Maskenbetrug-Vorwurf: Influencer Fynn Kliemann wehrt sich

06. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Satiriker Jan Böhmermann erhebt in einem Video schwere Vorwürfe gegen Youtuber und Influencer Fynn Kliemann. Dieser soll während der Corona-Krise Schutzmasken in Südostasien eingekauft und als in Europa produzierte Masken gewinnbringend verkauft haben. Der Influencer sieht sich zu Unrecht ins falsche Licht gerückt.

Der deutsche Youtuber und Unternehmer Fynn Kliemann soll laut Recherchen des "ZDF Magazin Royale" von Satiriker Jan Böhmermann im großen Stil Schutzmasken aus Bangladesch und Vietnam eingekauft und diese als "fair und in Europa produziert" weiterverkauft haben. Entsprechende Rechercheergebnisse werden in einem YouTube-Video Böhmermanns präsentiert.

Kliemann bezeichnete sich im Frühjahr 2020 als "einer der größten Masken-Produzenten Europas", nachdem er seine Textilproduktion in Portugal laut eigener Aussage auf die Produktion von Schutzmasken umstellte. Öffentlichkeitswirksam behauptete er, die Masken zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. Tatsächlich zeigt ein offenbar umfangreicher E-Mail- und Chatverkehr, der dem "ZDF Magazin Royale" vorliegt, dass Kliemann die Masken billig in Bangladesch und Vietnam produzieren ließ und dann in Deutschland als europäisches Produkt verkaufte. Dabei soll er mit seinem Geschäftspartner einen Millionengewinn erwirtschaftet haben.

Besonders dreist: Eine erste Charge von 100.000 Masken war offenbar fehlerhaft und daher nicht verwendbar, weshalb der Hersteller aus Bangladesch Kliemann die Ware nicht verrechnete. Diese fehlerhaften Gratis-Masken verschenkte Kliemann öffentlichkeitswirksam an Flüchtlingslager in Griechenland und Bosnien.

Kliemann reagiert auf Vorwürfe

Vor wenigen Tagen hatte Kliemann auf eine Anfrage des "ZDF Magazin Royale" zu den Vorwürfen mit einem Video auf Instagram geantwortet. Darin ging er aber nur auf Fragen zu einem von ihm gestarteten Mietprojekt ein. Die Vorwürfe zum Maskenbetrug sprach er dabei nicht an. Kliemanns Geschäftspartner gestand gegenüber dem Magazin die Vorwürfe schriftlich ein. Das "ZDF Magazin Royale" hat seine Recherchen auch in einem Online-Artikel veröffentlicht - inklusive Screenshots von Chats und sogar einer belastenden Sprachnachricht Kliemanns.

Am Freitagabend reagierte Kliemann schließlich öffentlich auf die Vorwürfe. "Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun 'auf den ersten Blick' enttäuscht und geschockt sind", beginnt der 34-Jährige sein dreiseitiges Schreiben, über das etwa "Stern" und "NDR" berichten. Er sieht sich aber zu Unrecht ins schlechte Licht gerückt: Er behauptet, dass "jene Betrugsvorwürfe einfach nicht stimmen".

Er habe in die in Bangladesch hergestellten Masken nie verkauft oder beworben. "Ich habe ausschließlich über www.maskeoderso.de Masken angeboten und diese kamen zu 100 Prozent aus Portugal und Serbien." Die besagten Masken seien ein reines Großhandelskontingent für die Handelspartner und Großabnehmer gewesen und auch nur an diese verkauft worden. Alle Abnehmer dieser Masken seien im Vorfeld über das Herkunftsland genau informiert gewesen.

"Masken laut Produzent nicht defekt"

Die Emails, in denen sein Geschäftspartner Tom Illbruck vom "Umlabeln" der Masken geschrieben hat, bezeichnet Kliemann heute als "schlimm", die Formulierung stehe zu Recht in der Kritik. Dass ihm das seinerzeit nicht aufgefallen sei, versucht der Künstler und Geschäftsmann mit seiner damaligen Überforderung zu erklären. Den Vorwurf Böhmermanns, die Masken seien unter Lohndumping entstanden, weist Kliemann ebenfalls zurück: "Global Tactics hat für die Masken genau die gleichen Produktionskosten gezahlt wie in Serbien auch: 40 Eurocent pro Maske."

"Ich habe mit dem Verkauf von europäischen Masken über meinen Shop Geld verdient, ja. Aber bezugnehmend auf das Herkunftsland habe ich niemals jemanden getäuscht oder etwas für etwas ausgegeben, was es nicht war." Am meisten habe ihn der Vorwurf getroffen, er habe defekte Masken an Flüchtlingslager geliefert. Kliemann stellt das so dar: "Diese Masken waren laut Produzenten nicht defekt, oder hatten eine schlechte Schutz-Wirkung. Sie waren einfach nur etwas größer als die ursprüngliche Vorgabe", heißt es weiter.

Erinnerungen an "Hygiene Austria"-Skandal

Die Vorwürfe erinnern jedenfalls an den österreichischen Maskenskandal rund um die "Hygiene Austria". Das Unternehmen, ein Joint Venture von Palmers und Lenzing AG, gab vor, FFP2-Masken "Made in Austria" zu produzieren. Tatsächlich sollen in großem Umfang Masken aus chinesischer Produktion eingekauft und umetikettiert worden sein. Zudem gibt es Vorwürfe der Schwarzarbeit. Mehrfach kam es deshalb zu Hausdurchsuchungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Mehr dazu:

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos, koa