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Militärluftfahrt-Experte: Neue Heeres-Hubschrauber sind "teuerstes Modell"

21. Sept 2020 · Lesedauer 4 min

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat am Montag die neuen Heeres-Hubschrauber präsentiert. Militärluftfahrt-Experte Georg Mader ordnet die Entscheidung im Gespräch mit PULS 24 ein.

"Wir kaufen mit diesem Hubschrauber ein hocheffizientes und modernes Gerät", sagte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Montag bei der Präsentation des neuen Bundesheer-Hubschraubers des italienischen Herstellers Leonardo. Aber stimmt das? PULS 24 hat darüber mit dem Militärluftfahrt-Experten Georg Mader gesprochen.

Tanner will insgesamt 18 Hubschrauber des Modells AW 169M über ein Government to Government-Geschäft kaufen. Österreich wird die Hubschrauber bei den Italienern mitbestellen und direkt mit der italienischen Regierung verhandeln. Das spare Kosten, sagte Tanner.

Diese Entscheidung kann der Experte Mader nachvollziehen. Das Modell sei technisch gut und habe einen großen Hubraum. "Er spielt in einer anderen Klasse als die Allouette oder die Bell", sagt Mader. Aber die Betriebs- und Lebenszykluskosten bei diesem Modell seien besonders hoch. Im Vergleich zu den anderen Mitbewerbern von Airbus (Deutschland) und Bell (USA) sei Leonoardo das "betriebskostenintensivste und teuerste Modell", sagt der Experte.

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Flotte wird kleiner

In acht bis zehn Jahren werden weitere Typen aus der Bundesheer-Flotte ausscheiden. Dann blieben laut Mader nur noch die "Blackhawk" und das neue Modell übrig. Die Überlegung der Ministerin könnte deshalb sein, "Wenn wir für die anderen Flieger keinen Ersatz bekommen, haben wir wenigstens Größere", sagt der Experte.

Außerdem wolle man die leidvolle Erfahrung mit den Eurofightern nicht wiederholen. "Dann kommt eine übernächste Regierung und hackt das zusammen", sagt Mader. Auch Tanner betonte, dass sie sich deshalb gegen das Modell von Airbus entschieden habe. Sie sagte: "Meine Einstellung zur Airbus, insbesondere auch zu laufenden Gerichtsverfahren, ist bekannt."

Hubschrauber kosten 300 Millionen Euro

Die 18 AW 169M sollen die Alouette III ersetzen, die aus technischen Gründen Ende 2023 ausscheiden werden. Die Beschaffung der neuen Hubschrauber kostet rund 300 Millionen Euro. In der Summe soll die gesamte Beschaffung beinhaltet sein, also Hubschrauber, Technik, Logistik, aber auch die Ausbildung und infrastrukturelle Erfordernisse. Die Hubschrauber sollen für das Militär verschiedene Aufgaben erfüllen - vom Personen- und Materialtransport bis zu Löscharbeiten.

Die Vertragsverhandlungen mit der italienischen Regierung sollen etwa sechs Monate dauern, dann braucht die Produktion der Hubschrauber etwa eineinhalb Jahre. Die ersten Helikopter sollen dann Mitte 2022 in Österreich, die letzten Anfang 2024 landen. 

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SPÖ und NEOS vermissen Transparenz

Die Opposition zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem angekündigten Hubschrauber-Kauf bei Leonardo. Die FPÖ heftet sich das Budget für die neuen Helikopter auf die Fahnen, habe dies doch ihr damaliger Minister ausverhandelt. SPÖ und NEOS verlangten noch Transparenz, wie es zur Entscheidung für die Italiener kam.

SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer bewertete die Entscheidung für die Leonardo-Hubschrauber als richtig. Das Government-to-Government-Geschäft sieht er positiv, "also ohne die aus der Eurofighter-Beschaffung bekannten Lobbyisten, Provisionen und mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen abläuft". Allerdings stört Laimer, dass Verteidigungsministerin Tanner dem Parlament weder in öffentlicher noch in vertraulicher Sitzung die grundlegenden Daten der verschiedenen Angebote dargelegt habe. "Dieser Verpflichtung muss die Ministerin noch nachkommen."

Grundsätzlich positiv reagierte auch NEOS-Verteidigungssprecher Douglas Hoyos. Endlich sei eine Entscheidung getroffen worden, meinte er in einer Aussendung. Auch er forderte aber Transparenz über die Entscheidungskriterien: "Leider hat man sich mit dem Airbus-Streit im Vorfeld selbst um eine Alternative gebracht, jetzt ist die Entscheidung auf den teuersten Typ gefallen. Tanner muss transparent machen, auf welchen Kriterien die Entscheidung beruht und wie es dazu gekommen ist."

"Ende gut, alles gut"

Erleichtert reagierte der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) auf die Entscheidung bei den Nachfolgern der Alouette III-Hubschrauber: "Ende gut, alles gut." Aus Sicht des Landeschefs sei der Standort in Aigen im Ennstal damit "auf Jahrzehnte abgesichert".bExperten hätten Schützenhöfer von der Eignung der Maschine bei Katastropheneinsätzen berichtet, was für die Steiermark von besonderer Bedeutung ist.

Der Artikel wurde um 15.30 Uhr um das Statement von Schützenhöfer ergänzt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe