APA/APA/National Police of Ukraine/HANDOUT

Menschen in der Ukraine unter verstärktem Beschuss

12. März 2022 · Lesedauer 3 min

Die Bevölkerung von Städten und Dörfern in der Ukraine ist am Samstag erneut unter verstärkten Beschuss der russischen Armee genommen worden. Vor allem aus dem Süden wurden heftige Kämpfe gemeldet, aber auch im Osten sowie aus der Umgebung der Hauptstadt Kiew.

Für die etwa 400.000 Bewohner der belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten zeichnete sich keinerlei Erleichterung ab. Das russische Verteidigungsministerium sprach am 17. Kriegstag von Angriffen auf "breiter Front".

Selenskyi spricht von 12.000 toten russischen Soldaten 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete seinerseits von erheblichen Verlusten der Angreifer und dem "größten Schlag für die russische Armee seit Jahrzehnten". Inzwischen seien 12.000 russische Soldaten getötet worden. Die Verluste in den eigenen Reihen seit Kriegsbeginn gab er mit etwa 1.300 Soldaten an. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

In Mariupol stießen prorussische Separatisten mit Unterstützung russischer Truppen in östliche Randbezirke vor, wie die ukrainischen Streitkräfte mitteilten. Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium die Einnahme mehrerer Stadtteile gemeldet. Mariupol wird seit Tagen belagert. Die humanitäre Lage dort ist dramatisch, Zehntausenden Menschen fehlt es an Essen, Wasser und Medikamenten.

Erneut sei ein Konvoi mit Hilfsgütern und Bussen zur Evakuierung in die Stadt aufgebrochen, sagte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk. Ob der fünfte Versuch eines Fluchtkorridors gelingen würde, blieb zunächst unklar. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld dafür, dass die Hilfe nicht ankam.

Aus dem Süden schrieb der Gouverneur des Gebiets Mykolajiw, Witalij Kim: "Die Besatzer haben nachts mit wahllosem, chaotischem Feuer Krankenhäuser und Internate beschossen." Die Angreifer hätten ihre Taktik geändert und versteckten sich in Dörfern zwischen Zivilgebäuden. Mykolajiw liegt an der Mündung des Südlichen Bugs ins Schwarze Meer. Sollten russische Truppen die Stadt einnehmen oder umgehen, stünde ihnen der Landweg nach Odessa offen.

Isjum zur Hälfte unter russischer Kontrolle 

Im Osten des bedrängten Landes soll die umkämpfte Kleinstadt Isjum an der Grenze zum Donezker Gebiet laut ukrainischen Angaben bereits etwa zur Hälfte unter russischer Kontrolle stehen. Die angreifenden Truppen hätten sich im nördlichen Teil der Stadt verschanzt. Eine unabhängige Bestätigung dafür war nicht möglich.

Rund um die von den Russen eroberte Stadt Wolnowacha im Donbass versuchten die russischen Truppen nach Kiewer Angaben, eine Offensive zu starten. Heftige Kämpfe habe es zudem um die Ortschaft Rubischne im Luhansker Gebiet gegeben. Ebenfalls im Osten der Ukraine nahmen die Angreifer nach russischen Angaben zahlreiche Ortschaften ein. Laut dem Gouverneur der Region Donezk ist Wolnowacha völlig zerstört; der Kampf um das Territorium der Stadt gehe weiter, so Pawlo Kyrylenko.

Stadt im Westen ohne Wasserversorgung 

Nach ukrainischen Militärangaben versuchen russische Truppen zudem, die nordostukrainische Stadt Tschernihiw aus südwestlicher Richtung zu blockieren. Präsident Selenskyj sagte, die Großstadt mit knapp 280.000 Einwohnern sei ohne Wasserversorgung.

Vize-Regierungschefin Wereschtschuk sprach von geplanten Flüchtlingskorridoren für mehrere Orte nordwestlich von Kiew wie Hostomel, Makariw und Borodjanka. Dort hat sich die russische Armee seit Tagen festgesetzt und versucht weiter, die Hauptstadt auch von Westen her zu blockieren. Bemühungen um die Evakuierung von Bewohnern gab es auch weiter im Nordosten der Ukraine.

In der Nähe von Kiew soll nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums eine Luftwaffenbasis in Wassylkiw und das nachrichtendienstliche Aufklärungszentrum der ukrainischen Streitkräfte in Browary zerstört worden sein.

Quelle: Agenturen