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Hunderte trauerten um Todesopfer von Kirchenbrand in Ägypten

15. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Nach einem Brand in einer koptischen Kirche in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mit 41 Toten sind die Opfer unter großer Anteilnahme der Bevölkerung noch am gleichen Tag bestattet worden. Hunderten Menschen nahmen am Sonntagabend an der Trauerfeier für die Verstorbenen teil. Das Feuer in der Abu-Sifin-Kirche war während der Sonntagsmesse ausgebrochen, mehrere verzweifelte Besucher der Kirche sprangen aus den Fenstern des Gotteshauses.

Dem ägyptischen Innenministerium zufolge war das Unglück durch eine defekte Klimaanlage im zweiten Stock des Gebäudes ausgelöst worden, in dem sich die Kirche befindet. Bei dem Brand starb auch der Priester der Kirche, Pater Abdel-Messi Bechit. 14 Menschen wurden verletzt.

Augenzeugen beschrieben, wie Anrainer des dicht besiedelten Stadtteils Imbaba in die Kirche eilten. "Alle trugen Kinder aus dem Gebäude", sagte Ahmed Reda Baijumy. Aber das Feuer sei immer heftiger geworden, sodass die Zurückkehrenden nicht noch einmal hätten hineingehen können.

Einsatzkräfte konnten den Brand nach Behördenangaben später unter Kontrolle bringen. Eines der Feuerwehrautos, die im Einsatz waren, verstopfte fast die gesamte Straßenbreite in dem dicht besiedelten Gebiet am linken Nilufer. Die Kirche befindet sich im Erdgeschoß eines Gebäudes, in dem auch ein Zentrum für soziale Dienste untergebracht ist.

Pater Farid Fahmi von der nahegelegenen Kirche Mar Jemina erklärte, das Feuer sei nach einem Stromausfall ausgebrochen: "Der Strom war ausgefallen und sie benutzten einen Generator", sagte er. "Als der Strom wieder da war, kam es zu einer Überlastung.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi erklärte auf seiner Facebook-Seite, er habe alle staatlichen Stellen mobilisiert, um die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Später erklärte al-Sisi, er habe dem koptischen Kirchenoberhaupt Tawadros II. "telefonisch sein Beileid ausgesprochen".

Der Großimam des Al-Ashar-Instituts, der wichtigsten islamischen Institution Ägyptens, äußerte sein Beileid für das "tragische Unglück" und erklärte die "Bereitschaft der Al-Ashar-Krankenhäuser, die Verletzten aufzunehmen". Auch UNO-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer in einer Mitteilung seines Büros sein "tief empfundenes Beileid" aus. In der Millionenstadt Kairo sind Feuer keine Seltenheit. Erst am vergangenen Montag war im wohlhabenden Viertel Heliopolis im Osten Kairos eine Kirche in Brand geraten.

Etwa zehn bis 15 Millionen der insgesamt 103 Millionen Ägypter sind koptischen Glaubens. Die Kopten sind damit die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Obwohl sie zahlreich sind, fühlen sich die Kopten von vielen Ämtern ausgeschlossen und kritisieren etwa, dass die Gesetze für den Bau von Kirchen sehr viel strenger seien als für den Bau von Moscheen.

Al-Sisi ist der erste ägyptische Präsident, der jedes Jahr an der koptischen Weihnachtsmesse teilnimmt. Er ernannte kürzlich zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen koptischen Richter zum Vorsitzenden des Verfassungsgerichts.

Ägyptens Regierung sicherte den Hinterbliebenen inzwischen finanzielle Hilfe zu. Familien der Opfer sollen umgerechnet gut 5.000 Euro erhalten, wie das ägyptische Ministerium für gesellschaftliche Solidarität am Montag mitteilte. Menschen, die bei der Katastrophe verletzt wurden, bekommen demnach jeweils gut 1.000 Euro. Zudem sicherte die Behörde allen betroffenen Familien psychologische Hilfe zu.

Auch das österreichische Außenministerium hatte am Sonntag auf das Unglück reagiert: "Wir sind zutiefst bestürzt über das tragische Feuer in der Abu-Sifin-Kirche in Gizeh, bei dem mehrere Dutzend Menschen, darunter auch Kinder, ums Leben kamen. Unser aufrichtiges Beileid gilt den Menschen in Ägypten und denen, die geliebte Menschen verloren haben. Allen Verletzten wünschen wir eine rasche Genesung", hieß es in einer Mitteilung auf Twitter.

Quelle: Agenturen