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Keine höhere Brandgefahr durch Elektroautos

10. Mai 2022 · Lesedauer 5 min

Jedes 25. Auto auf Österreichs Straßen ist mittlerweile ein Fahrzeug mit Elektro - oder Hybrid-Antrieb, 213.513 derartige Fahrzeuge waren Ende 2021 zugelassen. Elektroautos haben keine erhöhte Brandgefahr, betonten Experten bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

Von 1.800 Fahrzeugbränden im Jahr 2021 hatten nur zwei alternative Antriebe. Gerät ein Elektroauto in Brand, ist allerdings die Löschung komplexer, benötigt mehr Wasser und auch deutlich mehr Zeit. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat eine Studie zum Brandrisiko Elektroauto erstellt und dafür auch mit zahlreichen Experten gesprochen. "Insgesamt wurde die Brandgefahr relativiert, weil Brände nicht immer vom Akku ausgehen", sagte Armin Kaltenegger, Leiter des Forschungsbereichs Eigentumsschutz im KFV.

Laut einer finnischen Studie ist bei Elektroautos von einer Häufigkeit von 0,4 Bränden je 10.000 E-Pkw auszugehen, bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren sind das 4,3 Brände pro 10.000 konventionell angetriebenem Pkw, erläuterte Günther Schwabegger, Mitglied des Vorstandes der Brandverhütungsstelle (BVS) für Oberösterreich. Er wies aber darauf hin, dass E-Autos jünger sind. Mehr als ein Drittel der aktuellen Elektroautos in Österreich wurden 2021 gekauft. "Zwischenfälle, Verschleiß und Materialermüdung kommt mit dem Alter. Wir müssen davon ausgehen, dass aufgrund der Alterung die Elektroautos bei der Brandstatistik aufholen werden", sagte Schwabegger.

E-Autos bei Unfallbränden gleich gefährdet wie Verbrenner

"Grundsätzlich sind batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge bei sogenannten Unfallbränden nicht mehr oder weniger gefährlich als Autos mit Verbrennungsmotoren, weil sie auch den gleichen Sicherheitsstandards genügen müssen", sagte Kaltenegger. Eine KFV-Umfrage unter 1.000 Befragten aus dem Vorjahr zeigt, dass sich in der Bevölkerung hartnäckig das Bild des E-Autos als rollende Feuergefahr hält. So empfinden 41 Prozent der Befragten E-Autos für unsicher.

Auch wenn über zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) die hohen Anschaffungskosten und die geringe Reichweite als Argumente gegen den Kauf eines E-Autos anführen, nennt immerhin ein Fünftel (22 Prozent) der Österreicher Angst vor einem Autobrand als Beweggrund gegen die Kaufentscheidung. Über ein Drittel der vom KFV befragten Bevölkerung (35 Prozent) macht sich große Sorgen wegen möglicher Schäden durch E-Auto-Brände. Auffallend ist auch, dass ältere Menschen Elektro-Fahrzeuge gefährlicher finden als jüngere, sagte Kaltenegger. Statistisch nachweisbar sind diese Ängste nicht.

"Grundsätzlich kann nie vollständig ausgeschlossen werden, dass sich ein Fahrzeug aufgrund eines Defektes selbst entzündet - das gilt für alle Antriebsarten", erklärte. Schwabegger. "Bei den Brandursachen besteht eine sehr hohe Deckungsgleichheit zwischen E-Autos und konventionell betriebenen Fahrzeugen. Meist handelt es sich um technische Defekte bei den Elektronikbauteilen oder im Bereich der Verkabelung. Auch Überhitzung kann bei E-Autos wie bei 'Verbrennern' zur Brandentstehung führen", erläuterte der Experte.

Sowohl die rein elektrisch betriebenen Autos (BEV, Battery Electric Vehicle) als auch Hybridfahrzeuge (PHEV, Plug-in Hybrid Electric Vehicle) sind mit einer Hochvoltbatterie für den Antrieb und einer "herkömmlichen" 12-Volt-Batterie für den Betrieb der Elektronik und aller anderen Elektrobauteile wie etwa der Beleuchtungsanlage oder der Fensterheber ausgestattet.

Die Ähnlichkeit der Niedervolt-Anlagen ist auch ein Grund dafür, weshalb E-Auto-Brände sich in den Ursachen und in den Auswirkungen deutlich weniger von den Bränden fossil betriebener Fahrzeuge unterscheiden als vielfach angenommen.

Hochvolt-Batterien selten Brandursache, aber gefährlich bei Unfall

Die Hochvolt-Akkus von Elektrofahrzeugen sind hingegen nur in den seltensten Fällen der Ausgangspunkt eines Fahrzeugbrandes und im Regelfall auch nicht davon betroffen. "Eine Beschädigung der leistungsstarken Batteriepacks stellt natürlich einen besonders kritischen Fall im Unfallgeschehen dar und wird daher durch die Konstruktion des Fahrzeuges so weit wie möglich ausgeschlossen", erklärte Schwabegger: "Die Autohersteller betreiben einen sehr hohen Aufwand, um die meist im Unterboden der Fahrzeuge platzierten Akkus vor Deformation zu schützen. Liegt im System ein Defekt vor oder registriert die Crash-Sensorik einen Aufprall, wird zudem der Stromfluss unterbunden. Dies alles führt dazu, dass die Hochvolt-Akkus von Elektroautos nur selten von einem Brand betroffen sind, beziehungsweise selbst in Brand geraten."

Gerät die Hochvolt-Batterie jedoch in Brand, dauert es deutlich länger sie zu löschen oder vor Wiederentzündung zu schützen. Ein in Vollbrand stehendes Auto auf einer Freilandstraße kann in ungefähr 20 Minuten gelöscht werden, bei einem Elektro-Auto kann das mehrere Stunden dauern, sagte Schwabegger. Lithium-Ionen-Akkus müssen mit Wasser gelöscht werden. "Bei einem Feuer wird die Energie vor allem im Inneren des Akkus freigesetzt, wo der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle überspringt. Um diesen zu löschen, hilft nur kühlen. Damit das gelingt, benötigt man in der Regel mehr Wasser als gewöhnlich - und da dieses kaum in das Batteriegehäuse eindringt, ist das Löschen eines E-Autos mit einem größeren Zeitaufwand verbunden."

Für die Feuerwehr sind die gut geschützten Akkus im Brandfall ein Problem und benötigt zusätzliche Anforderungen, sagte Schwabegger. Die entsprechende Ausrüstung hat nicht jede kleine Feuerwehr, in Alarmplänen ist jedoch festgehalten, dass beispielsweise jede fünfte in einem gewissen Umkreis das Equipment für die Löschung von brennenden Elektro-Autos bzw. Batterien hat. Seit einer Gesetzesnovelle im Jahr 2020 können Feuerwehren nach Verkehrsunfällen auf technische Fahrzeugdaten in der zentralen Zulassungsevidenz zugreifen. Das ermöglicht eine Verbesserung der Einsatzkette, sagte Kaltenegger. In den Daten sind beispielsweise auch Pläne enthalten, wo genau sich die Hochvoltstromleitung bei Elektro-Fahrzeugen befindet.

Quelle: Agenturen