Großdemonstrationen gegen die italienische Mafia
Zu den Demonstrantinnen und Demonstranten zählten auch 500 Angehörige von Todesopfern der Mafia, deren Namen in Rom verlesen wurden. Auch in mehreren anderen italienischen Städten, darunter Rom und Palermo, fanden am Samstag Anti-Mafia-Demonstrationen statt. Die Anti-Mafia-Organisation "Libera" hatte 1995 den "Giorno della Memoria" (Tag der Erinnerung) ins Leben gerufen. Seither wird jedes Jahr am 21. März vor allem der Opfer der Mafia gedacht.
Staatspräsident Sergio Mattarella warnte vor dem Eindringen der Mafia in die legale Wirtschaft sowie in die öffentlichen Institutionen. Die Mafia sei ein schwerer Ballast für Italien. Mattarellas älterer Bruder, der ehemalige sizilianische Gouverneur Piersanti Mattarella, war 1980 von der Cosa Nostra auf Sizilien ermordet worden.
Die Mafia generiert laut Experten einen Umsatz von jährlich 40 Milliarden Euro. Damit erwirtschafte sie zwei Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts und wesentlich mehr als Großkonzerne wie etwa die nationalen Energieunternehmen Enel und Eni, warnen Experten. Die wichtigsten Einnahmequellen seien nach wie vor der Drogenhandel, Erpressung und Schutzgelder sowie Leistungen zu Wucherpreisen. Auch durch Prostitution und Waffenhandel würden die Kassen der Mafia italienweit klingeln.
Am gefährlichsten sei das zunehmende Vordringen der "Paten" in das normale Wirtschaftsleben. Circa 150.000 Unternehmen in Italien seien mit der Mafia verstrickt, wie aus den Daten der italienischen Geldwäschebehörde, der Financial Intelligence Unit (FIU) der italienischen Zentralbank, hervorgeht.
Zusammenfassung
- Rund 50.000 Menschen, darunter Oppositionschefin Elly Schlein und 500 Angehörige von Mafia-Opfern, demonstrierten am Samstag in Turin und weiteren italienischen Städten gegen die Mafia.
- Die Anti-Mafia-Bewegung 'Libera' von Pfarrer Luigi Ciotti organisierte die Proteste zum jährlich am 21. März stattfindenden 'Giorno della Memoria', bei dem der Mafia-Opfer gedacht wird.
