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Illegale Raser-Szene: 800 bis 1.000 Mitglieder in Wien

12. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Groben Schätzungen der Polizei zufolge sind in Wien 800 bis 1.000 Menschen Mitglieder der sogenannten Roadrunner-Szene.

Laut Oberstleutnant Thomas Losko von der Landesverkehrsabteilung Wien geht es ihnen um das "Sehen und Gesehen-Werden" und darum, sein Fahrzeug so zu tunen, um damit größtmöglich aufzufallen". An entsprechenden Auspuffanlagen, überdimensionierten Reifen und Felgen, Heckflügeln und einem tiefergelegten Fahrwerk seien die Mitglieder der Szene zu erkennen.

Eine Maßnahme gegen illegale Straßenrennen war das "Raser-Paket". Damit wurden beispielsweise die Strafen von 70 auf 150 Euro bei plus 30 km/h nach oben gedrückt. Die Mindeststrafen bei noch höheren Vergehen (plus 40 km/h im Ort, 50 km/h Freiland) wurden von 150 auf 300 und die Höchststrafen von 2.180 auf 5.000 Euro angehoben. Zudem wird seit Beschluss der Führerschein doppelt so lange entzogen (einen Monat) und bei wiederholtem Vergehen drei Monate. Ab einer Überschreitung von 80 bzw. 90 km/h, wird die Fahrlizenz ein halbes Jahr abgenommen und der Beobachtungszeitraum auf vier Jahre verdoppelt.

Tödlicher Unfall am Wiener Ring

Erst am Sonntagabend ist es zu einem tödlichen Zwischenfall mit zwei Rasern am Wiener Ring gekommen, wobei eine unbeteiligte Frau getötet worden ist. Ein 26-Jähriger war mit seinem Fahrzeug am Schottenring bei Rot über eine Kreuzung gerast und gegen den Pkw der 48-jährigen Lenkerin geprallt, die daraufhin starb. Zeugen berichteten von einem Rennen zwischen dem 26-Jährigen und einem weiteren Pkw-Lenker.

"Wir versuchen zu klassischen Zeiten wie Samstagabend vier bis sechs Schwerpunktaktionen pro Monat durchzuführen", so Losko. Aktuelle Hotspots seien nach wie vor die Gegend um den Kahlenberg, die Triester Straße, der Bereich Oberlaa und der Gewerbepark Kagran. "Bei den ersten Maßnahmesetzungen hat es insofern Wirkung gezeigt, weil teilweise nicht mehr 250 sondern 600 Euro zu zahlen sind", nannte er als Beispiel. Wie sehr das Raser-Paket auch in Zukunft Wirkung zeigt, bleibe abzuwarten.

August: Maßnahmen gegen Roadrunner-Szene gesetzt

Maßnahmen gegen die Roadrunner-Szene wurden erst im August am Szene-Hotspot Kahlenberg-Parkplatz gesetzt. 65 Betonleitwände sollen dort ein "Driften" mutmaßlicher Raser unterbinden und ein Nacht-30er auf der Zufahrtsstraße soll für ruhigere Verhältnisse in der Nacht sorgen. Auch Schwerpunkt-Aktionen gegen Raser wurden ausgeweitet. "Diese Orte sind mobil. Mit dem Kahlenberg ist zwar eine Option verschwunden, aber eigentlich ist es nur eine Verschiebung", erklärte Losko.

Die Szene hatte ihren Beginn bereits in den 1990er-Jahren. Damals wäre es allerdings nur eine Randerscheinung gewesen. "Es ist damals auch schon schwerpunktmäßig überwacht worden, aber die Szene war klein und überschaubar", so der Oberstleutnant. Mittlerweile können schon einige hundert Menschen bei einem einzigen Treffen auftreten. Besonders in den 2000er-Jahren haben sich die Szenetreffen stark entwickelt und mit den Corona-Lockdowns nochmals erheblich vergrößert.

"Echte" Tuner würden sich entschieden von der Roadrunner-Szene abheben, erklärte Losko. Sie seien nicht diejenigen, die um jeden Preis mit stark getunten Autos auffallen wollen, sondern jene die aus Liebe ihren Wagen zu einem Kunstobjekt verarbeiten. "Die echten Tuner kommen zu diesen Treffen nicht. Das sind die, die aus ihrem Auto Kunstwerke machen", erklärte Losko. Vor allem seien "echte Tuner", jene die ihr Auto legal aufpimpen.

"Das geübte Auge erkennt, dass an diesem Fahrzeug getunt wurde", erklärte Losko. Besonders angesehen seien in der Community ohnehin schon teure Autos ab 100.000 Euro, die dann nochmals getunt werden. "Die stechen besonders raus und werden extrem bewundert." Damit fiele es auch leichter, in der szeneninternen Hierarchie leichter aufzusteigen.

"Raser-Problem" nicht nur in der Stadt

Das "Raser-Problem" sei aber keineswegs auf städtische Gebiete begrenzt. "Am Land gibt es mindestens die gleichen Probleme wie bei uns", sagte Losko. Einen konkreten Lösungsansatz könne er aber nicht nennen: "Die Maßnahmen gehen in die richtige Richtung und funktionieren in den ersten Wochen gut. Man wird aber sehen ob sich das hält".

Quelle: Agenturen / ddj