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Messerattacke auf Frau in Linz wegen Chats mit Männern

18. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Nachdem er im Mai auf der Oberen Donaulände in Linz seine Frau niedergestochen haben soll, ist am Mittwoch ein 52-jähriger Syrer wegen Mordversuchs vor Gericht gestanden. Die 41-Jährige überlebte nur dank einer Kette glücklicher Umstände und einiger couragierter Passanten, die einschritten und ihren Mann unter erheblichem eigenen Risiko außer Gefecht setzten. Motiv war Eifersucht, weil die Frau mit anderen Männern gechattet hatte.

Der Angeklagte habe verlangt, dass sie den Kontakt abbreche, was sie nicht tat, schilderte der Staatsanwalt. Bei einem Streit habe er der 41-Jährigen dann mit einem Teppichmesser mehrmals in den den Hals gestochen. Nur weil Passanten einschritten habe die Frau überlebt. Eine Krankenschwester sprang dem Mann in den Rücken, ein Geistlicher versuchte ihn zum Aufgeben zu bewegen, ein Krankenwagen und medizinisch kundige Personen, die zufällig vorbeikamen, leisteten rasch Erste Hilfe. "Und nur weil der Stich am Kehlkopf abgelenkt wurde, sitzen wir heute wegen versuchtem Mord und nicht wegen Mordes hier."

Der Verteidiger meinte, sein Mandant sei sich seiner Schuld bewusst und es tue ihm "wahnsinnig leid". Aber was das Motiv angeht, müsse man den kulturellen Hintergrund sehen. Flüchtlinge, die nach Österreich kommen, hätten "einen anderen Glauben, andere Gesetze, andere Wertvorstellungen", argumentierte er. "Es ist so, dass eine Frau, die nach islamischem Gesetz verheiratet ist, nicht mit einem anderen Mann chatten darf". Er selbst sei "der Letzte, der sagt, dass das gut ist", aber aus Sicht seines Mandanten sei das "nicht so eine Lappalie" gewesen.

Der Angeklagte bestreitet die Tötungsabsicht. Er gab im Vorfeld an, sich an die Messerattacke nicht erinnern zu können. Er sei "sehr liberal", beschrieb der Muslim seine religiöse Haltung. Es sei auch "völlig in Ordnung", wenn seine Frau am Arbeitsplatz Kontakt zu männlichen Kollegen habe. Sie dürfe sich auch mit gemeinsamen Bekannten treffen, aber "fremde Personen darf sie natürlich nicht kontaktieren", sagte er. "Wir haben Regeln gehabt, sie hat diese Regeln gebrochen. Sie hat eine schwere Eheverfehlung begangen, das ist ein Hochverrat. Es gibt Hochverrat gegen den Staat und es gibt Hochverrat gegen den Ehemann", erklärte er der Vorsitzenden des Geschworenensenats.

Seine Frau schilderte er als "nervig", "stressig" und "frech", sie habe ihn immer wieder beleidigt. Das Paar hatte 1995 bereits einmal geheiratet, sich dann scheiden lassen und 2005 neuerlich geheiratet. Auch danach gab es Trennungsphasen und offenbar auch öfter Streit.

Ein Urteil ist nächste Woche geplant. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mann zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.

Quelle: Agenturen