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Hunger in Brasilien nimmt weiter dramatisch zu

08. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Verstärkt durch mehr als zwei Jahre Corona-Pandemie hat sich die Ernährungssituation in Brasilien erneut zugespitzt.

125,2 Millionen Brasilianer haben keinen vollständigen und dauerhaften Zugang zu Nahrung, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Brasilianischen Forschungsnetzwerks für Ernährungssicherheit (Rede PENSSAN) mit Daten zwischen November 2021 und April 2022 hervorgeht. 33,1 Millionen unter ihnen leiden demnach Hunger.

Der Wirtschaftswissenschaftler Francisco Menezes führte den Anstieg in einer Mitteilung der Hilfsorganisation Action Aid, die die Studie unterstützt, auf drei Gründe zurück: Die Verarmung der Bevölkerung in Kombination mit der Inflation, den Abbau staatlicher Hilfen und die Schwächung der bäuerlichen Familienbetriebe.

Hunger als Problem 

Nach der Studie des Forschungsnetzwerks vom vergangenen April waren damals noch 19 Millionen Brasilianer von Hunger betroffen. Brasilien ist immer wieder von Hunger heimgesucht worden. Der frühere, linke Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2011) hatte den Kampf gegen den Hunger zu einer seiner Prioritäten erklärt. Hohe Rohstoffpreise und neu entdeckte Ölvorkommen halfen ihm, Sozialprogramme wie "Fome Zero" (Null Hunger) zu finanzieren. Der seit 2019 regierende, rechte Präsident Jair Bolsonaro dagegen setzte in einer seiner ersten Amtshandlungen den Nationalen Rat für Ernährungssicherheit aus.

Zunahme seit 2017

Nichtregierungsorganisationen wie die Ação da Cidadania sahen den Hunger bereits seit 2017 allmählich wieder zunehmen. Wirtschaftskrise und Einschnitte in den Sozialprogrammen ließen viele Menschen zurückfallen und Hunger leiden. Die Corona-Pandemie verstärkte die Entwicklung: Die Wirtschaft stürzte ab, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte, ein Teil der Jobs fiel weg. Vor der Essensausgabestellen etwa in Rio de Janeiro bildeten sich lange Schlangen.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj