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Marsalek stimmte Aussagen seiner Helfer aus Versteck ab

16. Feb. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Ex-Wirecard-Finanzvorstand Jan Marsalek konnte bei seiner Flucht unter anderem auf Mithilfe eines Ex-BVT-Mitarbeiters sowie eines Ex-FPÖ-Abgeordneten zählen. Auch nach seiner Flucht bleib er in Kontakt und koordinierte Aussagen, wie aus dem Ermittlungsakt hervorgeht.

Seit Juni 2020 ist der Ex-Finanzvorstand des Zahlungsanbieters Wirecard auf der Flucht. Die letzte bekannte Etappe seiner Flucht war ein Flug von einem Privatflughafen bei Wien nach Minsk am 19. Juni, dann verlor sich seine Spur. Er wird aktuell in Moskau vermutet.

Auch nach seinem Untertauchen blieb er aber offenbar über Monate mit Komplizen in Kontakt - darunter auch mit Martin W., einem ehemaligen BVT-Abteilungsleiter, über den sich Marsalek zuvor mehrmals Zugang zu vertraulichen Personendaten verschafft haben soll. W. soll Marsalek am Tag vor seiner Flucht zu einem Abendessen in Wien getroffen haben.

Im September 2020 soll er W. beispielsweise per Chatnachricht Instruktionen für dessen Aussage bei der Staatsanwaltschaft gegeben haben, berichtet die "Presse": "Laut Sabine (Marsaleks Assistentin, die beim Abendessen dabei war, Anm.) hast du sie angerufen und nicht anders rum. (...) Du hattest sie dann gebeten, ein Lokal auszusuchen. Im Prinzip ist die Reihenfolge relativ egal, aber das hat sie bereits so der Sta gesagt", schrieb er demnach. Er wollte offenbar die Aussagen abstimmen. Zudem soll er W. davon abgeraten haben, bestimmte Geschäftsprojekte oder Treffen mit einem Kronzeugen zu verschweigen.

Neue Details zur Fluchthilfe

Aus dem Ermittlungsakt gehen laut Bericht auch neue Details zur Fluchthilfe des Ex-FPÖ-Abgeordneten Thomas Schellenbacher hervor. Dieser war nachweislich schon viele Stunden vor Marsaleks Abflug am Flughafen. Er begründet das bei seiner Beschuldigtenvernehmung damit, dass er Marsalek den Flughafen aus Werbegründen zeigen wollte. Die Staatsanwaltschaft vermutet eher, dass er dafür sorgen sollte, dass die Luft rein ist, zitiert die "Presse" aus dem Ermittlungsakt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Schellenbacher machte etliche Aufnahmen vom Flughafen und der dortigen Polizeidienststelle. "Zufällig" waren dann auch beide Grenzpolizisten gerade nicht auf ihrem Posten, als Marsalek in den Flieger eincheckte. Schellenbacher gibt an, dass er diese Fotos nicht gemacht habe, um Marsalek zu warnen. Der Ex-Abgeordnete sitzt derzeit wegen anderer Delikte im Gefängnis.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos