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Massaker in Butscha - Was wir bisher wissen

04. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Bilder von getöteten Zivilisten auf den Straßen und Massengräbern in der bis vor kurzem russisch besetzten Stadt Butscha sorgen für Entsetzen.

Die Bilder von getöteten Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Regierung in Kiew wirft Moskau ein Massaker vor und spricht von "Völkermord". Die russische Seite wiederum spricht von einer "Inszenierung der Ukraine". Das ist bisher über die mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Butscha bekannt:

Mehr als einen Monat umkämpft und belagert

Butscha ist eine Pendlerstadt im Nordwesten von Kiew mit rund 37.000 Einwohnern. Gleich zu Beginn des Krieges, am 24. Februar, wurde Butscha ebenso wie die Nachbarstadt Irpin angegriffen und zum Schauplatz heftiger Kämpfe. Am 26. Februar besetzten die russischen Truppen die Stadt und riegelten sie mehr als einen Monat von der Außenwelt ab. Am Donnerstag endete der Beschuss und die ukrainische Armee erlangte in den vergangenen Tagen wieder die Kontrolle über Butscha.

Die Menschen, die in der Stadt geblieben waren, mussten wochenlang ohne Strom und Wasser bei eisigen Temperaturen ausharren. Zeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP, unter den Besatzern seien auch tschetschenische Kämpfer gewesen. AFP-Journalisten sahen am Wochenende riesige Löcher, die Granaten in Wohnblöcke gerissen hatten. Die Straßen waren mit Trümmern übersät, zahlreiche Autowracks lagen herum genauso wie umgestürzte Stromleitungen.

Leichen in den Straßen

AFP-Reporter zählten am Samstag die Leichen von mindestens 22 Menschen in Zivilkleidung in einer einzigen Straße in Butscha. Eine von ihnen lag auf dem Bürgersteig neben einem Fahrrad, andere hatten Taschen mit Proviant bei sich. Bei einem Toten waren die Hände auf dem Rücken gefesselt. Ein weiteres Opfer lag tot unter einer Decke in der Nähe des Bahnhofs.

Mindestens zwei der Getöteten wiesen große Kopfwunden auf. Die Gesichter der Leichen sahen wächsern aus, was darauf hindeutet, dass sie bereits seit mehreren Tagen dort lagen. Die russischen Soldaten hätten die Zivilisten mit einem "Schuss in den Nacken" getötet, sagte der Bürgermeisters von Butscha, Anatoly Fedoruk.

Massengräber

In einem Massengrab seien die Leichen von 57 Menschen gefunden worden, sagte der Leiter der örtlichen Rettungsdienste, Serhij Kaplytschnij, als er AFP die Grube zeigte. Das Massengrab befindet sich hinter einer Kirche im Zentrum von Butscha. Manche der Toten darin waren noch vollständig zu sehen, andere waren nur teilweise begraben. Alle trugen Zivilkleidung.

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Nach Angaben von Bürgermeister Fedoruk wurden insgesamt 280 Menschen in Massengräbern bestattet, weil die Friedhöfe beschossen wurden. "Wir haben Massengräber gefunden. Wir haben Menschen mit gefesselten Händen und Beinen gefunden, mit Einschusslöchern im Hinterkopf", sagte Präsidentensprecher Sergej Nikiforow am Sonntag dem britischen Sender BBC.

Die genaue Zahl der Opfer ist noch unbekannt. "Wir glauben, dass mehr als 300 Zivilisten gestorben sind", sagte der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, am Sonntag bei seinem Besuch in Butscha. "Das ist kein Krieg, das ist ein Völkermord, ein Völkermord an der ukrainischen Bevölkerung."

Russische Desinformationen

Russland behauptet, bei dem Massaker handle es sich um eine ukrainische "Inszenierung". Russische Botschaften im Ausland sowie der russische Außenminister Sergej Lawrow sprechen von Manipulationen. Einerseits wird behauptet, ukrainische Truppen selbst hätten das Massaker angerichtet, andererseits behauptet Russland, dass die Leichen auf den Straßen nur Schauspieler seien. Diese Behauptungen lassen sich aber einfach entkräften.

Die angeblichen Handbewegungen einer der Leichen auf den Straßen Butschas erweisen sich bei höherer Auflösung als Fleck auf der Windschutzscheibe des Autos, aus dem heraus die Videos aufgenommen wurden.

Gegen die Behauptung, die Menschen seien erst nach Abzug russischer Truppen erschossen worden, spricht, dass AFP-Reporter von Verwesungsanzeichen bei einigen der Leichen berichteten. Die Auswertung von Satellitenbildern durch die "New York Times" zeigt zudem, dass die toten Zivilisten bereits Tage vor dem russischen Abzug auf den Straßen lagen.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / hos