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Hitlergruß vor Wiener AKH - Prozess um Wiederbetätigung

21. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Ein junger Arzt im Wiener AKH ist in vergangenen Herbst einem jungen Pärchen entgegengetreten, das vor dem Spital mit einem neonazistischen Auftritt einen Zeitungsverkäufer indischer Abstammung in Bedrängnis brachte.

Der Mediziner bewies Zivilcourage und ging dazwischen. "Ich bewundere Ihre Aktion", beschied ihm am Montag ein Geschworener am Landesgericht, wo sich der männliche Tatverdächtige unter anderem wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verantworten musste.

"Ich wollte eine schweigende Wand bilden", erwiderte der Arzt dem Laienrichter. Der Mediziner hatte am 15. Oktober gegen 16.00 Uhr Dienstschluss. Auf der Fußgängerbrücke vom Haupteingang über den Gürtel nahm er wahr, wie ein offensichtlich alkoholisierter und hochaggressiver Mann in Begleitung einer Frau auf einen Zeitungsverkäufer losging.

Nahm Zeitung und rief mehrmals laut "Heil Hitler"

Der Mann hatte eine Zeitung an sich genommen, als der Verkäufer dafür kassieren wollte, warf der Mann die Zeitung zu Boden und schrie laut Anklage mehrmals "Heil Hitler" und meinte zu dem Zeitungsverkäufer - offenbar unter Anspielung auf dessen Herkunft - "Du weißt, was sie damals mit dir gemacht hätten". Dabei zeigte er den Hitlergruß und drohte dem gebürtigen Inder mit der Faust der anderen Hand. Als sich dieser bückte, um die Zeitung aufzuheben, schrie der gewaltbereite Aggressor: "Wenn du dich bückst, trete ich dir den Schädel ein."

"Dabei hat er mit dem Fuß ausgeholt, um ihn treten zu können", schilderte der Arzt, der in dieser Situation eingeschritten war, dem Schwurgericht. Tatsächlich ließ das Pärchen - die Frau hatte laut Anklage ebenfalls Nazi-Parolen skandiert - von dem Zeitungsverkäufer ab. Sie hätten ihm gegenüber allerdings noch erklärt, "stolze Neonazis" zu sein, bemerkte der Arzt am Ende seiner Zeugenbefragung.

Angeklagter bekannte sich teilweise schuldig

Der Angeklagte - ein 34-jähriger Deutscher, der 2018 nach Wien übersiedelt war - bekannte sich teilweise schuldig. Seine Begleiterin bekommt einen separaten Prozess, derzeit gibt es von ihr keine gültige Meldeadresse. Der 34-Jährige hatte demgegenüber keine Möglichkeit, unterzutauchen und sich der Strafverfolgung zu entziehen. Er wanderte nach dem Vorfall im Unterschied zu ihr nämlich in U-Haft, da er nicht weniger als 18 Vorstrafen aufweist, darunter eine einschlägige und mehrere wegen Körperverletzungen.

"Es war eine Dummheit von mir. Der Zeitungsverkäufer hat das überhaupt nicht verdient. Es tut mir leid, ich bin eigentlich nicht so. Ich bin nicht so ein Typ", gab der Angeklagte zu Protokoll. Schuld an dem Ganzen sei der Alkohol: "Ich hätte es eh nicht gemacht. Ich war einfach nur betrunken." An dem Tag habe er in der Früh wie immer eine Flasche Wodka geleert. "Auf nüchternen Magen", wie der 34-Jährige betonte. Danach habe er noch ein paar Bier gehabt, ehe er die Frau - eine Bekannte - in die Notaufnahme des AKH begleitete. Er habe nichts gegen Ausländer: "Ich gehe gerne Döner essen. Ich gehe gern zum Chinesen."

Einweisung beantragt

Die Staatsanwaltschaft hat neben der Verurteilung die Einweisung des an sich zurechnungsfähigen Mannes in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt. Grund dafür ist das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Peter Hofmann.

Demzufolge weist der 34-Jährige eine dissoziale Persönlichkeitsstruktur auf, hat aufgrund seiner Alkoholergebenheit - eigenen Angaben zufolge trinkt er seit seinem 14. Lebensjahr - eine Persönlichkeitsveränderung mitgemacht und sich Schädigungen des Gehirns zugefügt. Diese Gemengelage lasse befürchten, dass der Mann ohne haftbegleitende therapeutische Maßnahmen neuerliche Straftaten mit schweren Folgen setzen wird, so Hofmann.

Die Verhandlung wurde zur Einvernahme des Zeitungsverkäufers sowie mehrerer im AKH tätigen Securities vertagt. Denn nach dem Zwischenfall auf der Fußgängerbrücke hatte es einen weiteren gegeben, als das Pärchen aufgrund der Covid-Bestimmungen nicht ins Spital gelassen wurde. Daraufhin sollen die beiden die Securitys rassistisch beschimpft, sich als "Nazis" deklariert und mehrfach den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben haben. Termin für die nächste Verhandlung gibt es noch keinen.

Quelle: Agenturen