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Nach Jahren Tötung zweier Kinder in Herne aufgedeckt

13. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Durch einen Zufall hat die Polizei die Tötung von zwei kleinen Kindern aufgedeckt, die bereits 2011 und 2012 ums Leben gekommen sind. Damals ging man davon aus, dass sie eines natürlichen Todes gestorben waren. Jetzt wurde die Mutter (33) verhaftet. Sie soll die beiden Buben - jeweils nur zwei und 19 Monate alt - erstickt haben.

Wie die Ermittler am Mittwoch in Bochum mitteilten, hatte die Frau mit 21 Jahren im Oktober 2010 ihren ersten Sohn zur Welt gebracht. Bereits im September 2011 folgte der zweite Sohn. Möglicherweise durch eine "Überlastungssituation" habe sie im November 2011 ihrem Zweitgeborenen - einem Schreikind - einen Polster aufs Gesicht gedrückt, so die Ermittler. Dann rief sie den Angaben zufolge den Notarzt. Das zwei Monate alte Kind wurde reanimiert und starb am nächsten Tag im Krankenhaus. Nach der Obduktion ging man von einem medizinischen Notfall aus. Ermittlungen gegen die Mutter gab es nicht.

Im Mai 2012 versuchte die Frau, auch ihr älteres Kind zu ersticken, wie die Ermittlungen jetzt ergaben. Wieder rief sie den Notarzt, wieder starb das reanimierte Kind im Krankenhaus. Wieder ergab die Obduktion keinen Hinweis auf ein Verbrechen.

Jahre später - im Dezember 2015 - brachte die Frau ein drittes Kind zur Welt. Im April 2018 versuchte sie laut Staatsanwaltschaft, auch dieses Kind zu ersticken. Es überlebte. Einer Ärztin kam die Sache komisch vor, sie recherchierte bei den Krankenhäusern, in denen die beiden anderen Kinder starben. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein, ließ neue Gutachten erstellen - unter anderem von einem Spezialisten aus Gießen. Zudem verhörte man neue Zeugen. So kam heraus, dass die Frau gegenüber anderen Menschen von den Taten gesprochen haben soll.

Der Vater der drei Kinder lebte mit der Frau über die gesamte Zeit der Taten in einer Beziehung - aber er war laut den Ermittlern nie zu Hause, wenn die Mutter zu den Pölstern griff.

Nach fast dreijährigen Ermittlungen erfolgte nun der Haftbefehl wegen zweifachen Mordes. Das Motiv: Die Frau habe ihre Ruhe haben wollen. Auch habe sie ihr ausschweifendes Privatleben, welches sie vor der Geburt der Kinder gehabt habe, wieder ausleben wollen, teilte der Staatsanwalt mit. Er sieht bei der Frau eine besondere Schwere der Schuld. Würde ein Gericht dieser Sicht folgen, wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis ist das aber so gut wie ausgeschlossen.

Die Verdächtige habe bei der Verhaftung in ihrer Wohnung in Herne am Dienstag gefasst gewirkt, hieß es am Mittwoch bei der Pressekonferenz zu dem Fall. Die 33-Jährige habe sich bisher gegenüber der Polizei nicht zu den Taten geäußert. Die Ermittlungsgruppe (EG) "Hieronymus" arbeitet nun weiter. Geleitet wird die EG von einer Frau. Allen Ermittlern war anzusehen, dass dieser Fall ein besonders tragischer ist.

Quelle: Agenturen