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Israel im Krieg: Erste Ausschreitungen nach Hamas-Aufruf

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Die Hamas hat für Freitag weltweit zu Protesten, Ausschreitungen und Angriffen gegen Israel aufgerufen. In Ägypten, dem Iran, Irak, Jordanien und Pakistan gab es bereits Massendemonstrationen. Frankreich meldet einen tödlichen Messerangriff, in Linz wurde eine Israel-Flagge zerschnitten. Israel rief seine Bürger:innen zur Vorsicht auf.

Nachdem der frühere Hamas-Führer Chaled Maschaal nach dem Angriff auf Israel weltweit Muslime aufgefordert hatte, sich dem "Kampf gegen Israel" anzuschließen und eine "Botschaft der Wut" zu übermitteln, herrschte am Freitag die Sorge vor möglichen Ausschreitungen und Gewalt gegen Juden und jüdische Einrichtungen.

Warnung an israelische Staatsbürger

Der Zentralrat der Juden in Deutschland konnte Drohungen nicht verifizieren, warnte aber vor Trittbrettfahrern oder Einzeltäter und warnte israelische Staatsbürger im Ausland: "Es ist davon auszugehen, dass es in verschiedenen Ländern zu Protestveranstaltungen kommen wird, die in Gewalt umschlagen können", heißt es vom israelischen Außenministerium und dem Nationalen Sicherheitsrat des Landes. "Es besteht eine abstrakt erhöhte Gefährdungslage", erklärte der Zentralrat. "Wir sind im ständigen Austausch mit den Sicherheitsbehörden, die die Sicherheitslage für Juden in Deutschland sehr ernst nehmen."

Schutz jüdischer Einrichtungen verstärkt

Zum Schutz vor Angriffen verstärkten bereits einige Metropolen und Staaten den Schutz von jüdischen Einrichtungen. London beispielsweise stellt 3,5 Millionen Euro zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung. Nach Angaben des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) haben die 16 Bundesländer den Schutz jüdischer Einrichtungen noch einmal erhöht. Österreich schließt eine Verstärkung der Schutzmaßnahmen nicht aus.

Vorfälle in Deutschland

In Deutschland wurden für Berlin und Frankfurt angemeldete propalästinensische Demonstrationen zwar verboten, trotzdem kam es zu Vorfällen. In der Haupstadt warfen Vermummte Molotowcocktails auf einen Polizeiwagen. Laut Polizei vernahmen Einsatzkräfte dabei "Allahu akbar"-Rufe. Auch in Hamburg und München wird mit heftigen Protesten gerechnet.

Österreich

Nach der untersagten Demonstration am Mittwoch wurde für Samstag erneut eine propalästinensische Demonstrationen für Samstag angemeldet. Schon in der Nacht auf Donnerstag wurde in Linz die Israel-Fahne vor dem Alten Rathaus zerschnitten. In der Nacht auf Freitag wurden die Täter ausgeforscht und angezeigt. Es handelt sich laut "Kurier" um zwei syrische Burschen, 14 und 16 Jahre alt. Vor der Linzer Synagoge sind schon seit Tagen Polizisten abgestellt. 

USA

Auch in den USA kündigte die Polizei an, dass sie nach dem Hamas-Aufruf verstärkt patrouillieren werde. Laut Eric Adams, Bürgermeister von New York, gebe es zwar keine glaubwürdige Drohung gegen die Stadt, allerdings eine geplante Großdemonstration auf dem Times Square. Die New Yorker sollen "wachsam bleiben".

In Washington würden die Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Kapitolskomplex erhöht werden. In den USA blieben am Freitag einige Schulen geschlossen.

Ägypten, Iran, Irak, Jordanien, Pakistan

In Ägypten protestierten Gläubige nach dem Freitagmittagsgebet in der Al-Azhar-Moschee in Kairo. Ägypten schloss 1979 als erstes arabisches Land einen Friedensvertrag mit Israel. Kairo hat in früheren Konflikten zwischen Palästinensern und Israel vermittelt.

Im Iran, in Irak und in Jordanien haben am Freitag tausende Menschen ihre Unterstützung für die Palästinenser kundgetan. In der iranischen Hauptstadt Teheran schwenkten Demonstranten die iranische, die palästinensische und die Hisbollah-Flagge und hielten Transparente mit Aufschriften wie "Nieder mit Amerika" und "Nieder mit Israel", wie ein AFP-Reporter berichtete.

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Auch in Jordanien und im Irak gingen Tausende Unterstützer der Palästinenser auf die Straße. In der irakischen Hauptstadt Bagdad skandierten die Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz Slogans wie "Nein zur Besatzung! Nein zu Amerika!". Wie ein AFP-Reporter berichtete, schwenkten viele von ihnen irakische und palästinensische Flaggen und traten auf einer auf dem Boden liegenden Israel-Flagge herum.

In Jordanien hielten Sicherheitskräfte Demonstranten mit Tränengas davon ab, das Grenzgebiet zum palästinensischen Gebiet im Westjordanland zu erreichen. Demonstranten versammelten sich am Freitag auch im Zentrum von Amman und anderen Provinzen des Königreichs, um ihre Solidarität mit Gaza auszudrücken.

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Zu den Protesten "zur Unterstützung von Gaza" und gegen Israel aufgerufen hatte der radikale irakische Schiitenführer Moqtada al-Sadr. Der einflussreiche Geistliche gehört zwar der Opposition im Irak an, die pro-palästinensischen Proteste werden jedoch ausdrücklich von der irakischen Regierung gutgeheißen.

Auch in Pakistan sind Zehntausende Menschen aus Solidarität mit den Palästinensern auf die Straßen gezogen. Bei landesweiten Kundgebungen schwenkten Demonstranten palästinensische Flaggen und skandierten Protestslogans gegen Israel, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Hisbollah: "Werden angreifen"

Die libanesische Schiitenorganisation Hisbollah bekräftigte unterdessen ihre Kampfbereitschaft. Vor Hunderten Anhängern sprach der stellvertretende Generalsekretär der Organisation, Naim Ghassem, der islamistischen Hamas am Freitag seine Unterstützung aus. "Wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist, werden wir sie ergreifen", sagte Ghassem. "Wir befinden uns in einer Zeit der Siege und nicht in einer Zeit der Niederlagen."

Terror in Frankreich

Ein 20-jähriger ehemaliger Schüler stach in einer Schule im nordfranzösischen Arras bei einem mutmaßlich terroristisch motivierten Angriff am Freitag einen Lehrer nieder und tötete ihn. Zwei Menschen - ein weiterer Lehrer und eine Aufsichtsperson - seien bei dem Angriff schwer verletzt worden, hieß es am Freitag in Polizeikreisen. Schülerinnen oder Schüler seien nicht verletzt worden. Der mutmaßliche Attentäter soll auf einer Liste mit Personen, die als Sicherheitsrisiko im Zusammenhang mit radikalem Islamismus gelten, geführt worden sein. Ob es einen Zusammenhang mit dem Hamas-Aufruf gibt, ist derzeit nicht bekannt.

ribbon Zusammenfassung
  • Die Hamas hat für Freitag weltweit zu Protesten, Ausschreitungen und Angriffen gegen Israel aufgerufen.
  • Im Iran, Irak, Jordanien und Pakistan gab es bereits Massendemonstrationen.
  • Frankreich meldet einen tödlichen Messerangriff.
  • Israel rief seine Bürger:innen zur Vorsicht auf.