freigegeben worden.

International gab es Kritik daran, weil die Freigabe noch vor dem Abschluss wichtiger Tests erfolgte. Derzeit laufen breit angelegte Phase-III-Studien. Mittlerweile ist ein zweiter in Russland entwickelter Impfstoff freigegeben worden.

In dem flächenmäßig größten Land der Erde steigt seit Wochen die Zahl der Neuinfektionen rasant. Am Montag wurden der offiziellen Statistik zufolge 15.982 Fälle an einem Tag gemeldet - so viele wie noch nie. Damit gibt es bisher mehr als 1,3 Millionen registrierte Infektionen. Landesweit starben nach offiziellen Angaben mehr als 24.000 Menschen mit dem Virus, mehr als eine Million erholten sich.

In Brasilien ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums die Zahl der Coronavirus-Fälle um 10.982 auf 5.235.344 gestiegen. Weitere 230 Menschen sind in dem lateinamerikanischen Land binnen 24 Stunden an oder mit der Infektion gestorben. Damit stieg die Zahl der Pandemie-Opfer in Brasilien auf 153.905.

In Mexiko berichtete das Gesundheitsministerium am Sonntag von 4.119 Neuinfektionen und 108 weiteren Toten. Damit stieg offizielle Anzahl an Corona-Fällen auf 851.227 und die Zahl der Corona-Opfer auf 86.167. Gesundheitsbehörden zufolge soll die Zahl der infizierten Personen tatsächlich signifikant höher liegen als die Zahl der bestätigten Fälle.

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF hat mit Maßnahmen zur Vorbereitung von Corona-Impfkampagnen begonnen. Um die Voraussetzungen für eine schnelle, sichere und wirksame Auslieferung eines Impfstoffs zu schaffen, beschafft UNICEF derzeit zusammen mit der Impfallianz Gavi und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Spritzen und andere notwendige Hilfsgüter, teilte die UN-Organisation am Montag in Köln mit. Noch heuer würden 520 Millionen Spritzen in Warenlagern deponiert.

"Weltweit gegen Covid-19 zu impfen, wird eine der größten Anstrengungen in der Menschheitsgeschichte werden, und wir werden genauso schnell reagieren müssen, wie die Impfstoffe hergestellt werden", erklärte UNICEF-Chefin Henrietta Fore. "Um später rasch voranzukommen, müssen wir schon jetzt schnell handeln."

Kommendes Jahr will Unicef daher allein für Covid-19-Impfungen etwa eine Milliarde Spritzen ordern. Außerdem will das UNO-Kinderhilfswerk auch fünf Millionen Sicherheitsboxen für die Entsorgung benutzter Spritzen beschaffen, um Ansteckungen mit durch Blut übertragbare Krankheiten zu vermeiden.

Quelle: Agenturen