Interesse an Affenpocken-Impfung übertrifft in Wien Angebot

14. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Rund 1.500 Personen, die sich in der Bundeshauptstadt für eine Affenpocken-Impfung vormerken haben lassen, benötigen noch einen Impftermin. Am Freitag gab es allerdings nur mehr 54 freie Termine, und die Stadt Wien ging davon aus, dass diese bis zum Freitagabend vergeben sein werden. Damit wäre Wien in Bezug auf das prä-expositionelle Impfen gegen die Affenpocken (Monkeypox, MPX) vorerst "ausgebucht".

Die Stadt Wien wird daher noch am Freitag beim Bund weitere 1.200 Impfdosen bestellen, um 600 zusätzliche Impftermine freischalten zu können. "Sobald die Zusage da und der Impfstoff auch ausgeliefert ist, können wir konkret kommunizieren, ab wann die neuen Impfungen und die Anmeldungen dafür starten", teilte das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mit.

Insgesamt haben sich in Wien bisher 3.345 Personen für eine Affenpocken-Impfung vormerken lassen. 1.222 Personen sind bereits prä-expositionell geimpft, haben sich also vorsorglich gegen eine Infektion geschützt. 88 Prozent der Erstgeimpften benötigen auch eine zweite Impfung.

Von den rund 1.500 Personen, die ihr Interesse bekundet haben, aber noch ohne Impftermin waren, haben sich 35 Prozent als Angehörige einer Risikogruppe deklariert. "Das zeigt, dass der Erlass des Gesundheitsministers die Leute de facto zur Offenlegung höchstpersönlicher Details aus ihrem Privatleben gegenüber einer Behörde zwingt", hieß es dazu aus dem Hacker-Büro. Die Bereitschaft dazu halte sich aus nachvollziehbaren Gründen aber in Grenzen - immerhin 48 Prozent hätten in ihrer Vormerkung keine Angaben bezüglich ihres Risikos gemacht.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hatte am vergangenen Montag bekanntgegeben, dass 98 Prozent der knapp 25.000 in Europa behördlich bestätigten Affenpocken-Fälle Männer betrafen. Von jenen Betroffenen, die sich zu ihrer sexuellen Orientierung bekannten, hatten 96 Prozent gleichgeschlechtliche Kontakte. Ein Deklarieren zu einer Risikogruppe den Gesundheitsbehörden gegenüber kommt also de facto einem "Outing" gleich, was die sexuellen Präferenzen betrifft, falls der Betroffene nicht gerade im Gesundheitsbereich oder in einem Speziallabor arbeitet. Für diese Personengruppen wird neben Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten und wechselnden Partnern vom Nationalen Impfgremium ebenfalls das prä-expositionelle Impfen gegen die Affenpocken empfohlen.

"Wir werden nichtsdestotrotz einen Aufruf starten, dass sich jene, die sich noch nicht zugeordnet haben, das entweder in die eine Richtung - keine Risikogruppe - oder in die andere Richtung - Risikogruppe tun. Denn das ist die Grundlage für unsere weiteren Planungen und Impfstoffbestellungen beim Bund", erklärte dazu ein Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats.

In Österreich sind laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bisher 320 behördlich bestätigte Affenpocken-Fälle aufgetreten (Stand Freitag, 14. Oktober). Davon wurden mit 234 Infektionen mit Abstand die meisten in Wien registriert - insofern kaum verwunderlich, als die 1,9 Millionen-Stadt eine starke LGBTIQ+Community besitzt. Aktive Fälle gibt es in der Bundeshauptstadt derzeit elf.

Quelle: Agenturen