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Regionalregierung im Jemen will Armeebasen kampflos zurück

Heute, 09:33 · Lesedauer 3 min

Im neuentbrannten Konflikt im Jemen droht eine weitere Eskalation. Vonseiten der von Saudi-Arabien unterstützten Regierung in dem zerfallenen ⁠Bürgerkriegsland wurde am Freitag ein Einsatz angekündigt, um Stellungen von den Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats (STC) zurückzuerobern. Der Gouverneur der Provinz Hadramaut, Salem Ahmed Said al-Khanbashi, betonte dabei, dass dies keine Kriegserklärung sei. Es sei ein "friedlicher Einsatz" geplant.

Dies sei, um die Sicherheit zu gewährleisten, erklärte Khanbashi, ohne dies näher zu erläutern. Die Regierung teilte mit, sie habe Khanbashi das Oberkommando über die Streitkräfte in der östlichen Provinz übertragen, um Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Der STC, der von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wird, teilte daraufhin mit, seine Streitkräfte in der gesamten Region seien in Alarmbereitschaft und bereit, entschlossen zu reagieren.

Im Jemen herrscht seit 2014 Bürgerkrieg. Bisher waren Saudi-Arabien und die Emirate sowie die von ihnen unterstützten Gruppen Bündnispartner im Kampf gegen die islamistischen Houthi-Rebellen, die weite Teile im Norden und Westen kontrollieren und vom Iran unterstützt werden. Doch im vergangenen Monat kam es zum Bruch. Der STC, der die Abspaltung des Südjemen anstrebt, eroberte weite Teile des Südens, die von der international anerkannten und von Saudi-Arabien gestützten Regierung kontrolliert wurden. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten dann vergangene Woche nach einem Ultimatum Saudi-Arabiens angekündigt, ihre verbliebenen Truppen aus ⁠dem Jemen abzuziehen.

Die Spannungen spiegeln sich auch in der Schließung des internationalen Flughafens von Aden wider, die am Freitag andauerte. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Einstellung des Flugverkehrs verantwortlich. Der saudi-arabische Botschafter im Jemen, Mohammed Al-Jaber, warf dem STC-Chef Aidarus Al-Subaidi auf der Online-Plattform X vor, einem Flugzeug mit einer saudi-arabischen Delegation die Landeerlaubnis verweigert zu haben. Saudi-Arabien habe sich bis zuletzt bemüht, mit dem STC alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Eskalation zu beenden, sei aber auf kontinuierliche Ablehnung gestoßen.

Das vom STC kontrollierte Verkehrsministerium warf Saudi-Arabien seinerseits eine Luftblockade vor. Der Flughafen von Aden ist der wichtigste Zugang zu den Regionen des Landes, die nicht von den Houthi-Rebellen kontrolliert werden.

Der Konflikt im Jemen, in dem Saudi-Arabien, die Emirate und der Iran um Einfluss in der Region ringen, hat tiefe ⁠historische Wurzeln. Der Jemen war bis 1990 in einen Nord- und einen Südstaat geteilt. Nach der Wiedervereinigung dominierte der Norden. Ein Versuch des Südens, sich 1994 wieder abzuspalten, wurde militärisch niedergeschlagen. Die Separatisten des STC streben seit langem die Unabhängigkeit des Südens an.

Zusammenfassung
  • Die von Saudi-Arabien unterstützte Regionalregierung im Jemen kündigt einen 'friedlichen Einsatz' zur Rückeroberung von Stellungen des Südlichen Übergangsrats (STC) an, nachdem dieser im vergangenen Monat weite Teile des Südens eingenommen hat.
  • Nach einem saudischen Ultimatum haben die Vereinigten Arabischen Emirate vergangene Woche den Abzug ihrer verbleibenden Truppen aus dem Jemen angekündigt, während der STC seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzt.
  • Der internationale Flughafen von Aden bleibt weiterhin geschlossen, wobei beide Seiten sich gegenseitig für die Einstellung des Flugverkehrs verantwortlich machen.