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Nach Erdäpfelpüree auf Monet-Bild: Museum Barberini geschlossen

24. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf ein Gemälde von Claude Monet wird das Potsdamer Museum Barberini in Deutschland zunächst geschlossen.

Man wolle sich mit den Leihgebern der Ausstellung verständigen, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider am Montag auf dpa-Anfrage. Die Hoffnung sei, am nächsten Montag wieder öffnen zu können.

"Ab morgen ist das Museum für den Rest der Woche geschlossen", sagte zuvor der Museumsgründer und Kunstmäzen Hasso Plattner den "Potsdamer Neuesten Nachrichten". "Wir werden in dieser Zeit überlegen, wie wir die Sicherheit erhöhen können." Das Museum wird von der Hasso Plattner-Stiftung betrieben. Auf der Webseite des Museums waren auch bis Ende der Woche keine Tickets verfügbar.

Das Museum Barberini werde sofort Kontakt zu allen Leihgebern aufnehmen, sagte Plattner. Denn im Museum Barberini wird seit Samstag eine Surrealismus-Ausstellung gezeigt, mit Leihgaben aus 50 Museen und Privatsammlungen. "Wir müssen abwarten, wie die Leihgeber dazu stehen und welche Sicherheitsmaßnahmen sie von uns fordern."

Es bestehe die Gefahr, dass es künftig "schwerer bis unmöglich" werde, für Ausstellungen im Museum Barberini Leihgeber zu überzeugen, meinte Plattner. Damit bestehe auch die Gefahr, dass über die Dauerschau mit den rund 100 Werken aus der Privatsammlung hinaus keine Ausstellungen mehr möglich seien.

Schwerwiegende Folgen

Auch der Deutsche Museumsbund (DMB) warnte vor schwerwiegenden Folgen für den Kunstbetrieb. "Ein unmittelbarer Kunstgenuss ist so bald nicht mehr möglich - da geht es hin", sagte der Sicherheitsexperte des DMB und der Hasso-Plattner-Stiftung, Remigiusz Plath. "Wir werden von den Klimaaktivisten instrumentalisiert, um Aufmerksamkeit zu erregen - auf Kosten des Kulturguts."

Der Museumsbund empfehle als Sicherheitsmaßnahmen eine Verglasung der Kunstwerke und den Einsatz von mehr Personal, erläuterte Plath am Montag. Doch eine Verglasung von großen Formaten sei gar nicht möglich. Da könne nur eine Glasscheibe vor das Gemälde gehängt werden. "Und diese Maßnahmen kosten ebenso wie mehr Personal viel Geld - und das können sich nicht alle Museen leisten", sagte der Experte. "Hundertprozentige Sicherheit haben Sie dann nur, wenn das Werk im Keller im Depot ist."

Das Potsdamer Museum Barberini hat am Tag nach der Attacke die Kontrollen der Besucher ausgeweitet. "Im Zuge der verschärften Sicherheitsmaßnahmen finden Taschenkontrollen statt", teilte eine Museumssprecherin am Montag auf Anfrage mit. Weiterhin dürften nur Taschen in die Ausstellung mitgenommen werden, die nicht größer als DIN A4 seien. Das Bild solle nach der Untersuchung durch eine Restauratorin am Mittwoch wieder in dem Ausstellungsraum zu sehen sein, so die Sprecherin.

Polizei ermittelt

Die Polizei ermittle gegen zwei Beschuldigte wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, erklärte eine Polizeisprecherin. Ihnen werde vorgeworfen, das Gemälde am Sonntagnachmittag mit einer gelben Flüssigkeit bespritzt zu haben. Anschließend hätten sich die beiden in der Nähe des Bildes mit jeweils einer Hand festgeklebt.

Nach Angaben der Klimaschutz-Protestgruppe "Letzte Generation" hatten ein Mann und eine Frau am Sonntag Erdäpfelpüree auf das Gemälde geschüttet. Die Gruppe forderte von der Politik wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels. Das verglaste Bild wurde nach der Attacke untersucht und wurde laut Museum demnach nicht beschädigt.

Die beiden Klimaaktivisten hätten bei der Attacke Umhängetaschen getragen, die der Größe entsprachen, die mit in die Ausstellung genommen werden dürften, so die Museumssprecherin. "Der Kartoffelbrei befand sich in kleinen Behältern, die theoretisch auch unbemerkt hätten am Körper getragen werden können." Nach neuesten Angaben der Sprecherin waren an der Attacke insgesamt fünf bis sechs Menschen beteiligt.

Die Stiftung des Museumsgründers und Multimilliardärs Hasso Plattner hatte das Bild von Monet im Jahr 2019 für knapp 111 Millionen Euro in New York erworben. "Herr Plattner ist sehr betroffen", sagte die Museumssprecherin. "Wir stimmen unser Vorgehen eng mit ihm ab."

Erst Ende August hatten sich zwei junge Frauen in der Berliner Gemäldegalerie am Rahmen des Gemäldes "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) festgeklebt. Sie trugen dabei ein Plakat der "Letzten Generation". Zuvor hatte es ähnliche Aktionen von Klimaschutz-Aktivisten im Frankfurter Städel und in der Dresdner Gemäldegalerie gegeben. Die Protestgruppe macht schon länger mit Blockaden von Autobahnen und Kreuzungen von sich reden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / mbe