APA - Austria Presse Agentur

71 Infizierte nach Liftfahrt

14. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Eine symptomlose US-Rückkehrerin sorgte offenbar mit einer Liftfahrt in China für ein Cluster mit 71 Corona-Infizierte.

Am 19 März 2020 kehrte die Chinesin aus den USA in die chinesische Provinz Heilongjiang zurück. Ein durchgeführter Corona-Test war negativ, die Frau symptomlos. Trotzdem sollte sie sich in Quarantäne begeben. Das tat sie auch. Und benützte auf dem Weg dahin  den Fahrstuhl in ihrem Wohnhaus.

Auf diese Liftfahrt führen nun Forscher in China laut einem Bericht des Fachmagazins Emerging Infectious Diseases, das von der US-Seuchenschutzbehörde CDC herausgegeben wird, die Infektion von 71 Personen zurück.

Schlaganfall

Der Schlaganfall eines Mannes sorgte für die Entdeckung des Clusters. Er wurde in zwei Krankenhäuser behandelt, begleitet von seinen zwei Söhnen. Erst dann wurde seine Corona-Infektion entdeckt. Bei der Nachverfolgung zeigte sich, mindestens 28 Personen wurden im ersten Spital infiziert, 20 im zweiten. Die Forscher fanden heraus, dass das Virus eher den Stämmen von Übersee ähnelten und damit eher vom Ausland eingeschleppt wurden.

Party

Die Nachverfolgung zeigte, der Mann besuchte mit seinen Söhnen eine Party, bei der auch eine Nachbarin der US-Rückkehrerin anwesend war. Diese Nachbarin war infiziert und steckte auch ihre Mutter und deren Partner an. Allerdings hatte sie nie direkten Kontakt zur US-Rückkehrerin. Diese wurde daraufhin erneut getestet und wies nun Antikörper gegen das Virus auf. Das Fazit der Forscher: "Wir glauben, dass A0 (die US-Rückkehrerin, Anm.) eine asymptomatische Trägerin war und B1.1 (die Nachbarin, Anm.) durch Kontakt mit Oberflächen in dem Fahrstuhl des Hauses infiziert wurde." Das Virus wurde allerdings bei keinem weiteren Bewohner des Hauses nachgewiesen.

Übertragung durch die Luft?

Wird eine Übertragung über Oberflächen noch immer als relativ unwahrscheinlich bezeichnet, rücken immer öfter Aerosole ins Zentrum der Forschung und da auch Fahrstühle. Denn diese sind enge Räume und oft schlecht belüftet. Zuletzt hatten rund 240 Wissenschafter Gesundheitsbehörden, darunter der WHO, vorgeworfen, in ihren Empfehlungen das Ansteckungsrisiko durch Aerosole zu vernachlässigen. "Wir sollten genauso viel Betonung auf Masken und Belüftung legen wie auf das Händewaschen", sagte eine beteiligte Forscherin, die Aerosol-Expertin Linsey Marr, der New York Times. "Soweit wir das beurteilen können, ist das genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger."

Studien ließen kaum Zweifel daran, so schreiben die Wissenschafter weiter, dass Sars-CoV-2 sich genauso wie bereits erforschte verwandte Viren durch Atmen und Sprechen in winzigsten Tröpfchen in der Luft verteile. Besonders volle, unzureichend durchlüftete Räume, in denen Menschen sich lange aufhalten, seien demnach ein Risiko. Die Übertragung über Aerosole sei die einzige Erklärung für mehrere Ausbrüche, bei denen einzelne Infizierte viele Menschen ansteckten - teils trotz Einhaltung der Hygieneregeln, die die Ansteckung durch größere Tröpfchen oder im direkten Kontakt verhindern sollten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe