APA - Austria Presse Agentur

In Wiener Keller gefundene Frau wurde erstickt

01. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

In Wien-Brigittenau wurde eine 60-jährige Frau am Dienstag tot in einem Keller gefunden. Die Todesursache ist nun geklärt. Sie wurde laut Obduktion erstickt. Angehörige der Frau machen der Polizei schwere Vorwürfe.

Die Polizei ging schon am Dienstag von Fremdverschulden aus. Die Obduktion bestätigt nun diesen Verdacht. "Tod durch Ersticken", berichtete Polizeisprecher Markus Dittrich der APA am Mittwoch. "Das heißt, ein Fremdverschulden liegt vor. Dementsprechend werden die Ermittlungen weitergeführt." 

Nach dem 64-jährigen Lebensgefährten, der eine kanadische und iranische Staatsbürgerschaft besitzt, wird gefahndet. Es wird vermutet, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat, sein Auto wurde am Flughafen gefunden. Die Tochter hatte die 60-Jährige zuvor als vermisst gemeldet.

Kein Kontakt mehr: Tochter ging zu Polizei

Der Kontakt der 60-Jährigen mit ihrer 30-jährigen Tochter brach bereits am 19. November ab. Als die Frau zwei Tage später immer noch nichts von ihrer Mutter hörte, ging sie zur Polizei. Die Beamten fragten laut Polizeiangaben in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen, ob sich die 60-Jährige dort aufhalten würde. Auch ihr Umfeld und ihre Wohnung wurden durchsucht, aber alles brachte keine Erkenntnis, wo sich die Frau befand.

Die Angehörigen werfen den Beamten vor zu wenig und zu langsam ermittelt zu haben.

Polizeihund fand Leiche

Nachdem auch der Lebensgefährte nicht mehr erreicht werden konnte, wurde am Dienstag die Wohnung erneut mit einem Polizeihund untersucht. Der Hund führte die Ermittler schließlich in den Keller, wo die Frau leblos unter einigen Gegenständen vergraben lag. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Nach dem Lebensgefährten wird nun gefahndet. An der Wohnadresse des Paares hat es in der Vergangenheit keine polizeilichen Vorfälle gegeben. Auch wurden in der Wohnung keine Kampfspuren entdeckt. Es handelt sich laut einer Aufzählung der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser um den 30. Femizid in diesem Jahr.

Vorwürfe gegen Polizei

Wie der "Standard" berichtet, werfen Angehörige der toten Frau der Polizei vor, zu wenig und zu langsam ermittelt zu haben. Die Geschwister und der Cousin der Frau sollen teilweise selbst ermittelt haben. Anders als von der Polizei geschildert, seien die Verwandten schon am 19. November bei der Polizei gewesen, aber weggeschickt worden. Erst am 21. November wurde eine Vermisstenanzeige gestellt. Der Polizei seien Aussagen von Freunden der mutmaßlich Ermordeten vorgelegt worden, wonach die Frau von ihrem Lebensgefährten schon länger kontrolliert worden sein soll. Auch das Auto des Mannes sollen die Verwandten selbst am Flughafen entdeckt haben.

Akteneinsicht sei ihnen verweigert worden, da es keine Leiche gebe und sie sich deshalb nicht als Opferangehörige am Verfahren beteiligen könnten. Bis zu diesem Zeitpunkt habe die Polizei nicht im Kellerabteil nachgesehen, obwohl auch der Verdacht des Frauenmordes von den Verwandten angesprochen worden sein soll. Die Polizei bestreitet die Vorwürfe und verweist auf zahlreiche Ermittlungsschritte wie Handyortungen und Konteneinsicht.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa