Kuchl "überraschend" unter Quarantäne: Was das für die 7.450 Bewohner bedeutet

16. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Die Gemeinde Kuchl im Tennengau wird unter Quarantäne gestellt - was das für die Gemeinde heißt und wie Bürgermeister und Bevölkerung reagiert.

Es ist die erste Quarantäneverordnung für eine gesamte Gemeinde in diesem Corona-Herbst: Kuchl im Tennengau. Sie liegt in einem der vier Bezirke, die seit Freitag auf der Corona-Ampel rot aufleuchten. Bereits am Donnerstag verkündete das Land Salzburg die Maßnahme, gelten soll sie ab Samstag, 17. Oktober, bis vorerst 1. November.

Was heißt das jetzt für Kuchl?

In Kuchl wird die Ein- und Ausreise untersagt, Ausnahmen gibt es nur mehr für die Versorgung mit Lebensmitteln oder Heizmaterial, für Einsatzfahrzeuge und für Pendler, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Innerhalb der Gemeinde müssen Gastronomie und Hotellerie zusperren. Handels- und Dienstleistungsgeschäfte bleiben für Gemeindebürger offen. Zudem gelten Ausgangsbeschränkungen wie beim Lockdown im Frühjahr - mit den bekannten Ausnahmen Bewegung im Freien, Nachbarschaftshilfe und Einkäufe. Auch die beiden Fachhochschulen in Kuchl und Puch stellen auf "Distance Learning" um.

Bürgermeister überrascht

Die 7.450-Einwohner-Gemeinde dürfte dabei von der Quarantäne-Ankündigung des Landes weitgehend unvorbereitet getroffen worden sein. "Wir haben erst am Dienstag eine Verschärfung gehabt. Wir sind davon ausgegangen, dass diese Maßnahmen reichen und dass dadurch die Infektionszahlen nach unten gehen, äußert sich Bürgermeister Thomas Freylinger gegenüber PULS 24.

Warum die Quarantäne?

Die Gesundheitsbehörden konnten zuletzt nur mehr einen kleinen Teil der Infektionsketten im Ort lückenlos rückverfolgen. Bekannt ist, dass einige Ansteckungen unter anderem auf eine Benefizveranstaltung in Kuchl zurückzuführen sein dürften. Aber auch mehrere Mitarbeiter einer Firma sind erkrankt, im Seniorenheim waren zuletzt 15 Bewohner und Mitarbeiter infiziert.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 352,8 Fällen je 100.000 Einwohner (Stand: Mittwoch, 14.00 Uhr) nahm der Tennengau österreichweit mit deutlichem Abstand die unrühmliche Spitzenposition ein.

Schuld einzelner Bürger?

Die Zuspitzung der Situation in Kuchl und im Tennengau dürfte zum Teil auch einer gewissen Ignoranz einzelner Bürger gegenüber den bisherigen Maßnahmen zurückzuführen sein. "Wir haben in Kuchl keine Cluster mehr feststellen können", sagte Landessanitätsdirektoren Petra Juhasz am Donnerstag. "Es gab beim Angeben möglicher Kontaktpersonen von Infizierten keine Kooperation mehr. Viele haben Symptome, lassen sich aber nicht testen, um nicht in Quarantäne zu müssen." In sozialen Medien werde sogar dazu aufgerufen, unkooperativ zu sein und sich nicht an die Maßnahmen zu halten.

Haslauer: Entwicklung ist dramatisch

"Die Entwicklung ist dramatisch", sagte Landeshauptmann Wilfred Haslauer bei einer Pressekonferenz. Die Zahl der Neuinfektionen im Land sei zuletzt teilweise auf mehr als 130 pro Tag hinaufgeschnellt - das sei mehr als im Frühjahr. Vor nicht ganz zwei Wochen lag die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner im Bundesland noch bei rund 30, laut AGES erreichte sie mit gestern Nachmittag bereits einen Wert jenseits der 100. "Wir sehen die unbedingte Notwendigkeit Maßnahmen zu setzen, um nicht in einen weiteren Lockdown zu gehen", so Haslauer.

Kurz begrüßt Maßnahmen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat die erlassenen Maßnahmen Salzburgs begrüßt. Haslauer sei "hier aktiv" geworden und habe "schnell und restriktiv" gehandelt, sagte Kurz in Brüssel. Kurz appellierte erneut an "alle anderen sehr betroffenen Bundesländern" auch Maßnahmen zu setzen, "damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät". Sie sollten dem Beispiel Haslauers folgen, so der Bundeskanzler.

Hotline der AK Salzburg

Die Arbeiterkammer Salzburg hat am Donnerstagnachmittag eine Hotline für jene 4.000 Beschäftigte eingerichtet, die wegen der über Kuchl verhängten Quarantäne ab Samstag nicht mehr zur Arbeit ein- oder Auspendeln können. Unter der Telefonnummer 0662/8687-96 können sich Arbeitnehmer zu allen Fragen rund um Entgeltfortzahlung sowie Rechte und Pflichten von Beschäftigten in der Ausnahmesituation informieren. "Es ist klar geregelt, dass hier die Entgeltfortzahlung durch die Betriebe geleistet werden muss", erklärte AK-Präsident Peter Eder.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe