APA - Austria Presse Agentur

#MeToo-Debatte im Deutschrap: Vorwürfe auch gegen Bushido

28. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Unter dem Hashtag "#deutschrapmetoo" wird aktuell über Sexismus und Gewalt in der Rap-Szene diskutiert. Auch bekannte Künstler wie zum Beispiel Bushido sehen sich nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Rap und Deutschrap ist bekannt für seine teils frauenfeindlichen und sexistischen Texte. Nun wird unter dem Hashtag "#deutschrapmetoo" auf den sozialen Medien über Sexismus und Gewalt in der Szene diskutiert.

Vergewaltigungsvorwurf als Auslöser

Auslöser für die Debatte war ein Vergewaltigungsvorwurf der Influencerin Nika Irani gegen den Rapper Samra. Auf Instagram erzählte sie, wie Samra sie in seinem Studio zum Sex gezwungen habe. Der Vorfall läge schon ein Jahr zurück. Samra habe ihr angeboten, dass er ihr sein Aufnahmestudio zeigt. Dann habe er sie in sein Schlafzimmer gedrängt, die Tür abgesperrt und sie gewürgt, so der Vorwurf der jungen Frau. "Ich habe über 20 Mal nein gesagt. Dann hat er meine Unterhose aufgerissen und zerfetzt und ich habe es einfach über mich ergehen lassen", schrieb Nika Irani in ihrem Instagram-Post.

Screenshot: Instagram/Playgirlnikaa

Hussein Akkouche, alias Samra, weist die Vorwürfe zurück. "Ich habe niemanden vergewaltigt, weder die Person, die mich dessen beschuldigt, noch andere Menschen!", schreibt er in einem Instagram-Post. Zudem kündigt er an, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, um eine "unabhängige Aufklärung" herbeizuführen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Plattenfirma Universal Music Germany, bei der Samra unter Vertrag steht, kündigte an, die Zusammenarbeit bis zur Aufklärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Auf Instagram schrieb Universal: Sie "verurteilen jede Form von sexueller Gewalt auf das Schärfste und solidarisieren sich jederzeit ausnahmslos mit den Opfern."

Screenshot: Instagram/Universal Music Germany

Belästigungsvorwürfe gegen Bushido

Auch Bushido sieht sich aktuell mit Vorwürfen aus seiner Vergangenheit konfrontiert. Der damals 26-jährige Rapper soll ein Mädchen unter Druck gesetzt und belästigt haben. Das soll ein Video zeigen, das der Rapper Cashmo veröffentlichte. In dem Video wird angedeutet, dass das Mädchen minderjährig gewesen sein soll. Bushido reagierte auf die Vorwürfe, in dem er sich in einer Instagram-Liveschaltung an die Öffentlichkeit wendete. Darin räumt er die Echtheit des Videos ein und entschuldigte sich. "Kein Mädchen hat es verdient, so behandelt zu werden", sagt der Familienvater darin. Das Abschleppen von Mädchen habe zu seinem damaligen Lebensstil gehört. Er übernehme für das, was dem Mädchen "verbal angetan wurde", die alleinige Verantwortung.

Über die Streaming-Plattform Twitch zeigte dann der Rapper das Video in voller Länge. Das Video zeige, dass es bei dem Gespräch nicht darum ging, das Mädchen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Zudem sei das Mädchen volljährig gewesen, versicherte der Rapper. Bushido soll der jungen Frau angeboten haben, sich schlafen zu legen. Dies sei im Videoausschnitt nicht zusehen gewesen. Dennoch entschuldige er sich für den generellen Umgang mit dem Mädchen. Bushido stellte klar, dass er "sie nicht bedrängt" habe. "Wenn man diesen Ausschnitt von Cashmo auch genauso darstellt, wie man es gestern dargestellt hat, dann kann man alles hineininterpretieren", sagt er zu dem Video. Er kündigte an, rechtlich gegen Cashmo vorgehen zu wollen.

Debatte unter Hastag #deutschrapmetoo

"Ihr habt kein Interesse daran, das Problem im Deutschrap zu ändern", sagt Bushido in seinem Entschuldigungsvideo an Cashmo gerichtet. Unter dem Hashtag "#deutschrapmetoo" schildern zahlreiche Personen von ähnlichen Erlebnissen. "Wir haben es hier nicht mit einzelnen Harvey-Weinstein-artigen Monstern zu tun, sondern mit einer Atmosphäre, in der Täter-Sein zumindest qua Imagepolitik zum guten Ton gehört", schreibt die Rapperin Sokee in einer Kolumne.

Und auch Rap-Journalistin Visavie äußerte sich via Instagram zum Thema. Darin schreibt sie: "Ich habe in den letzten zwölf Jahren in der Rapwelt von so vielen Fällen von sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen gehört, sie selbst mitbekommen, oder am eigenen Leib erlebt, dass es Monate dauern würde, all die Erlebnisse zu (er)zählen, oder in ihren fürchterlichen Details zu rekonstruieren."

Auch Bushido bekräftigt via Instagram, dass das Problem von sexueller Gewalt in der Deutschrap-Szene seit Beginn an vorherrsche.

Rapper Nimo nimmt Song vom Markt

Ein erstes Umdenken zeigt der Rapper Nimo: Universal veröffentlichte auf Instagram, dass man den Song "Komm mit", wegen der aktuellen Situation nicht veröffentliche. Man distanziere sich von dem Inhalt in dem Song. Der Rapper selbst entschuldigte sich in einem Instagram-Post für den Song: "Ich möchte mich an dieser Stelle auch persönlich von jeglicher Gewalt an Frauen und Missbrauch distanzieren und mich bei denjenigen entschuldigen, die meine Worte verletzt haben." Weiters schreibt er, dass er in Zukunft bei seinen Lieder die Herangehensweise ändern werde.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea