APA - Austria Presse Agentur

Land Niederösterreich rettet Ötscher-Lifte

03. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Die niederösterreichische Landesregierung kauft die Ötscher-Lifte. Das Skigebiet in Lackenhof soll mit dem Hochkar fusionieren.

Nachdem am vergangenen Freitag überraschenderweise das Aus für die Ötscher-Lifte bekanntgegeben wurde, übernimmt nun das Land Niederösterreich, wie  Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Sportlandesrat Jochen Danninger (beide ÖVP) am Freitag bekanntgaben.

Das Land Niederösterreich übernimmt nun das Hochkar und will es mit Lackenhof fusionieren. So soll der Betrieb in Lackenhof für die kommenden zwei Jahre gesichert werden, wie Mikl-Leitner erklärt. Die Kosten für die Übernahme belaufen sich auf zwei Millionen Euro, plus eine Million Euro für die Herbergen in der Region.

Das Land übernimmt dafür die Mehrheitsanteile der Schröcksnadel-Gruppe an den Skigebieten Hochkar und Ötscher. Durch die Sicherstellung des Betriebs würde die Region Zeit gewinnen, um neue Konzepte für den Tourismus in Lackenhof zu erarbeiten und umzusetzen, sagte die Landeshauptfrau bei der Pressekonferenz am Freitag. Das Aus von Seiten der Schröcksnadel-Gruppe sei "verständlich" gewesen. "Tatsache ist, dass das Gästeaufkommen in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist." Dies sei durch den "Ausblick auf eine wirtschaftlich schwierige kommende Wintersaison" noch verstärkt worden, erklärte Mikl-Leitner.

Start des Skibetriebs bei passender Wetterlage

Der Skibetrieb in Lackenhof (Bezirk Scheibbs) soll starten, sobald es die Wetterbedingungen zulassen, sagte Sportlandesrat Jochen Danninger (ÖVP). "Finanziell war die letzte Saison - auch wegen Corona - mit weniger als 47.000 Gästen wirtschaftlich ein wahrliches Desaster", sagte Danninger. Einige Jahre zuvor habe der Ort noch 150.000 Eintritte verzeichnet. Eine gemeinsam mit der Schröcksnadel-Gruppe ausgearbeitete Fusion sei vom Unternehmen abgesagt worden, weil sich die Lage auch aufgrund der Pandemie nicht entspannt habe.

"Es braucht ein Angebot, das Gäste zu allen Jahreszeiten in die Region lockt", betonte Danninger und nannte als Beispiele Trail Running, Wandern und Tourenskigehen. Dazu brauche es auch die Initiative aus der Gemeinde. 

"Region unnötig in Schwierigkeiten gebracht"

LHStv. Franz Schnabl (SPÖ) zeigte sich erfreut die Übernahme, betonte aber: "Die Mehrheitspartei hat hier unnötig eine Region in massive Schwierigkeiten gebracht." Dass die Absicherung für zwei Jahre - also bis ins Landtags-Wahljahr 2023 - besteht, "ist mehr als durchschaubar und lässt alle Alarmglocken schrillen", meinte der SPÖ-Landesparteichef: "Wir werden sehr genau darauf schauen, dass in dieser Zeit tatsächlich auch - mit vollem Einsatz des Landes Niederösterreich - eine nachhaltige Sommer- und Winter-Erlebnisdestination entsteht."

"Heute kann eine ganze Region aufatmen. Wir haben es geschafft. Die Ötscherlifte sind gerettet", reagierten FPÖ-Landesparteichef Udo Landbauer und FPNÖ-Wirtschaftssprecher LAbg. Reinhard Teufel in einer Aussendung. Landbauer verwies auf die Initiative von Freiheitlichen und Sozialdemokraten, die eine Übernahme der Liftanlagen durch das Land gefordert hatten. Auf Antrag der beiden Parteien war zuletzt ein Sonderlandtag mit dem Thema "Erhalt des Skigebietes in Lackenhof am Ötscher" für 9. Dezember einberufen worden.

Lackenhof sei in den vergangenen Jahren "unter seinem Wert geschlagen worden", meinte Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ): "Die nunmehrigen Pläne sind ein Signal für das gesamte Ötscherland und eröffnen der regionalen Wirtschaft in Lackenhof und Umgebung eine wichtige Perspektive." Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ), betonte in einer Aussendung: "Die Weiterführung des Skigebiets Lackenhof ist ein wichtiger Schritt für die Arbeitnehmer und alle Unternehmen in der Region." Laut Helmut Hofer-Gruber, Wirtschaftssprecher der NEOS NÖ, wird die am Freitag verkündete Lösung nur einen kurzfristigen Effekt haben: "Letzten Endes wird nun viel Steuergeld für ein Problem fließen, das vom Land Niederösterreich über Jahre ignoriert wurde."

Quelle: Redaktion / apb