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"Liebe Alkoholikerin" gesteht Messerattacke auf "besten Freund"

22. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Die angeklagte Frau muss sich am Donnerstag im Landesgericht Leoben wegen Mordverdachts verantworten. Sie soll im Jänner im obersteirischen Gröbming auf ihren Bekannten (63) mit einem Messer eingestochen und ihn tödlich verletzt haben.

Die Beschuldigte gab zu, stark betrunken auf ihren "besten Freund" eingestochen zu haben. Sie übernehme die Verantwortung für seinen Tod, wie sie sagte. Ein Urteil ist überraschend noch am Donnerstag zu erwarten.

Rotwein und Schnaps gegen Sex

Die beiden kannten sich schon seit 17 Jahren und tranken täglich flaschenweise Rotwein und Schnaps, den er finanzierte. Sie waren im Ort für ihren reichlichen Alkoholkonsum bekannt. Auch am 11. Jänner besuchte sie ihn gleich am Morgen, um den Alkoholspiegel nach der Nacht wieder aufzufüllen, schilderte die Verteidigerin, die übrigens schon vor der Tat die Erwachsenenvertreterin der Frau war. Sie beschrieb die Beschuldigte als schwere Alkoholikerin, die täglich mehr als drei Promille intus hat, aber sie sei eine "liebe Alkoholikerin". Zum späteren Opfer habe sie ein gutes Verhältnis gehabt, er sei ihr bester Freund gewesen. Für den Alkohol habe sie ihn sexuell befriedigt, so die Anwältin.

"Keine genaue Erinnerung"

Die Slowakin, die aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, antwortete zu Beginn ihrer Befragung Richter Peter Wilhelm ruhig: "Ich übernehme Verantwortung, aber ich habe keine genaue Erinnerung an den Vorfall." Sie bestätigte die Angaben ihrer Verteidigerin, wonach sie ihrem Freund sexuelle Dienste erwies, weil er stets den Alkohol finanzierte. Sie habe das eigentlich nicht gewollt: "Ich sagte ihm, er soll sich eine Freundin suchen. Aber er sagte, er habe ja mich." Manchmal habe sie sich auch geweigert, er sei dann aber nicht böse gewesen.

Zeugen zufolge soll es aber öfter Streit zwischen den beiden gegeben haben - so auch am 11. Jänner. Zunächst soll das spätere Opfer die Frau seiner Wohnung verwiesen haben, doch sie kochte für ihn bei ihr zu Hause und brachte ihm dann das Mittagessen. Gemeinsam wurde gegessen. Das sei das letzte, woran sie sich erinnern könne, sagte sie am Donnerstag vor den Geschworenen. Sie erinnere sich erst wieder daran, als ihr Freund blutend am Boden lag: "Ich fragte ihn, was passiert sei, aber er antwortete nicht." Daher wählte sie den Notruf.

Lungenstich "tut mir leid"

Kurz vor Mittag meinte sie dann, dass sie sich doch daran erinnert, auf ihren Freund eingestochen zu haben. "Warum?", fragte der Richter. "Ich weiß es nicht." Dem Gutachten zufolge hatte sie mit der zwölf Zentimeter langen Klinge wuchtig zugestochen. Das Messer drang rund zehn Zentimeter tief ein - bis in die Lunge. Das Opfer verblutete innerlich. "Es tut mir leid", sagte die Beschuldigte.

Danach wurden mehrere Notrufe vorgespielt, die die Beschuldigte abgesetzt hatte. Darin schilderte sie unter Tränen, dass ihr Bekannter am Boden liegt und überall Blut sei. "Er ist schon tot, er ist schon kalt", sagte sie am Notruf mit verzweifelten Stimme.

Aufgrund des Geständnisses wurde auf die Befragung der 15 geplanten Zeugen verzichtet. Ein Urteil wird daher wohl noch am Donnerstag fallen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam