AFP

Mord an Journalistin in Malta: Brüder zu 40 Jahren Haft verurteilt

14. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Fast genau fünf Jahre nach dem Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia sind zwei Männer wegen Mordes verurteilt worden.

Eine Richterin verhängte gegen die Brüder, die sich zuvor überraschend schuldig bekannt hatten, am Freitag in Valletta Haftstrafen von jeweils 40 Jahren. Das Attentat wurde laut Ermittlern von drei Männern verübt; der dritte Beschuldigte war Anfang 2021 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er ein Geständnis ablegte.

Möglicher Drahtzieher wartet auf Prozess

Er hatte auch Details der Tat verraten. Ein möglicher Drahtzieher wartet indes auf seinen Prozess. Der Mord hatte auf dem EU-Inselstaat sowie international für Bestürzung und Empörung gesorgt.

Die aus Malta stammende Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, schrieb am Freitagabend bei Facebook, der Schuldspruch bedeute für Caruana Galazia und die Angehörigen zwar keine Gerechtigkeit, sei aber "ein kleiner Schritt". Jetzt müssten die Hintermänner des Mordes und jene, die die Täter schützten, zur Rechenschaft gezogen werden, schrieb Metsola.

Caruana Galizia war eine der bekanntesten Journalistinnen des Landes und recherchierte sowie veröffentlichte jahrelang über die teils weitreichende Korruption auf der Mittelmeerinsel.

Roberta Metsola

Brüder bekannten sich schuldig

Die beiden Brüder waren bereits kurz nach dem Bombenanschlag am 16. Oktober 2017 festgenommen worden. Sie bestritten bis zuletzt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Erst am Freitagnachmittag - wenige Stunden nach Prozessbeginn - bekannten sie sich überraschend schuldig.

Dadurch vermieden sie, von der am Morgen eingesetzten Jury verurteilt zu werden. Ihnen hatten lebenslange Haftstrafen gedroht. Auch falls die 57 und 59 Jahre alten Brüder vorzeitig aus der Haft entlassen werden, werden sie den Großteil ihres restlichen Lebens hinter Gittern verbringen, wie Medien in Valletta berichteten.

Wie die Ermittler rekonstruierten, platzierten die drei Männer unter dem Fahrersitz des Autos der Journalistin den Sprengstoff und ließen ihn ferngesteuert hochgehen. Den Zünder habe einer der Brüder per Handy auf einem Boot ausgelöst und das Telefon ins Meer geworfen. Der dritte Auftragskiller hatte bereits Details genannt.

Taxifahrer legte Geständnis ab

Ein weiteres Geständnis in der Causa hatte ein Taxifahrer abgelegt. Er gab an, ein Vermittler zwischen den Mördern und dem Geschäftsmann Yorgen Fenech als Auftraggeber des Attentats gewesen zu sein. Jener Unternehmer sitzt seit November 2019 in Haft, als er auf seiner Jacht bei einem möglichen Fluchtversuch festgenommen wurde.

Der Millionär wartet auf den Beginn seinen Prozess. Er streitet die Vorwürfe ab und behauptet, einflussreiche Politiker steckten hinter dem Attentat. Die beiden verurteilten Brüder kündigten laut Medienberichten beim Verlassen des Gerichtssaals an, nun die ganze Wahrheit zu verraten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz