Hallstatt: Angst vor den Massen, aber nicht aus China

04. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Die Reisebeschränkungen fallen in China, das sorgt in der Tourismusdestination Hallstatt bei der Bevölkerung für Sorgen und beim Tourismus für Freude. Eine Gemeinde im Zwiespalt.

Hallstatt wird gerne in einem Atemzug mit Wien und Salzburg genannt, ein Dorf von Welt mit Touristinnen und Touristen von überall. 2019 gab es in der Region eine Million Nächtigungen und das bei 730 Einwohnern. In China fallen ab 8. Jänner die Corona-Reisebeschränkungen.

Vor der Pandemie für Reisende aus Asien ein beliebtes Ziel. 2011 wurde das Dorf in China sogar nachgebaut, damit wurde Hallstatt als Massentourismus-Hotspot auf die Weltbühne katapultiert. Der Massentourismus selbst wird zum Spektakel für Reisende: In einem Automaten kann Luft aus Hallstatt in Flaschen abgefüllt gekauft werden, Supermarktschilder sind Deutsch, Englisch oder Chinesisch.

Mit zwei blauen Augen durch die Krise

850.000 Nächtigungen gab es in der Region 2022, schätzt Christian Schirlbauer vom Tourismusverband Ferienregion Dachstein Salzkammergut. "2019 war sehr, sehr viel los", sagt er. Aktuell würde aber nur mehr auf den Märkten in Österreich, Deutschland, Tschechien und Holland geworben.In Asien setzt der Tourismusverband auf Influencer: Aus den "USA, Südostasien, China und Japan" gäbe es ein "Grundrauschen" an Touristinnen und Touristen. "Das bedeutet, ich lade eigentlich nur Journalisten, Blogger und Influencer ein".

In der Pandemie waren viele Österreicher und Deutsche da, mit der Aussage: "Jetzt san kane Chinesen do, jetzt schau'n ma uns Hallstatt an."

Christian Schirl, Tourismusverband Dachstein Salzkammergut

Hallstatt sei mit "zwei blauen Augen" durch die Pandemie gekommen, sagt Schirlbauer. Es war immer etwas los: Von einer Million Nächtigungen 2019 halbierte sich die Zahl 2020 auf 570.000 Besucher. 2022 waren es laut Schätzungen des Tourismusverbandes 850.000, der Tourismusvertreter wünscht sich bald wieder die Million zu knacken.

Ansturm ja, aber nicht aus China

Tagesgast oder Nächtigung, das macht den Unterschied für die Gastgeber am Hallstätter See: Drei Stunden würden Tagesgäste, die mit Bus oder PKW anreisen in Hallstatt bleiben, sagt Tourismusvertreter Schirlbauer.

Aktuell besuchen zwischen 5.000 bis 7.000 Menschen täglich Hallstatt, obwohl die Reisenden aus China noch nicht dürfen. Bürgermeister Alexander Scheutz würde sich die Hälfte davon wünschen.

Die Gemeinde hätte 2023 gerne weniger Nächtigungen als 2022. Besucher:innen aus China waren immer gute Gäste, man bereite sich nicht explizit auf sie vor, sagt Scheutz. Angst vor Corona hat Hallstatt keine, die Bedenken gegenüber dem Massentourismus überwiegen.

Mit einem Ansturm dieser Touristen rechnen weder Bürgermeister Scheutz, noch Tourismusvertreter Schirlbauer. Scheutz glaubt, dass es frühestens ab Mitte Februar mehr Tourist:innen aus China geben wird.

Die Chinesen tragen Maske und da ist uns schon geholfen.

Alexander Scheutz, Bürgermeister von Hallstatt

Von Abwasser-Monitoring aus Medien erfahren

Am Dienstag kündigte das Gesundheitsministerium an, Hallstatt in das Abwassermonitoring des Bundes einzubinden. Die Gemeinde habe das aus den Medien erfahren, sagt Bürgermeister Scheutz im Interview mit PULS 24 Anchor Jakob Wirl. Hallstatts Abwasser wird seit 2020 gemonitored, wie aus Unterlagen des Hallstätter Gewässerschutzes hervorgeht, zuerst von der TU Wien, dann vom Land Oberösterreich und ab 2023 vom Bund. 

Der Hallstätter Bürgermeister hofft auf eine europäische Lösung und begrüßt Testungen im Heimatland der Tourist:innen. Auch für Tourismusvertreter Schirlbauer wären von der Gemeinde durchgeführte Touristentestungen ein "No-Go".

"Ich verstehe den Bürgermeister vollkommen, aber auf der anderen Seite ist vor allem das innere Salzkammergut eine Tourismusdestination, in der eine sehr, sehr große Zahl der Einheimischen vom Tourismus lebt", sagt Tourismusvertreter Schirlbauer. Und das seien nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern auch Bäcker, Fliesenleger oder Tischler.

Auch ohne Werbung zieht die Gemeinde Hallstatt massenhaft Touristen an. Mit einem Slot-System für Busse oder Werbestopps wurde versucht, dem entgegenzuwirken, trotzdem ist Hallstatt ein Fixpunkt auf Europa-Reisen. Für die Einheimischen ist die Situation schwierig, bei den Gastronomen ist der Tourismus gern gesehen.

"Wenn ich mit einem Gastronomiebetrieb in Hallstatt rede, sagt der 'ja bitte, wieder die Chinesen, das sind unkomplizierte Gäste', weil er möchte ja wieder eine Umsatzsteigerung generieren. Rede ich mit Einheimischen sagt der 'bitte nicht mehr so viele Gäste'". Schirlbauer glaubt, dass es eine Ausgewogenheit zwischen Tourismus und Lebensqualität geben muss.

Reporter Daniel Gmainer berichtet für PULS 24 aus Hallstatt

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Virologe Nowotny über die "Gefahr" aus China:

Virologe Norbert Nowotny über Tourismus und das Coronavirus. 

Die Pandemie habe sich zu einer Endemie entwickelt. Bei Abwasserscreenings, wie dem, das aktuell in Hallstatt durchgeführt wurde, müsse ausreichend Virus gesammelt werden, um eine Testung durchzuführen. Er denkt, dass die Maskenpflicht in Österreich bis Ende des Winters bleiben wird und hofft auf eine europäische Lösung in Bezug auf den Tourismus aus Regionen mit hohen Corona-Erkrankungszahlen.

Franziska SchwarzQuelle: Redaktion / frn