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"Deutlich unterschätzt"

Trotz Angebot: Viele Österreicher gegen Influenza-Impfung

07. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Die Influenza-Impfung kommt in Österreich nicht voran. Auch wenn es zur Grippesaison 2020/2021 wegen der gleichzeitigen Covid-19-Pandemie zu einem Anstieg der Zahl der Impfungen kam, wurde seither wieder ein deutlicher Rückgang registriert.

Wiener Sozialmediziner haben die Daten für den Zeitraum zwischen 1982 und 2023 analysiert. "Trotz umfassender Impfempfehlungen wird die Grippeimpfung von der österreichischen Bevölkerung und vielen Bereichen des Gesundheitssystems weiterhin deutlich unterschätzt", fassten die Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze (MedUni Wien) und ihre Co-Autoren vor kurzem ihre Analyse in "Frontiers in Public Health" lapidar zusammen.

An sich wäre der Schutz gegen die Influenza, besonders gegen schwere Krankheitsverläufe, durch die jährliche Impfung sprichwörtlich mehr als bloß empfehlenswert. 

1.300 Todesfälle pro Jahr in Österreich

"Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht die saisonale Grippe jährlich weltweit etwa eine Milliarde Infektionen, wobei drei bis fünf Millionen Fälle als schwer eingestuft werden und 290.000 bis 650.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen auftreten", stellten die Wissenschafter fest.

Eine aktuelle systematische Literaturübersicht schätze die Zahl schwerer Erkrankungen (Krankenhausaufenthalte) weltweit auf 3,2 Millionen pro Jahr. 

Innerhalb der Europäischen Union/des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) träten jährlich rund 50 Millionen symptomatische Influenza-Erkrankungen auf, die 15.000 bis 70.000 Todesfälle zur Folge hätten. 

In Österreich verursache die saisonale Grippe schätzungsweise 350.000 bis 400.000 Infektionen und etwa 1.300 Todesfälle pro Jahr (zwischen 360 und 4.000). Grippebedingte Todesfälle zählen somit zu den häufigsten durch Impfung vermeidbaren Todesursachen in Österreich.

Österreicher:innen entscheiden sich mehrheitlich gegen Influenza-Impfung

Sowohl die historischen als auch die aktuellen Impfdaten zeichnen dazu im Vergleich für Österreich ein ziemlich niederschmetterndes Bild. Trotz im europäischen Vergleich sehr umfassender Impfempfehlungen zur Influenza, zähle Österreich mit Impfraten von nur rund zehn Prozent auf die Allgemeinbevölkerung gerechnet zu den Ländern mit dem geringsten Schutz.

Die Wissenschafter haben sich die Zahlen über 40 Jahre hinweg angesehen. Zunächst zeigte sich, "dass die Inanspruchnahme des Grippeimpfstoffs zwischen 1982 und 2003 deutlich zunahm. 

Ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau von 20 Dosen pro 1.000 Einwohner stieg sie auf 127 Dosen pro 1.000 Einwohner. Die höchste Impfquote wurde in der Saison 2006/07 mit 142 Dosen pro 1.000 Einwohner verzeichnet. 

Ab der Saison 2007/08 ging die Impfquote ständig zurück, bis 2011 auf 81 Dosen pro 1.000 Einwohner, gefolgt von einem weiteren Rückgang auf nur noch 62 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2015/16", schrieben die Wissenschafter.

"Ausreißer Covid-19"

In den folgenden Jahren war wieder ein leichter Anstieg auf bis zu 85 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2019/20 zu verzeichnen. Dann kam der "Ausreißer" rund um Covid-19.

Ursula Kunze und ihre Co-Autoren ":Die Saison 2020/21 war bemerkenswert, da sich die Anzahl der verabreichten Dosen auf 221 Dosen pro 1.000 Einwohner mehr als verdoppelte. 

Dies war das erste Jahr der Covid-19-Pandemie und das erste Jahr, in dem umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit für die Grippeschutzimpfung durchgeführt wurde. Dieser 'Covid-19-Effekt' war jedoch nur von kurzer Dauer, da die Anzahl der Dosen in den folgenden Saisons wieder sank (auf 168 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2021/22, 136 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2022/23 und 133 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2023/24)." Die aktuelle Impfquote von 13 Prozent zähle somit weiterhin zu den niedrigsten weltweit.

Selbst deutliche Anstrengungen offizieller Stellen zur Propagierung der Influenza-Impfung haben laut den Experten bisher kaum Erfolg gezeigt: "Die erstmalige Durchführung landesweiter öffentlicher Impfprogramme in der Saison 2023/24 führte nicht zu einem messbaren Anstieg der Impfraten." Der Zeitraum von 1982 bis 2023 sei, was diese Impfung betreffe, durch "Jahrzehnte anhaltender Ignoranz und Verweigerung" gekennzeichnet gewesen.

Video: Fast 300.000 krank: "Normaler Grippe-Welle-Verlauf"

Zusammenfassung
  • Die Influenza-Impfquote in Österreich zählt mit aktuell nur 13 Prozent zu den niedrigsten weltweit und blieb trotz umfassender Empfehlungen und öffentlicher Impfprogramme auf niedrigem Niveau.
  • Während der Covid-19-Pandemie 2020/21 verdoppelte sich die Impfquote kurzfristig auf 221 Dosen pro 1.000 Einwohner, fiel in den darauffolgenden Saisonen aber wieder deutlich ab und lag zuletzt bei nur noch 133 Dosen pro 1.000 Einwohner.
  • Jährlich verursacht die saisonale Grippe in Österreich rund 350.000 bis 400.000 Infektionen und etwa 1.300 Todesfälle, wobei grippebedingte Todesfälle zu den häufigsten durch Impfung vermeidbaren Todesursachen zählen.