Hass-Kriminalität: Junge Männer in Eisenstadt verurteilt
Bei den "Pedo-Huntern" handelt es sich um eine internationale Szene, die unter dem Deckmantel einer Jagd auf vermeintliche Pädokriminelle Gewaltfantasien auslebt und es dabei auch oft auf Homosexuelle abgesehen hat. Die beiden Angeklagten, denen schwere Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen wurde, dürften dem Opfer fälschlicherweise Pädophilie unterstellt haben. Sie gaben sich auf Social Media als Mädchen aus und vereinbarten ein Treffen mit dem jungen Mann. Als dieser dort erschien, zerrten sie ihn aus dem Auto und verprügelten ihn.
Es handle sich um einen "Vorfall einer beispiellosen, aus dem Ruder geratenen, völlig rechtswidrigen Selbstjustiz", betonte die Staatsanwältin. Die vermeintlichen Vorwürfe gegen das Opfer gingen ins Leere. "Aus den Chats mit dem fiktiven Mädchen ergab sich überhaupt kein Hinweis auf Pädophilie", stellte die Richterin bei der Urteilsverkündung klar.
Dasselbe gelte auch für einen ähnlichen Vorfall wenige Tage zuvor, an dem allerdings nur der Erstangeklagte beteiligt war. Dieser zeigte sich vor Gericht teilweise geständig und erhielt mit 15 Monaten Haft, davon zehn bedingt, die deutlich höhere Strafe, was die Richterin damit begründete, dass er die "Triebfeder" war. "Er hat sich als Mädchen ausgegeben in beiden Fällen, aktiv den Kontakt zu den beiden Opfern hergestellt, er hat Ort und Zeit der Treffen bestimmt und die weiteren Täter eingeladen." Sechs bis acht Leute sollen jeweils beteiligt gewesen sein, von denen jedoch bisher nur die beiden Angeklagten ausgeforscht wurden.
Der Zweitangeklagte zeigte sich vor Gericht reumütig geständig und war laut seinem Verteidiger "der klassische Mitläufer". Er war zu Beginn des Prozesses am Freitagvormittag als einziger anwesend. Der Erstangeklagte steckte zunächst im Schnee fest und stieß später dazu - ebenfalls ein Drittangeklagter, dem jedoch lediglich Sachbeschädigung vorgeworfen wurde. Er soll mehrere Gebäude mit Graffitis verunstaltet haben und erhielt eine Diversion.
Zusammenfassung
- Zwei junge Männer wurden am Landesgericht Eisenstadt wegen Hass-Kriminalität zu 15 Monaten teilbedingter Haft und sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.
- Die Angeklagten, die der internationalen Pedo-Hunter-Szene angehören dürften, lockten im Juli 2024 einen jungen Mann mit einem Fake-Account nach Parndorf und schlugen ihn dort zusammen.
- Das Gericht stellte klar, dass es keinerlei Hinweise auf Pädophilie beim Opfer gab und sprach von "beispielloser, völlig rechtswidriger Selbstjustiz".
