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Hans Krankl wird 70 und legt nicht viel Wert darauf

Hans Krankl feiert am 14. Februar seinen 70. Geburtstag - was andere weit mehr interessiert als ihn selbst. "Für meine Familie oder Journalisten ist das wichtiger als für mich. Für mich ist das ein Geburtstag wie jeder andere, ich lege auf Geburtstage nicht viel wert", sagte der Jubilar der APA. Große Party sei keine geplant, er werde seinen Ehrentag in aller Ruhe im Kreise der Familie begehen, ließ Krankl wissen. Ganz vermeiden lassen sich die Feierlichkeiten aber nicht.

Rapid lädt am 17. Februar zum Event "70 Jahre - Ein Abend für Hans Krankl" ins Allianz Stadion. Die Veranstaltung mit dem Geburtstagskind war binnen weniger Minuten ausgebucht, es mussten Zusatzkarten aufgelegt werden. Dabei ließ sich der "Jahrhundert-Rapidler" noch gar nicht oft in der neuen Heimstätte der Hütteldorfer blicken, denn Krankls Verhältnis zu seinem Herzensclub hat in den vergangenen Jahren Schaden genommen.

Vor knapp zehn Jahren schien seine Rückkehr zu Rapid als Vizepräsident bereits beschlossene Sache, doch dann lehnte das Wahlkomitee Krankls Unterstützer Erich Kirisits als Präsidenten ab. Michael Krammer übernahm das Amt, die Club-Ikone schäumte. 2019 sprach sich Krankl für Roland Schmid als neuen Clubchef aus, in der Kampfabstimmung setzte sich aber Martin Bruckner durch.

Mittlerweile verspürt Krankl nach eigenen Angaben nicht mehr das Bedürfnis nach einer Tätigkeit bei Rapid. "Man hat mich zweimal nicht gewollt, damit ist es für mich uninteressant." Die sportlichen Entscheidungen bei den Grün-Weißen werden derzeit von Steffen Hofmann, Markus Katzer und Zoran Barisic getroffen. "Ich kann ihnen nur viel Glück wünschen. Man wird sehen, ob sie es packen", sagte der einstige Rapid-Trainer (1989 - 1992).

Den von mancher Seite angekündigten Neubeginn bei Rapid kann Krankl nicht erkennen. "Sie haben gesagt, alles wird neu, aber das ist nicht passiert. Es ist vieles beim Alten geblieben." Die seit 2008 andauernde Wartezeit der Hütteldorfer auf einen Titel schmerzt Rapids Rekordtorschützen. "Aber die Leute, die dort in den letzten 15 Jahren waren, haben immer alles besser gewusst. Was rausgekommen ist, hat man eh gesehen."

Die ständigen Hinweise, Red Bull Salzburg sei aufgrund der finanziellen Überlegenheit unerreichbar, kann Krankl nicht mehr hören. "Eine Chance gibt es immer. Natürlich hat Salzburg das größte Budget und die beste Mannschaft, aber im Fußball wird nicht alles nur mit Geld gewonnen. Wenn ich mich mit dem zweiten oder dritten Platz zufriedengebe, bin ich erster oder zweiter Verlierer", meinte Krankl. Er beziehe sich mit dieser Aussage aber nicht nur auf Rapid, sondern auch auf alle anderen Liga-Clubs, betonte der Ex-Goalgetter.

Kritisch beäugt wird zudem der Einfluss der organisierten Rapid-Fanszene. "Die Fans leisten für das Spiel und die Mannschaft Großartiges, es gibt kein besseres Publikum als das Rapid-Publikum. Das Mitspracherecht im Club ist eine andere Geschichte, das ist wahrscheinlich zu viel geworden, aber das kann ich von außen nicht beurteilen", sagte Krankl.

Eine Portion Skepsis bringt der 69-fache ÖFB-Internationale (34 Tore) auch Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick entgegen. "Es ist kein Geheimnis, dass ich lieber Andi Herzog oder Peter Stöger als Teamchef gesehen hätte." Er wolle die Arbeit Rangnicks erst im Sommer, nach einem Jahr im Amt, beurteilen, so Krankl.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ära des Deutschen seien gut. "Wir haben 35 Legionäre bei teilweise sehr prominenten Vereinen, sehr viele Klassespieler. Von dieser Nationalmannschaft kann man sehr viel erwarten." Unter Krankls Regentschaft von 2002 bis 2005 befand sich die Qualität der ÖFB-Auswahl auf einem deutlich niedrigeren Level. "Ich denke mir schon manchmal, wenn ich so eine Truppe gehabt hätte, wie wir sie heute haben, das wäre was gewesen. Aber es war halt nicht so."

Als Spieler war Krankl mit dem Nationalteam deutlich erfolgreicher als in seiner Trainer-Tätigkeit - seine beiden Tore beim 3:2 gegen Deutschland bei der WM 1978 in Cordoba samt Edi Fingers "I werd narrisch!" wurden legendär. "Das ist kein Alter Hut. Wenn ich 100 Jahre tot bin, werden sie noch von Cordoba reden, weil es ein Stück österreichische Fußball-Geschichte ist. Das wird niemals fad, das wird immer bleiben", erklärte Krankl.

Cordoba war bei weitem nicht der einzige Erfolg in der Karriere des Wieners. Mit Rapid wurde er zweimal Meister (1982, 1983), viermal Cupsieger (1976, 1983, 1984, 1985) und kam 1985 im Cupsieger-Bewerb ins Europacup-Finale (1:3 gegen Everton, Ehrentor Krankl). Mit dem FC Barcelona gewann er 1979 den Europacup der Cupsieger, auch im Endspiel gegen Fortuna Düsseldorf steuerte er einen Treffer bei.

Seit dieser Zeit ist Krankl großer Fan des katalanischen Großclubs, vor allem dessen einstiger Star Lionel Messi hat es dem ehemaligen Torjäger angetan. "Ich habe mich über seinen WM-Titel sehr gefreut. Ich liebe ihn, durfte ihn kennenlernen, als er 20 war. Er ist der beste Spieler, den es je gab, und ein anständiger, bescheidener Bursche." Auch von Messis Dauerrivalen Cristiano Ronaldo hat Krankl eine hohe Meinung. "Ronaldo ist der Zweitbeste aller Zeiten, aber Messi ist unerreicht."

Den europäischen Spitzenfußball analysiert Krankl ebenso wie den heimischen Kick als Experte des Pay-TV-Senders Sky, der anlässlich des 70. Geburtstags am 14. Februar (19.15 Uhr) eine Doku mit dem Titel "Ich bin Hans Krankl" ausstrahlt. Dabei ist der Jubilar unter anderem in seiner "zweiten Heimat" Jesolo und in Wien-Mariahilf, wo er zu ballestern begann, zu sehen.

Gesendet werden auch Ausschnitte eines Konzerts des Ex-Stürmers mit der Band "Monti Beton", mit der Krankl des Öfteren auf der Bühne steht. "Diese Auftritte machen mir riesigen Spaß, und den Leuten gefällt's." Der nächste Gig steigt am 18. Februar, einen Tag nach der Party im Allianz Stadion, im Portofino Vienna in Wien-Simmering.

ribbon Zusammenfassung
  • Hans Krankl feiert am 14. Februar seinen 70. Geburtstag - was andere weit mehr interessiert als ihn selbst.
  • Ganz vermeiden lassen sich die Feierlichkeiten aber nicht.
  • Rapid lädt am 17. Februar zum Event "70 Jahre - Ein Abend für Hans Krankl" ins Allianz Stadion.
  • "Es ist kein Geheimnis, dass ich lieber Andi Herzog oder Peter Stöger als Teamchef gesehen hätte."
  • Er wolle die Arbeit Rangnicks erst im Sommer, nach einem Jahr im Amt, beurteilen, so Krankl.